Prognose

Studie besagt: Kreis Olpe wird bis 2040 kleiner und älter

Kreis Olpe Bevölkerungsentwicklung bis 2040.

Kreis Olpe Bevölkerungsentwicklung bis 2040.

Foto: Selina Sielaff / funkegrafik nrw

Kreis Olpe.  Der Kreis Olpe wird nicht nur kleiner, sondern auch älter. Zumindest laut einer Studie von IT NRW. Doch wie realistisch sind die Zahlen?

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Der Kreis Olpe wird mit Blick auf die Bevölkerung nicht nur kleiner, sondern auch älter. Das geht zumindest aus der jüngsten Statistik vom Statistischen Landesamt Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT NRW) hervor. Tatsächlich rechnen die Statistiker bis zum Jahr 2040 damit, dass die Menschen im Kreis Olpe im Durchschnitt 4,5 Jahre älter sind. Das entspricht einem der drei höchsten prognostizierten Anstiege in NRW. Doch wie realistisch sind die Zahlen eigentlich? Die WP hat sich bei einigen Bürgermeistern umgehört.

Idee der „Wohnhöfe“

„Das ist deutlich positiver, als das, was uns in den letzten Jahren vorhergesagt wurde“, sagt Ulrich Berghof, Bürgermeister der Stadt Drolshagen, mit Blick auf die Zahlen. „Es gab eine Zeit, in der es die Maßgabe gab, nicht mehr zu bauen.“ Laut Statistik geht die Bevölkerung in Drolshagen um 2,5 Prozent zurück. Im Kommunalprofil Drolshagen vom 29. August 2018 (ebenfalls von IT NRW) war noch ein Rückgang von 8,2 Prozent prognostiziert. Keine Erklärung hat Berghof für den enormen Anstieg der über 80-Jährigen. Von 673 in 2018 auf 1280 in 2040 (90,2 Prozent).

Natürlich ist der demografische Wandel kein neues Thema. In Drolshagen steht derzeit beispielsweise die Idee der „Wohnhöfe“ im Bereich der Schillerstraße (Bolzplatz) im Raum. Ein Konzept, das dann greift, wenn ältere Leute alleine nicht mehr in der Lage sind, einst für die ganze Familie oder gar zwei Generationen unter einem Dach gebaute Häuser zu unterhalten. In diesen neuen Anlagen könnten sich Gleichgesinnte kleiner setzen. Langfristig plant die Stadt Drolshagen zudem weiteres Bauland auszuweisen.

Vorteile der Digitalisierung

Bernd Clemens, Bürgermeister der Gemeinde Wenden, hebt ebenfalls hervor, dass diese Prognosen kritisch zu betrachten sind. „Ich bin da relativ entspannt“, sagt er. „Solche mathematischen Hochrechnungen berücksichtigen die örtlichen Gegebenheiten nicht. Die Gemeinde Wenden plant langfristig Neubaugebiete in fast allen Ortschaften. Wir rechnen mit Zuzügen.“

Auch Peter Weber, Bürgermeister der Stadt Olpe, beruhigt: „Wir haben momentan eine sehr hohe Nachfrage, was Immobilien betrifft“, sagt er. „Sowas kann eine Statistik nicht abbilden. Außerdem arbeiten wir wie andere Kommunen auch massiv an einer Attraktivierung der Stadt. Und wir sind auf einem guten Weg.“

Eine Demografiestudie aus dem Jahr 2010 hatte für die Stadt Olpe übrigens einen deutlicheren Bevölkerungsrückgang vorausgesagt. Wären diese Prognosen eingetroffen, gäbe es viele Leerstände, so Weber und fügt hinzu: „Natürlich werden wir älter, in Summe auch weniger, aber diese Zahlen muss man mit Vorsicht genießen.“ Die Stadt Olpe hatte sich erst kürzlich zusammen mit Arnsberg, Bad Berleburg, Menden und Soest erfolgreich am Smart-Cities-Wettbewerb des Bundesbauministeriums beworben (die WP berichtete). Auch ein Schritt in die richtige Richtung, ist Weber überzeugt: „Ich glaube, dass die Digitalisierung und ihre Möglichkeiten heute noch niemand realistisch einschätzen kann.“

Der Trend kehrt um

Stefan Hundt, Bürgermeister der Stadt Lennestadt, führt noch einen anderen Aspekt an: „Der Trend dreht sich momentan wieder“, sagt er. „Die Jüngeren wollen hier bleiben und die Stadtbewohner aus den Ballungszentren haben ein zunehmendes Interesse am ländlichen Raum.“ Ebenfalls differenziert betrachtet Andreas Reinéry, Bürgermeister in Kirchhundem, die Zahlen. Noch bei seinem Amtsantritt vor fünf Jahren hatte Kirchhundem in einer Dekade mehr als 1000 Einwohner verloren und fand sich seit Jahren in der Haushaltssicherung. Inzwischen habe die Gemeinde die demografische und wirtschaftliche Entwicklung im Griff. „Ich sehe wegen der Volatilität der betrachteten Parameter und den immer schneller eintretenden Änderungen die weitere Entwicklung überhaupt nicht pessimistisch“, so Reinéry.

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