Brückensanierung

Stahlkorsett für maroden Beton an der Bigge

Riesige Baukräne sind seit einigen Tagen im Einsatz, um die tonnenschweren Stahlträger für das Stützkorsett unter die Brücke zu hieven.

Foto: Martin Droste

Riesige Baukräne sind seit einigen Tagen im Einsatz, um die tonnenschweren Stahlträger für das Stützkorsett unter die Brücke zu hieven. Foto: Martin Droste

Attendorn.   Geduldsprobe für Autofahrer auf der L512 nähert sich dem Ende. Anfang Juni soll die Ihnetalbrücke für den Begegnungsverkehr freigegeben werden

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Die gute Nachricht für die leidgeprüften Autofahrer zuerst: Nach zweijähriger halbseitiger Sperrung könnte die L 512 über die Ihnetalbrücke Anfang Juni wieder komplett für den Verkehr freigegeben werden. Dann würde ein Provisorium enden, das Tausenden von Berufspendlern und Lkw-Fahrern viel Zeit und noch mehr Nerven gekostet hat.

„Wir wollen natürlich so schnell wie möglich fertig werden. Gearbeitet wurde auf der Baustelle bei Eis und Schnee“, berichtet Lars Führt von Straßen NRW. Und auch bei starkem Regen wie am Donnerstag. Der Baustellenleiter aus Würdinghausen hat sich an diesem Vormittag Zeit genommen und erläutert, was genau unter der 1959 gebauten Betonbrücke passiert und warum die Sicherungsmaßnahmen so lange gedauert haben.

Tragkraft unzureichend

Zur Vorgeschichte: Berechnungen des Landesbetriebs Straßen NRW hatten ergeben, dass die Tragkraft der Talbrücke für die Belastung vor allem durch den Lkw-Verkehr nicht mehr reicht. „Die Dauer der neuen Verkehrsführung wird voraussichtlich ein gutes halbes Jahr betragen. Dann soll eine Unterstützung der Brücke mittels eines Traggerüstes umgesetzt sein, so dass der Verkehr wieder zweistreifig über die Brücke fließen kann“, hieß es vor über zwei Jahren optimistisch in einer Pressemitteilung von Straßen NRW.

Am 1. Juli 2016 wurde die Ihnetalbrücke dann halbseitig gesperrt. Aus dem halben Jahr sind fast zwei Jahre geworden, zur Verzweiflung vieler Autofahrer.

Seit einigen Tagen tut sich unterhalb der maroden Brücke aber etwas, und zwar gewaltig. Riesige Schwerlastkräne sind im Einsatz, um die bis zu 21 Tonnen wiegenden Stahlträger auf die sogenannten Lasttürme (Stahlgerüste) an den Pfeilern zu hieven. „Hier entsteht quasi eine Brücke unter der Brücke“, beschreibt Baustellenleiter Lars Führt die Arbeiten an diesem Stützkorsett aus Stahl.

Bis die Fundamente für diese Lasttürme fertig waren, mussten zig kleine Pfähle 12 bis 13 Meter in den lockeren und nur aufgeschütteten Untergrund gerammt werden. Erst in sieben bis acht Metern Tiefe stießen die Spezialisten auf eine tragfähige Felsschicht zur Verankerung. Auch beim Bau der Spritzbetonwand unter dem Widerlage der Brücke Richtung Olpe gab es Probleme.

Arbeiten unter Flutlicht

Wegen der Bahnlinie unter der Brücke und der nahen Biggetalsperre sitzen die Deutsche Bundesbahn und der Ruhrverband bei der Großbaustelle mit im Boot. Der Bahnverkehr zwischen Attendorn und Olpe ist auch der Grund, warum beim Einbau der tonnenschweren Stahlträger im Mittelteil der Ihnetalbrücke vom 2. bis 3. Mai nachts unter Flutlicht gearbeitet wird. Dann ruht ohnehin von 21.30 bis 5 Uhr früh der Schienenverkehr. Die Querträger werden seitlich auf den Pfeilertürmen abgelegt und mithilfe von Stahlseilen unter die Brücke gezogen.

Wieder voll belastbar

Am 14. Mai soll die Montage des dritten Abschnitts folgen. Wenn alles planmäßig verläuft, können ab dem 22. Mai die großen Holzkeile in den Schlitz zwischen den Stahlträgern und der Betonbrücke eingeschoben werden. Dann ist die Ihnetalbrücke voll belastbar und es könnte Anfang Juni nach zwei langen Jahren der Verkehr wieder zweispurig rollen.

Die Sanierung der 1959 gebauten Betonbrücke ist aber nur ein Provisorium und der Startschuss für eine weitere Großbaustelle. Denn längst laufen die Planungen für einen Neubau gleich nebenan. Sobald die neue Brücke fertig ist, wird der marode Vorgänger abgerissen. In Planung ist auch der neue Turbokreisel im Kreuzungsbereich der Landstraßen L 512/L 539 (aus Richtung Meinerzhagen).

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