Schauspiel

Theaterabend in Grevenbrück: Pilzgerichte und scharfe Soße

Larissa Lupenrein (Simone Schulte) wird von den filigranen Feen Gitte Marburger, Elisabeth Brill und Petra Wöllke (von links) zum Trinken animiert. Die Wirkung lässt nicht lange auf sich warten. 

Larissa Lupenrein (Simone Schulte) wird von den filigranen Feen Gitte Marburger, Elisabeth Brill und Petra Wöllke (von links) zum Trinken animiert. Die Wirkung lässt nicht lange auf sich warten. 

Foto: Voss Nicole

Grevenbrück.  Quasselstrippen ziehen an diesem Abend auf der Bühne in Grevenbrück alle Register. Wehe, wenn Hotelchefin Agatha zum Kochlöffel greift.

Ein längerer Aufenthalt im Kräuter- und Wellnesshotel „Zum fröhlichen Weibe“ ist wahrlich nicht zu empfehlen. Der Grund: Hotelchefin Agatha (überzeugend naiv: Silvia Bleffgen) serviert ihren Gästen ab und an Pilzgerichte, bei denen nicht alle Pilze in den Topf gehören. Aber auch der Kaffee löst bei den Gästen eine rege Darmtätigkeit aus und die Kräuter sind auch mit Vorsicht zu genießen. Unterstützend wirkt auch Mitarbeiterin Henriette (urkomisch: Beate Berg) mit. Die Einzige, die dem Namen des Übernachtungshauses „Zum fröhlichen Weibe“ in Grevenbrück alle Ehre machen, sind drei Kegelschwestern.

Viva Colonia

Zu den Klängen von „Viva Colonia“ bahnt sich das gut gelaunte Trio den Weg durch das mitklatschende Publikum im voll besetzten Saal und setzt im aktuellen Stück der „Quasselstrippen“ Akzente und gesanglich kurzerhand noch einen oben drauf: „Der Kopf tut weh, die Füße stinken, es ist Zeit, wieder ein Bier zu trinken.“

Erich muss weg, aber wie?

Doch bis die „filigranen Feen“ auf der Bühne stehen - Gitte Marburger, mit überzeugendem Humor, Petra Wölke, die einfach in jede Rolle passt, nicht nur die Männlichen und Elisabeth Brill (garniert die Verrückheiten ihrer beiden Kegelschwestern) - haben Hotelchefin Agatha und Henriette schon zwei Schrecken hinter sich. Der schöne Erich (Eduard Dietermann), der im Verlauf des Stücks zu Höchstform aufläuft, liegt regungslos hinter der Theke, bewegt sich nicht, und Puls hat er auch keinen fühlbaren mehr. Liegt es an einem von Agatha`s legendären Pilzgerichten? Übereinstimmend stellen Agatha und Henriette fest: „Wir sollten Erich im Wald vergraben, in die Veischede stürzen oder im Keller lagern.“ Beim Versuch, den vermeintlichen Toten in einem Teppich abzutransportieren und im Keller zu verstecken, müssen die Beiden mehrere Anläufe nehmen.

Den Nerv des Publikums getroffen

Nachdem das Vorhaben endlich gelungen ist, taucht Erich wieder auf und irrt im Verlauf des Stücks so manches Mal über die Bühne. Beim Dorfpolizisten Bert (köstlich, trocken von Artur Seidenstücker dargestellt) kann man nie so sicher sein, ob er bei seinen Stippvisiten wirklich etwas bemerkt, Larissa Lupenrein (Simone Schulte überzeugt als stark kurzsichtige Detektivin) und Amalia von Schön-Holthausen (köstlich überkandidelt gemimt von Monika Dietermann), ist eigentlich eine gesuchte Heiratsschwindlerin.

Alle zusammen bescherten den mehr als 150 Besuchern einen Theaterabend vom Feinsten. Neben der Textsicherheit, insbesondere auch bei den besonders textlastigen Rollen, sind Gestik und Mimik beeindruckend köstlich - ein Frontalangriff auf das Zwerchfell.

So viel Irrsinn, garniert mit einer gehörigen Portion Lokalkolorit, kaum auszuhalten. Der verdiente Lohn: Reichlich Szenenapplaus und langanhaltender Schlussbeifall. Die Darsteller hatten den Nerv des Publikums getroffen.

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