Sexuelle Nötigung im Industriegebiet

Olpe/Siegen.  Erst ließ er ihn ohne gültige Fahrerlaubnis seinen 180 PS starken Opel fahren; als der Wagen stand, fasste er ihm dann in die Hose. Ein Jahr und einen Monat Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt ist, lautet das Urteil, das die große Strafkammer des Siegener Landgerichts am Dienstagmittag fällte.

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Erst ließ er ihn ohne gültige Fahrerlaubnis seinen 180 PS starken Opel fahren; als der Wagen stand, fasste er ihm dann in die Hose. Ein Jahr und einen Monat Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt ist, lautet das Urteil, das die große Strafkammer des Siegener Landgerichts am Dienstagmittag fällte.

Angeklagt war ein 50-jähriger Mann aus Bergneustadt, der zwischen Oktober 2014 und Januar 2015 einen damals 17-Jährigen mit geistiger Behinderung aus Reichshof (beide Orte bei Gummersbach) sexuell genötigt haben soll. Zu den Übergriffe kam es in einem Olper Industriegebiet, das sich zu der Zeit im Bau befand.

Ein gemeinsamer Freund

Der Angeklagte lernte den Geschädigten über einen gemeinsamen Freund kennen. Es kam zu mehreren Treffen: Gemeinsame Fahrten im Auto, die zunächst mit dem gemeinsamen Freund oder dem Bruder des heute 20-Jährigen stattfanden. Bei insgesamt drei Fahrten zu zweit soll der Angeklagte den jungen Mann sexuell genötigt haben. Der Angeklagte äußerte sich vor Gericht zu den Vorwürfen und ersparte dem Geschädigten damit die Aussage.

Demnach habe er dem jungen Mann das erste Mal im stehenden Auto durch die offene Hose gefasst. Das zweite Mal habe er die Hand des 20-Jährigen in seinen eigenen Schritt geführt und dort etwa zwei Minuten lang festgehalten.

Vor dem dritten Übergriff hatten die beiden Männer Kontakt über den Messenger WhatsApp. Die Vorsitzende Richterin Dreisbach verlas Auszüge aus dem Chatprotokoll. Demnach stimmte der 20-Jährige einem erneuten Treffen mit dem Angeklagten zu und schrieb. „Aber nicht mehr anfassen.“

Trotzdem wurde der Angeklagte wieder zudringlich. Daraufhin machte der 17-Jährige deutlich, dass er das nicht möchte. „Da war die Sache für mich erledigt“, so der Angeklagte vor Gericht.

„Ich hab mich in den Jungen verguckt, das gebe ich zu“, erklärte sich der Angeklagte. Die Signale habe er dann falsch interpretiert. Bis dahin habe er keine homosexuelle Neigung gespürt, er sei bis zum Tod seiner Frau glücklich verheiratet gewesen.

Therapieplatz gesucht

Nach dem dritten Übergriff meldete sich der gemeinsame Freund telefonisch beim Angeklagten. „Er hat mich zusammengefaltet“, sagte der 50-Jährige. „Als ich wusste, dass es zur Anzeige kommt und mir klar wurde, dass es so nicht weitergehen kann, hab ich eine Therapie gesucht.“

Die Eigeninitiative wurde dem Angeklagten bei der Urteilsfindung angerechnet. Auch, dass er geständig war und so dem Geschädigten die Aussage ersparte sowie die Tatsache, dass er bis dato nicht vorbestraft war, kamen ihm zugute.

Gegen den Angeklagten sprach laut Richterin Dreisbach die Auswahl seines Opfers. Er habe gewusst, dass der junge Mann eine Behinderung hat, weil er eine entsprechende Schule besuchte, allerdings nicht, um was für eine Beeinträchtigung es sich handelte.

Bei Gesprächen über Musik und Autos hätten sie sich gut verstanden, so erklärte der 50-Jährige. Besonders Autos seien ein großes Thema für den Reichshofer gewesen, weshalb der Angeklagte ihn ohne Fahrerlaubnis ans Steuer ließ.

Für die sexuelle Nötigung und das Zulassen des Fahrens ohne Fahrerlaubnis verhängte das Gericht eine Strafe von einem Jahr und einem Monat, die zur Bewährung ausgesetzt sind. Als Auflage muss der Angeklagte die Therapie fortführen.

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