Medizin

Studenten assistieren im OP-Saal des Olper Krankenhauses

(v. l. n. r.): Niko Rehse, Marius Kreis und Frederic Soest assistieren im Rahmen des Medizinstudiums im St. Martinus-Hospital während der Operationen.

(v. l. n. r.): Niko Rehse, Marius Kreis und Frederic Soest assistieren im Rahmen des Medizinstudiums im St. Martinus-Hospital während der Operationen.

Foto: Katholische Hospitalgesellschaft Südwestfalen gGmbH

Olpe.  Im St. Martinus-Hospital in Olpe dürfen die Studenten im Operationssaal assistieren. Wie? Nikolas Rehse, Marius Kreis und Frederic Soest erzählen.

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Es ist ein langer Weg vom Medizinstudium bis hin zum Allgemeinmediziner, Neurologen oder auch Chirurgen. Das Studium ist lang, die Anforderungen sind hoch. Ein Praktikum, die sogenannte Famulatur, ist Pflicht. Am St. Martinus-Hospital in Olpe dürfen die Studenten sogar im Operationssaal assistieren. Wir haben mit den angehenden Medizinern Nikolas Rehse, Marius Kreis und Frederic Soest gesprochen. Inwieweit die Famulanten den Chirurgen bei der OP wohl schon unterstützen dürfen?

Bei OP den „Haken halten“

Nikolas Rehse ist 20 Jahre alt. Er ist in Aachen geboren, in Olpe aufgewachsen und hat am St.-Franziskus-Gymnasium 2017 sein Abitur gemacht. Er entscheidet sich für ein Medizinstudium an der Universität in Innsbruck, fängt nach bestandenem Aufnahmetest im Oktober 2017 an. Es ist der letzte Studienplatz, den er bekommt, der Anteil der Plätze für Studierende außerhalb von Österreich ist begrenzt.

Trotzdem steht für ihn schnell fest, dass er seine praktische Erfahrung am St. Martinus-Hospital in Olpe machen möchte. „Das kann man sich aussuchen“, erklärt Rehse. „Es ist meine erste Famulatur, die wollte ich gerne in der Heimat machen.“

Seit zwei Wochen steht er nun schon regelmäßig im OP-Saal, unterstützt den Chirurgen bei kleineren und größeren Eingriffen. Unter anderem hält er den Haken. So nennen es die Chirurgen, wenn mit Haken die Körperöffnungen für den Operateur aufgehalten werden. „Jeder Routineeingriff ist spannend und lehrreich“, sagt der 20-Jährige, der mittlerweile im fünften Semester studiert. „Ich war aber auch schon bei einer Bein-Amputation oder bei einer Hemikolektomie dabei.“

Das St. Martinus-Hospital möchte den Famulanten so viel Einblick wie möglich gewähren. Der Operateur entscheidet, ob er die OP allein mit Famulanten durchführt oder einen weiteren Assistenten benötigt.

Bestmöglich unterstützen

Marius Kreis war schon oft dabei. Er ist 22 Jahre alt, kommt gebürtig aus Schlade. Für sechs Wochen arbeitet er als studentische Hilfskraft in der Chirurgie des St. Martinus-Hospitals. Natürlich bringt er dafür schon Erfahrung mit. Vor Beginn seines Medizinstudiums im April 2017 an der Universität Köln hatte er eine Ausbildung zum Operationstechnischen Assistenten gemacht, hat schon einige Male als Hilfskraft während der Ferien mitgearbeitet. „Das größte Ziel im OP-Saal ist, dass man so wenig wie möglich auffällt. Man weiß irgendwann, wie man sich am besten einbringen kann, um den Operateur bestmöglich zu unterstützen“, sagt Kreis.

Es ist eine fünfstündige Operation in der Gefäßchirurgie, die Marius Kreis bisher besonders beeindruckt hat. Dem Patienten wird ein Bypass am Bein gelegt. „Es war beeindruckend, zu sehen, wie das Team zusammengearbeitet hat, ohne viele Worte zu wechseln“, erzählt der Medizinstudent. „Alle standen unter Strom.“

Auch Frederick Soest, der kürzlich die Famulatur beendet hat, betont die gute Zusammenarbeit. „Alle nehmen sich ausreichend Zeit, auch, wenn es oft stressig und hektisch zugeht“ berichtet Frederic Soest. „Schön ist auch, dass die Anästhesisten sich über die Schulter schauen lassen und einen Teil ihrer Zeit opfern. So erhält man einen Einblick auf „die andere Seite“, nämlich in das, was vor der OP passiert.“

Die Anforderungen für den Erwerb des Zertifikats umfassen einen theoretischen und einen praktischen Teil sowie einen Katalog an OP-Assistenzen. Im Rahmen eines Abschlussgesprächs werden diese geprüft. Im St Martinus-Hospital werden die Studierenden von Chefarzt Dr. Ebert, Oberärztin Alexandra Blum-Schwieren sowie dem leitenden Oberarzt Giovanna La Placa betreut. Sie arbeiten mit am OP-Tisch, aber auch in der Zentralsterilisation, außerdem nehmen sie an den Visiten auf den Stationen und der Intensivstation, an den radiologischen Besprechungen, an den Tumorkonferenzen und an Fortbildungsveranstaltungen teil.

Nachwuchs in ländlichen Regionen

Im Anschluss muss ein Vortrag gehalten werden, daran schließt sich eine mündliche Prüfung an. „Wir fordern und fördern die jungen Leute gleichermaßen“ erläutert Dr. Ebert. „Der Nachwuchs ist wichtig – gerade in ländlichen Regionen. Wir freuen uns, wenn wir jungen angehenden Medizinern über Praktika die Vorteile aufzeigen können, die die Arbeit in einem kleineren Haus mit sich bringen kann, ihnen einen wirklich praxisnahen Ansatz bieten können und hoffen natürlich, darüber den einen oder anderen nach Abschluss des Studiums als neuen Kollegen gewinnen können“ ergänzt Dr. Christine Menges, ärztliche Direktorin der Katholischen Hospitalgesellschaft Südwestfalen.

„Famulatur“ leitet sich vom lateinische Wort „famulus“ ab, bedeutet wörtlich übersetzt „Knecht „und so habe ich es während meiner eigenen Zeit als Famulant Ende der 70er-Jahre selbst erlebt“ erinnert sich Dr. Karl-Heinz Ebert, Chefarzt für Allgemein- und Visceralchirurgie am St. Martinus-Hospital. „Im OP zu assistieren – davon durfte man damals nur träumen. Wir durften nicht mal gemeinsam mit den Ärzten essen gehen“, erzählt er.

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