Ministerbesuch

Thomas Kutschaty hört Hilferufe des Sozialdienstes

NRW-Justizminister Thomas Kutschaty zu Gast in Olpe bei der SPD und dem Katholischen Sozialdienst: (von links) Nezahat Baradari, Wolfgang Wigger, Wolfgang Langenohl, Thomas Kutschaty, Albert Hasneau, Jutta Hecken-Defeld, Hanjost Völker und Daniel Schulte.

NRW-Justizminister Thomas Kutschaty zu Gast in Olpe bei der SPD und dem Katholischen Sozialdienst: (von links) Nezahat Baradari, Wolfgang Wigger, Wolfgang Langenohl, Thomas Kutschaty, Albert Hasneau, Jutta Hecken-Defeld, Hanjost Völker und Daniel Schulte.

Foto: Josef Schmidt

Olpe.  KSD-Geschäftsführer Hasenau sieht Existenz der Betreuungsvereine in Gefahr

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Einen gravierenden finanziellen Notstand in Sachen „Rechtliche Betreuungen“ beklagte Albert Hasenau, Geschäftsführer des Katholischen Sozialdienstes (KSD), gegenüber Landes-Justizminister Thomas Kutschaty. Der NRW-Spitzen-Politiker war der Einladung von SPD-Landtagskandidat Wolfgang Langenohl in die Kreisstadt gefolgt, sich unter anderem die Sorgen und Nöte des KSD anzuhören.

Und Hasenau redete Klartext: „Wir haben seit geraumer Zeit größte wirtschaftliche Probleme. Die Betreuungsvereine sind defizitär. Und wenn nicht schnell etwas passiert, geht so mancher Betreuungsverein in die Knie.“ Allein die beiden Vereine SKF und SKM (Sozialdienst Katholischer Frauen und Männer) hätten 2016 ein Defizit von rund 50 000 Euro verursacht.

Fast nur noch schwierige Fälle

Die zum KSD vermittelten Betreuungsfälle würden immer schwieriger, lösten ein umfangreicheres Betreuungs-Engagement aus. Hasenau: „Der Druck auf unsere Mitarbeiter ist enorm gewachsen.“

Kutschaty wies daraufhin, dass die Landesregierung den Bereich der Betreuungen sehr ernst nehme: „Die Förderung ist in den vergangenen Jahren verdreifacht worden. Das Land zahlt jedes Jahr rund 200 Mio. Euro für die Betreuung.“ Eine Untersuchung des Bundesjustiz-Ministeriums werde weitere Klarheit bringen.

Was zahlt der Kreis?

Hasenau räumte ein, dass die Grundförderung für die beiden beim KSD angesiedelten Vereine zwar verdoppelt worden sei, aber letztlich nur von rund 3000 auf rund 6000 Euro. Bei dem genannten Gesamt-Defizit helfe das nicht existenziell.

Auf Kutschatys Frage, wie viel der Kreis Olpe beisteuere, informierte Hasenau: „2500 Euro pro Jahr und Verein.“ Olpes SPD-Vorsitzender Wolfgang Wigger: „Ich bin erschrocken, dass der Kreis in diesem Bereich nicht mehr tut.“

Gelegenheit, ihre Projekte vorzustellen, erhielten dann Diplom-Sozialpädagoge Hanjost Völker und sein Kollege, Diplom-Sozialarbeiter Daniel Schulte.

Für Völker war es ein Wiedersehen mit Kutschaty, mit dem er in der Fernsehsendung „Ihre Meinung“ von Bettina Böttinger im Dezember ins Gespräch gekommen war..

Nur wegsperren gefährlich

Jetzt stellte er sein Anti-Aggressivitäts-Training (AAT) vor, in dem er mit zum Teil Schwerst-Kriminellen arbeite - unter anderem in Klein-Gruppen in der JVA Attendorn: „Da geht es um Straffällige die zum Teil massive Körperverletzungs-Delikte begangen haben bis hin zu versuchtem Mord.“ Im Blickpunkt stehe vor allem, zu lernen, Provokationen im täglichen Leben zu ertragen, ohne gleich loszuschlagen.

In eine ähnliche Richtung geht das ganz frische Angebot von Daniel Schulte, der in seinem Betreuungsangebot für Jungen und Männer ebenfalls Gewalt vorbeugen möchte - hier vor allem gegen Frauen im häuslichen Umfeld.

Kutschaty lobte die Ansätze ganz im Sinne der Landesregierung: „Uns wird ja vorgeworfen, wir täten zu wenig für den Opfer, zu viel für den Täterschutz.“ Aber gerade die Arbeit mit Inhaftierten und deren Vorbereitung auf die Freiheit sei auch Opferschutz: „Es gibt nichts Gefährlicheres, als jemanden fünf Jahre nur wegzusperren und ihn dann unvorbereitet in die Freiheit zu entlassen.“

Betreuung statt Vormundschaft

1992 trat an die Stelle der Vormundschaft für Erwachsene die rechtliche Betreuung. Betreuung bekommen Menschen über 18 Jahre, die nicht in der Lage sind, für sich selbst zu entscheiden. Das können geistig oder psychisch Erkrankte oder Behinderte sein.

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