Spurensuche

Spannende Suche nach einem Urheber

Paul Stöpel

Paul Stöpel

Foto: Herbert Kranz

Kreis Olpe.   Autor des „mysteriösen Manuskripts“ ist für Karl Stöpel eindeutig ein Mitbegründer der Spiegelrunde

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Die Neueröffnung eines Museums, ein lange verschollenes Manuskript, ein begeisterter Verlag und eine Spurensuche, die bis in den Kreis Olpe reicht. Das sind fast schon Zutaten für einen Krimi. Und ein Buch ist am Ende wirklich dabei herausgekommen. Aber ein ganz anderes als zunächst geplant.

2016: Im Ruhrgebiet, genauer in Wanne Eickel, steht die Neueröffnung eines Museums bevor. Bei den Vorarbeiten taucht ein Manuskript auf, dessen Autor sich aus den Unterlagen nicht ergibt. Ein Lektor und ein Historiker eines Buchverlages machen sich auf Suche. Dr. Friedrich Karl Scher, früher Mitglied der „Spiegelrunde“ (siehe Box) erinnert sich an Paul Stöpel. So kommt der im Kohlenpott geborene Lennestädter ins Spiel - und an das Manuskript. Schnell ist ihm klar: Das kann nur von Hans Bernd Hellerbach stammen.

Hellerbach war wie Stöpel Gründungsmitglied der Spiegelrunde. In dem mysteriösen Manuskript erkennt Stöpel einzelne Passagen wieder, die sich auf Gespräche zwischen ihm und Hellerbach beziehen, und gibt seine Erkenntnisse auch weiter. Daraufhin erhält er Besuch aus dem Verlagshaus, das unbedingt zur Museumseröffnung ein Buch herausbringen will. Stöpel kann noch andere Manuskripte von Hellerbach vorweisen, darunter eines mit 350 Seiten, das sozusagen Hellerbachs wichtigstes Werk ist.

Tiefe Einsichten über Menschen

Doch die Beweise reichen dem Verlag nicht. Das Museum wird eröffnet, das Buch gibt es immer noch nicht. Heute sagt Stöpel: „Das Buch soll auf jeden Fall verlegt werden, weil der Inhalt wohl einmalig ist.“

Mittlerweile veröffentlicht ist aber das Buch „Ganz oben“, das auf dem 350-Seiten-Manuskript Hellerbachs basiert. Stöpel hatte das Mauskript Kurt E. Becker geschickt. Der Publizist, Kommunikationsberater und Mitbegründer einer Kommunikationsagentur ist der Antroposphie Rudolf Steiners verbunden, hat eine zehnbändige Auswahl der Werke Steiners herausgegeben und ist Autor des Buches „Anthroposophie - Revolution von innen“. Becker war begeistert. Das Buch wird verlegt und Becker schreibt: „Ganz oben“ ist voll von tiefen Einsichten über den Menschen, luziden Erkenntnissen über das Soziale und interessanten Ideen für die Zukunftsgestaltung der Menschheit.“ Leichte Lektüre ist das nicht. Der metaphysische Blick Hellerbachs auf die Zukunft des Menschen dürfte auf den einen weitsichtig, auf den anderen Leser eher esoterisch wirken.“ „Es ist keine Unterhaltungslektüre“, schreibt denn auch Paul Stöpel in seinem Vorwort zur Deutung des Buches, in dem es zuvorderst um so etwas wie die Metamorphose zu einem „neuen Menschen“ geht.

Den Geburtstag dieses neuen Menschen habe Hellerbach für den 7. August 2016 errechnet, schreibt Becker weiter. Aber unabhängig von Hellerbachs Zahlenmystik sei das Buch „ohne Frage eine lohnende Lektüre für alle, die sich verantwortungsbewusst mit dem eigenen Menschsein ... auseinandersetzen wollen.“

Auseinandersetzung mit dem „Menschsein“ und den Lebensbedingungen ist für die Spiegelrunde (heute acht Mitglieder) und war für sie in früheren Zeiten immer wichtig. „Wir waren die ersten, die sich mit dem Thema bedingungsloses Grundeinkommen beschäftigt haben“, ist Paul Stöpel sicher. Damit beschäftigt sich in dem Buch „Lasst uns Hütten bauen“ (Neuauflage 2017) Dr. Guido Maria Mosler. Mosler kandidiert auf der Landesliste einer Partei - Bündnis Grundeinkommen - für den Bundestag. So lasse, findet wieder Becker, Mosler „der Theorie auch gleich die Praxis folgen“. Auch für diese Veröffentlichung war das „mysteriöse Manuskript“ Auslöser.

Hellerbach selbst hat all das nicht mehr erlebt. Der Mitbegründer der Spiegelrunde starb 1986.

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