Ramadan

So verbringt der Olper Jihad Zebib den Fastenmonat Ramadan

Jihad Zebib (links) und sein Enkel Ali Zebib fasten an Ramadan. In dieser Zeit lesen sie viel im Koran, sprechen Bittgebete und kommen so Gott näher.  Die ganze Familie versammelt sich jeden Abend zum gemeinsamen Fastenbrechen.

Jihad Zebib (links) und sein Enkel Ali Zebib fasten an Ramadan. In dieser Zeit lesen sie viel im Koran, sprechen Bittgebete und kommen so Gott näher. Die ganze Familie versammelt sich jeden Abend zum gemeinsamen Fastenbrechen.

Foto: Riem Karsoua

Olpe.   Jihad Zebib fastet 17 Stunden am Tag. Jeden Abend bricht er mit seiner Familie das fasten. Für ihn ist dieser Monat, der schönste des Jahres.

Es ist 21.30 Uhr. Jihad Zebib spricht ein kurzes Gebet und bricht sein Fasten: Mit einer Dattel und Wasser – ganz nach dem Vorbild des Propheten Mohammed, der seinerzeit ebenfalls mit einer Dattel und Wasser oder Milch sein Fasten brach. 17 Stunden sind vergangen, seitdem Jihad Zebib das letzte Mal gegessen und getrunken hat. Wie für alle Muslime hat für den 62-Jährigen am 6. Mai der heilige Fastenmonat Ramadan begonnen.

Jihad Zebib lebt seit knapp 30 Jahren mit seiner 10-köpfigen Familie in Olpe. Ob ihm der tägliche Verzicht von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang schwer fällt? Zebib muss schmunzeln. „Der Ramadan ist die schönste Zeit im Jahr. Anstrengend ist es für mich nicht“, erzählt er. Natürlich gebe es einen Zeitunterschied zwischen Deutschland und den arabischen Ländern, wie seiner Heimat, dem Libanon. „Die brechen dort ihr Fasten fast drei Stunden vor uns.“ Hunger oder Durst verspürt er tagsüber dennoch nicht.

Was für einige hart klingen mag, ist für Zebib ein Segen. „Wenn wir fasten, fasten wir nicht nur mit dem Essen, sondern mit dem Geist und dem ganzen Körper. In dieser Zeit kommen wir Allah, unserem Gott, näher, weil wir viel beten, Bittgebete sprechen und uns bemühen, den Koran komplett durchzulesen“, erklärt er. „In diesem Monat spüren wir, was es heißt, Arm zu sein – Auch, wenn es nur auf Zeit ist. Wir lernen das, was wir haben, zu schätzen.“

Diese Tugend gibt er auch seinen Kindern und Enkelkindern weiter. Sein 15-jähriger Enkel, Ali Zebib, hat zum ersten Mal mit 13 Jahren gefastet. Die Schule und das Fasten unter einen Hut zu bekommen, ist für ihn kein Problem. „Sobald sich der Körper an den Verzicht gewöhnt hat, ist es überhaupt nicht anstrengend.“

Das Taraweeh-Gebet

Die Wärme und Liebe, die dieser Monat mit sich bringe, verbreite sich im ganzen Haus, wenn sich seine Kinder und Enkelkinder zum gemeinsamen Fastenbrechen bei ihm versammeln, erzählt er. „In diesem Monat verbringen wir wirklich sehr viel Zeit mit der Familie und mit Freunden.“

Mit dem Ruf zum Abendgebet, beginnt das Fastenbrechen. „Wir haben meistens ein Mehrere-Gänge-Menü“, lacht er. Nachdem die erste Dattel gegessen ist, folgt eine Suppe. „Als Beilagen haben wir meistens einen traditionellen libanesischen Salat mit gebratenem Brot. Dazu gibt es verschiedene Hauptspeisen, meistens Reis und Hähnchen.“

Ist das Essen beendet, führt Jihad Zebib die religiöse Gebetswaschung durch. Dreimal werden jeweils die Hände, der Mund, die Nase, das Gesicht sowie Arme, Haare, Ohren und Füße gewaschen – immer in der gleichen Reihenfolge. Dann spricht er das Abendgebet.

80 Minuten später folgt das Nachtgebet. An normalen Tagen ist es das letzte, was die Muslime verrichten. Viele zieht es in den Nächten des Ramadans allerdings noch einmal in die Moschee. Dort findet ein weiteres, freiwilliges Gebet, Taraweeh genannt, statt. Das Taraweeh-Gebet ist in viele Abschnitte geteilt, es in der Moschee zu verrichten, allerdings keine Pflicht. Viele bleiben aus unterschiedlichen Gründen zu Hause. Sei es, weil sie sich dort besser konzentrieren können oder morgens früh raus müssen. Selbst eine kurze Fassung dauert 20 Minuten.

Die Nacht der Bestimmung

„Die 27. Nacht des Ramadans ist eine der bedeutendsten im Islam und gehört zu den besonderen Ereignissen im Fastenmonat Ramadan“, erklärt Zebib. „Sie wird die Nacht der Bestimmung genannt. Laut Überlieferung kam in dieser Nacht der Engel Gabriel zu unserem Propheten Mohammed und übersandte ihm den Koran.“ Dieser Nacht ist eine ganze Sure im Koran gewidmet und auch im weiteren Verlauf wird sie mehrfach erwähnt.

Jihad Zebib zitiert die Stelle der Sure, in der steht, dass der Lohn dieser Nacht wertvoller als der von Tausend Monaten ist. „Der genaue Zeitpunkt, wann der Engel Gabriel das Wort Gottes unserem Propheten überliefert hat, ist nicht bekannt. Deshalb hat man sich auf die letzten zehn ungeraden Nächte des Ramadan festgelegt.“

Das Fastenbrechen-Fest

Mit dieser Nacht nähert sich auch das Ende des Fastenmonats. Im Islam richtet sich die Zeitrechnung nach dem Mondkalender, nicht nach der Sonne. Der neunte Mondmonat im islamischen Mondjahr ist der Ramadan. Ist die erste Sichel des neuen Mondes am Himmel zu sehen, beginnt und endet traditionell der Ramadan.

Und auch das wird mit einem Gebet eröffnet: „Das Gebet findet schon morgens um 6 Uhr statt. Daraufhin wird drei Tage lang das Fastenbrechen-Fest, Eid al-Fitr genannt, zelebriert. Da wir ab diesem Zeitpunkt wieder essen und es viele Süßspeisen gibt, wird es oft auch Zuckerfest genannt“, lacht der 62-Jährige und erzählt, dass es gerade für die Jüngeren ganz besondere Tage sind. „Die Kinder bekommen Geschenke und auch immer wieder Geld zugesteckt.“

Bei Familie Zebib wird das Fest im Beisammensein mit der Familie gefeiert. Ob nah oder fern, spielt dabei keine Rolle. „Alle Onkel und Tanten kommen hierher, damit wir gemeinsam eine schöne Zeit verbringen.“

Und auch die Verwandten im Libanon werden angerufen und zum Fest beglückwünscht. „Ich sage immer, dass wir zwei Gründe haben, uns in dieser Zeit zu freuen. Einmal, dass wir fasten und danach, dass wir dieses Fest feiern.“

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