Garten

Warum es gerade unter den Linden so klebt

Wenn man durch Olpe geht, sieht man unter den Linden dunkle Verfärbungen auf den Pflasterbelägen und wenn man darüber geht, spürt man regelrecht, wie man mit den Schuhen kleben bleibt.

Wenn man durch Olpe geht, sieht man unter den Linden dunkle Verfärbungen auf den Pflasterbelägen und wenn man darüber geht, spürt man regelrecht, wie man mit den Schuhen kleben bleibt.

Foto: Thomas Kramer

Kreis Olpe.  So manch einer schimpft im Moment, wenn er unter einer Linde parkt. Grund ist die klebrige Masse am Auto. Doch woher kommt das eigentlich?

Angeblich ist die Linde des Deutschen liebster Baum – und doch ist so mancher Deutsche im Moment am Fluchen, wenn er unter einer Linde geparkt oder eine längere Zeit unter so einem stattlichen Baum gesessen hat. Wenn man durch Olpe geht, sieht man unter den Linden dunkle Verfärbungen auf den Pflasterbelägen und wenn man darüber geht, spürt man regelrecht, wie man mit den Schuhen kleben bleibt. Diese klebrige Masse auf dem Auto - und es kommt Freude auf. Wer dann anfängt, über diese Bäume zu schimpfen, sollte allerdings wissen, dass er ihnen Unrecht tut. Nicht die Linde ist dafür verantwortlich, sondern die Laus, die blöde. Die Blattläuse befallen gerade im Frühsommer zur Blütezeit die Bäume, saugen Pflanzensaft aus den Blättern und scheiden anschließend zuckerhaltigen Honigtau aus – und der klebt.

Eine alte Tradition

Wenn man das weiß, stellen sich einige vielleicht die Frage, warum man denn dann Linden in die Stadt pflanzt? Anders gefragt: War das früher auch schon so? Ich glaube nicht. Linden haben schließlich eine Jahrhunderte alte Tradition. Die Bäume können uralt werden, waren in alten Zeiten Gerichtsbäume, säumen seit ewigen Zeiten Plätze und Boulevards, bilden eindrucksvolle Alleen an Landstraßen, stehen vor Gasthöfen, Bauernhöfen oder an Wegkreuzungen und spenden Schatten in Biergärten oder an Schützenplätzen. Es sind einfach großartige Bäume, die viel mitmachen, die man hervorragend schneiden oder formen kann und die man auch heute noch unbedingt pflanzen sollte. Schon vor zweihundert Jahren wurde sie in dem Lied „Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum…“ besungen. Weiter heißt es in dem Lied: „…ich träumte in seinem Schatten so manchen süßen Traum“. Ich glaube nicht, dass damit der süße Honigtau der Läuse gemeint ist, sondern eher der Gedanke an die Herzallerliebste. Viele in die Rinde alter Linden geritzte Herzchen mit Namen von Liebespärchen sind hierfür der Beweis. Kein Mensch stellt sich aber vor, unter einem Baum zu knutschen, wenn ihm dabei eine klebrige Brühe auf den Kopf tropft, oder? Was hat sich verändert? Bei uns im Dörfchen steht auch eine Linde – und darunter klebt nichts. Im Gegenteil. Als sie blühte war so ein Spektakel in dem Baum, dass man stehen blieb und zuhörte. Bienen, Hummel und andere Insekten wurden von dem Duft wie verrückt angezogen und leisteten ganze Arbeit. Dabei sammeln sie auch den Honigtau der Läuse und verarbeiten ihn.

Immer weniger Nützlinge

Andere Nützlinge wie Marienkäfer oder Florfliegen sind die natürlichen Feinde der Blattläuse, aber in den Städten sind immer weniger von diesen Nützlingen anzutreffen. Wenn ich darüber nachdenke, wie viele Insekten früher nach einer längeren Fahrt an der Windschutzscheibe klebten und heute – das sind Welten. Außerdem haben Linden heute in der Stadt viel mehr Stress als früher. Staub, Abgase, Trockenheit und viel zu wenig Wurzelraum machen ihnen schwer zu schaffen. Kränkelnde und wenig vitale Bäume haben aber einen deutlich höheren Befall von Blattläusen als gesunde und das erklärt schon viel. Fazit: Eine gesunde Linde auf dem Land hat weniger Läuse, mehr Bienen und Nützlinge und damit weniger klebrigen Honigtau als die leidenden Bäume in der Stadt. Die Winterlinde hat von Natur aus weniger Läuse als die Sommerlinde und die Silberlinde ist von den drei Arten die mit dem geringsten Befall. Als Hausbaum eignet sich wegen der geringeren Wuchshöhe gut die Winterlinde der Sorte Rancho. (Tilia cordata ´Rancho`).
Viel Spaß beim Gärtnern wünscht Ihnen Ihr Thomas Kramer

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