Europawahl

Stimmfang im Kreis Olpe: Ein Plädoyer für die EU

Mehr als 1400 Bürger aus dem Olper Wahlbezirk 17.1 (Rhode, Hohl, Griesemert) sind aufgerufen, einer Partei bei den Europawahlen ihre Stimme zu geben. Am Ende nehmen mehr als 70 Prozent der Aufgerufenen aus diesem Bezirk an den Wahlen teil.

Mehr als 1400 Bürger aus dem Olper Wahlbezirk 17.1 (Rhode, Hohl, Griesemert) sind aufgerufen, einer Partei bei den Europawahlen ihre Stimme zu geben. Am Ende nehmen mehr als 70 Prozent der Aufgerufenen aus diesem Bezirk an den Wahlen teil.

Foto: Flemming Krause

Rhode.   Umfrage an der Grundschule in Rhode: Wähler werben für eine starke Gemeinschaft der EU. Familienvater Johannes hält nichts vom Brexit.

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Bis auf zwei Sichtschutz-Wände herrscht im Forum der Grundschule Rhode an diesem Sonntag Leere. Stühle und Tische haben ihren Platz übereinandergestapelt im hinteren Teil des Raumes gefunden. Hier stören sie nicht. Normalerweise sorgen die Grundschüler in diesem Aufenthaltsraum für einen gewissen Lärmpegel, doch an diesem Sonntag ist es still.

Sehr still. Aus einem guten Grund: Mehr als 1400 Bürger aus dem Olper Wahlbezirk 17.1, also aus Rhode, aus dem Hohl, aus Waukemicke, Möllendick, Siedenstein und von der Griesemert, sind aufgerufen, in die Grundschule zu kommen und ihr Kreuzchen „ihrer“ Parteien zu geben.

In aller Ruhe und natürlich streng geheim. Immer wieder huschen Besucher durch die Tür, am Vormittag geben rund 300 Wahlberechtigte ihre Stimme ab, am Nachmittag sind es in Etwa genauso viele. Zudem entscheiden sich 400 Bürger zur Briefwahl. Am Ende geben 71,1 Prozent ihre Stimme ab.

Eine Selbstverständlichkeit

Einer von ihnen ist Ewald, der in Begleitung seiner Frau kommt. Ein älterer Herr, den jeder im Dorf kennt. Auf die Frage, warum er überhaupt wählen geht, schüttelt er ungläubig den Kopf. „Ist die Frage ernst gemacht?“ Ja, ist sie. „Für mich ist es eine absolute Selbstverständlichkeit. Die Europäische Union wird immer maßgeblicher.“

Auf die großen Herausforderungen der EU in den nächsten Jahren und Jahrzehnten angesprochen, kommt der Rentner so richtig in Redeschwung. „Wir müssen die unterschiedlichen Interessen der Mitgliedsstaaten unter einen Hut bringen. Allerdings sehe ich zurzeit eine geduldete Ungerechtigkeit, denn es gibt viele Länder, die kassieren nur und tun kaum etwas für die Gemeinschaft.“

Nicht die Falschen an die Macht

Familienvater Johannes aus Rhode spaziert mit Frau und Tochter zur Wahl. „Ich verbinde mit dieser Europawahl natürlich die Hoffnung, dass nicht die Falschen an die Macht kommen.“ Er meint damit rechte genauso wie ultralinke Parteien. Sie gefährdeten den Zusammenhalt in der EU. Und die großen Vorteile der Union, die der Familienvater vor allem im freien Handel und der Reise-Freizügigkeit sieht. Darüber hinaus ist Johannes froh, dass es noch nicht zum Brexit gekommen ist, aus einem ganz pragmatischen Grund. „Wir wollen dieses Jahr in England Urlaub machen.“

An Sonntagmittag haben auch Julia und Christian den kurzen Weg zur Grundschule auf sich genommen, um mit ihrer Stimme ein klares Votum für die EU abzugeben. Denn immerhin sind die beiden mit der Europäischen Union aufgewachsen, betont Julia und ergänzt: „Wir haben dank der Gemeinschaft eine Währungseinheit und es gibt keine Kontrollen mehr an den Grenzen. Das macht vieles einfacher. Jetzt gilt es, die abzufangen, die uns verlassen wollen.“ Sie meint damit Großbritannien. „Die Leute, die für den Brexit gestimmt haben, wissen nicht, was sie damit getan haben“, kritisiert die junge Frau. Sie dreht sich zu Christian, der ihr mit einem Kopfnicken bestätigt, dass er ihre Meinung teilt.

Nach wenigen Augenblicken verschwinden sie aus dem Blickfeld der Grundschule. Wie all diejenigen aus dem Bezirk 17.1, die sich kurz Zeit nehmen, um ihre Stimme im Forum abzugeben.

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