Corona

Seniorenheim in Olpe: „Wir lachen trotz Corona jeden Tag“

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Gerda Siewer sitzt im Garten des Haus Matthäus in Rüblinghausen und freut sich. Über das Wetter, über ihre Gesundheit – über die kleinen Dinge im Leben.

Gerda Siewer sitzt im Garten des Haus Matthäus in Rüblinghausen und freut sich. Über das Wetter, über ihre Gesundheit – über die kleinen Dinge im Leben.

Foto: Verena Hallermann

Rüblinghausen.  Auch für die Bewohner der Seniorenheime im Kreis Olpe ist die Corona-Krise nicht einfach. Aber wie ging es ihnen eigentlich wirklich?

Gerda Siewer hat heute Morgen schon die Erdbeeren geschnitten. Jetzt liegen sie auf den Tellern ihrer Mitbewohner verteilt. Zusammen mit den selbstgebackenen Waffeln. „Wir müssen uns manchmal bremsen, sonst passen wir nicht mehr durch die Tür“, sagt die Seniorin und lacht. „Jedes Mal ein Pfündchen mehr.“ Die 79-Jährige sitzt draußen auf der Terrasse des Haus Matthäus in Rüblinghausen. Ein paar Damen aus der Kochgruppe leisten ihr Gesellschaft. Ein Sonnensegel spendet Schatten. Vogelzwitschern erklingt zwischen dem Klappern des Besteckes. Die Stimmung ist gut – so wie eigentlich während der gesamten Corona-Krise.

Kontakte durfte es nicht geben

Der Höhepunkt der Pandemie war nicht einfach. Für niemanden. Die Infektionszahlen stiegen, die Vorsichtsmaßnahmen wurden strenger. In den Seniorenheimen herrschte zwischenzeitlich ein Besuchsverbot. So auch im Haus Matthäus in Rüblinghausen. Sorgen umtrieben manche Bewohner. Manchmal auch Angst. „Am Anfang bin ich nicht aus dem Zimmer gegangen“, sagt Annegret Voss und erzählt von ihren Vorerkrankungen. Die verschiedenen Wohnbereiche blieben strickt getrennt. Kontakte durfte es nicht geben. Das Programm blieb aber bestehen – nur eben in kleineren Gruppen. So wurde also weiter gekocht, geturnt, meditiert oder gespielt. „Wir sind nie ganz isoliert gewesen“, erzählt Gerda Siewer. „Hier ist es nie einsam gewesen.“

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Im Gegenteil. In den Wohnbereichen sind neue Freundschaften entstanden. Und der Kontakt zur Verwandtschaft war immer möglich. „Wir haben Skype genutzt, als Besuch nicht möglich war“, erzählt Susanne Siekmeier, Leiterin des Sozialdienstes. „Oder man ist sich mit Abstand am Fenster begegnet.“ So hat es Doris Halbe (83) oft gemacht. Sie hat das Glück, dass ihr Zimmer im Erdgeschoss direkt an den Fußweg grenzt. Eben mal ein kleines Pläuschchen aus der Ferne. Herrlich. Von außen kam viel Zuspruch. Häufig in Form von Briefen oder Fotos. Sogar Fremde ließen die Bewohner wissen, dass man an sie denkt. „Mich hat das zu Tränen gerührt“, sagt Gerda Siewer. „Zu viel Zuneigung. Das habe ich nicht für möglich gehalten.“ Und auch die Verwandten haben ihre Mütter, Väter, Omas oder Opas immer unterstützt – auch, wenn es manchmal ein bisschen zu gut gemeint war. „Dieses Getippe ist mir auf den Geist gegangen“, sagt Hella Quast (88) und erzählt, dass sie ein Smartphone geschenkt bekommen hatte. Eben, damit sie sich auch zwischendurch mal kurz melden kann. „Ne, das ist nichts für mich. Dann telefoniere ich doch lieber.“

Wohnbereiche dürfen sich wieder begegnen

Mittlerweile sind alle Bewohner durchgeimpft. Schon längst. Im Januar haben die letzten ihre zweite Impfung bekommen. Mit den sinkenden Zahlen sind mehr Freiheiten zurückgekehrt. Besuch ist – wenn auch weiterhin mit strengen Vorsichtsmaßnahmen – wieder möglich. Und auch die Wohnbereiche dürfen sich wieder begegnen. Deswegen können Gerda Siewer, Annegret Voss, Doris Halbe und Hella Quast heute gemeinsam auf der Terrasse sitzen – bei Waffeln mit Erdbeeren, Kaffee und Mineralwasser. Fröhlich und unbeschwert. „Es vergeht kein Tag, an dem nicht gelacht wird“, sagt Gerda Siewer. „Gestern habe ich so sehr lachen müssen, dass mir die Bauchmuskeln weh taten.“ Ihr Mann Bruno (83) sitzt an dem anderen Damentisch. Er kümmert sich gern um das Hochbeet, pflanzt Gemüse an. „Hier hört man immer die Vögelchen zwitschern“, sagt er zufrieden.

Es sind die kleinen Momente, die die Menschen im Haus Matthäus glücklich machen. Krise hin oder her. Ein schöner Tag im Garten, ein herrlicher Spaziergang. Oder einfach ein geselliger Abend. Und dann gibt es da noch die großen Momente. Wie bei Erika Hohleweg. Die 95-Jährige ist mitten in der Pandemie Uroma geworden. Jetzt kann sie die kleine Maja endlich im Arm halten. Ganz ohne Abstand. Dafür mit ganz viel Liebe.

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