Zeuge einer Katastrophe

Spieler vom TVO Biggesee erlebte das Erdbeben in Indonesien

Das Erdbeben auf der indonesischen Insel Lombok zerstörte Straßen und Häuser. Menschen mussten sterben. Zur Zeit der Katastrophe war auch Marcel Weiß, Basketballer beim TVO Biggesee, vor Ort.

Das Erdbeben auf der indonesischen Insel Lombok zerstörte Straßen und Häuser. Menschen mussten sterben. Zur Zeit der Katastrophe war auch Marcel Weiß, Basketballer beim TVO Biggesee, vor Ort.

Olpe.   Marcel Weiß ist Basketballer beim TVO Biggesee. Auf einer Weltreise wollte er zu sich selbst zurückfinden doch dann bebte plötzlich die Erde.

Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was erzählen, heißt es landläufig – aber auf dieses ­Erlebnis hätte Marcel Weiß, Top-Basketballer beim TVO Biggesee, gut und gerne verzichtet. Jetzt kam mit der verheerenden Katastrophe auf Sulawesi alles wieder hoch, was er Anfang August auf der indonesischen Insel Lombok erlebt hatte. Marcel Weiß ist eigentlich auf Weltreise, doch jetzt legte er für eine Woche einen Zwischenstopp in ­Olpe ein – klar: zwei Basketballspiele und eine Fete.

Dann musste alles schnell gehen

Doch dann erzählte er von seinen Ängsten vor einem Tsunami, nachdem die Erde auf der beliebten kleinen Sundainsel Lombok bebte und einige hunderte Tote forderte. „Wir saßen abends im Restaurant beim Essen, wollten einen weiteren wunderschönen Tag ausklingen lassen, als plötzlich das Küchenpersonal schreiend rauslief“, berichtet Marcel Weiß vom Auftakt der Horrortage, „wir sind auch sofort raus auf die Straße, dann Stromausfall, totale Dunkelheit. Ich hörte Frauen und Kinder kreischen, es war unvorstellbar.“

Sein Glück: er war an der Südküste. Das Epizentrum lag mehr im Nordwesten, etwa hundert Kilometer entfernt. „Als es krachte, wussten die Guides des Hostels sofort Bescheid, schickten uns weg. Und wir warteten.“ Es folgte der Aufruf der Küstenwache: „Beobachtet das Wasser. Wenn es sich zurückzieht, rennt den Berg hinter dem Hostel rauf. Und wir rannten rauf, die ganze Umgebung wurde evakuiert.“

In rund einhundert Meter Höhe waren die Urlauber in Sicherheit. „Wir konnten aber nichts sehen, hatten aber Glück. Entwarnung. Der Tsunami blieb aus.“ Ringsum Zerstörung, allein durch das Beben.

Sein erster Gedanke, wie er bloß helfen könnte, war kaum zu Ende gedacht, als er über Facebook Freunde und Bekannte informierte: „Spendet zehn Euro. Gebt die Information weiter. Wenn das alle tun, kommt viel zusammen.“ Der Antrieb zum Spendenaufruf kam von einer Lehrerin an der Deutschen Schule in Jakarta, die Marcel Weiß auf Bali kennengelernt hatte, mit ihr in Verbindung blieb und auf deren Konto die Spenden gingen. „Ich bin mir absolut sicher, dass das Geld vor Ort in die richtigen Hände kommt.“

Der gelernte Lagerist mit Realschulabschluss verließ frühzeitig das Elternhaus und absolvierte mit 19 Jahren seine Lehre. Nach mehreren Jobs unternahm er mit 23 Jahren die erste große Reise: Australien und dann Himalaya – zum ersten Mal Meditation in einem Kloster. Nach einer Woche „Heimaturlaub“ geht die zweite Weltreise des 27-jährigen Marcel Weiß nun weiter.

Nach den indonesischen Inseln mit dem Albtraumstart seiner Traumreise war Australien eine mehrwöchige Zwischenstation. Nun folgt Thailand. Eine Ausbildung zum Massagetherapeuten steht auf dem Programm. Einige Monate, dann kommt Indien – und zum zweiten Mal ein Klosteraufenthalt („so ein, zwei Monate“).

Was treibt ihn dahin? „Einmal weg von der materiellen Welt. Zu sich selbst zurückfinden. Bestimmte geistige Übungen sollen dazu beitragen, die normale Gedankenwelt der täglichen Sorgen zu durchbrechen. Für den Meditationsneuling ist das nicht leicht.“ Und er fährt fort: „Die Menschen funktionieren zu sehr, sind mehr für sich selbst da, sind zu sehr konsumorientiert.“

Zielsicher in die Zukunft

Irgendwann im Frühsommer geht’s zurück. Der 27-Jährige hat eine klaren Plan für seine Zukunft: „Heilpraktiker, Chiropraktiker. Es soll etwas sein, was mit Menschen, vorrangig mit Kindern, zu tun hat.“ Er denkt auch an eine eigene Familie, an eigene Kinder“

Marcel Weiß ist ein junger Mann, der sich über das Leben viele Gedanken macht, für den Geld zwar notwendig ist, aber nicht primär im Vordergrund steht. Kommerz und Luxus schon gar nicht. Zwei Weltreisen haben ihn geprägt – und der Sport. Im letzten Heimspiel war er der „MVP“, der „most valuable player“, der sich (erfolgreich) in den Dienst des Teams stellt.

So sicher, wie er mit dem Basketball auch aus großer Distanz den Korb trifft, so zielsicher peilt Marcel Weiß jetzt seine Zukunft an.

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