Ausstellung

Unbeachtetes Drama Unterwasser

Initiator Ulrich Kesten (rechts) und Vorsitzender Peter Lange von der Sportfischergemeinschaft Waldenburg-Biggesee laden zur Ausstellung über die stark gefährdeten heimischen Flusskrebse ein.

Foto: Martin Droste

Initiator Ulrich Kesten (rechts) und Vorsitzender Peter Lange von der Sportfischergemeinschaft Waldenburg-Biggesee laden zur Ausstellung über die stark gefährdeten heimischen Flusskrebse ein. Foto: Martin Droste

Attendorn.   Wanderausstellung erzählt vom nahezu vollkommenen Aussterben heimischer Krebsarten durch Eindringlinge und Krankheiten

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die stattlichen Flusskrebse, die am Grund des Schau-Aquariums auf Steinen aus der Brachtpe krabbeln, gibt es im Sauerland nicht mehr. Nicht nur aus dem Zufluss der Biggetalsperre sind sie verschwunden. Edelkrebs und Steinkrebs, die beiden in Nordrhein-Westfalen heimischen Flusskrebsarten, sind stark vom Aussterben bedroht. Auf dieses kleine Drama im Tierreich, dass sich seit Jahrzehnten von den meisten unbeachtet unter der Wasseroberfläche abspielt, macht die Wanderausstellung „Flusskrebse in NRW“ aufmerksam, die am 23. Mai im Vereinsheim der Sportfischergemeinschaft Waldenburg-Biggesee eröffnet wird (siehe Infobox).

Wenn Ulrich Kesten über Flusskrebse redet, ist der Drolshagener in seinem Element. Das Gründungsmitglied der Sportfischergemeinschaft hat die Ausstellung in das schmucke Vereinsheim geholt. „Nur noch in zwei Bächen in der Eifel gibt es den Edelkrebs“, berichtet Kesten. Der Steinkrebs hat sich in einen Bach im Rheinland zurückgezogen. „Früher gab es diese Krebse bei uns in Massen“, betont der Drolshagener.

Aber die heimischen Krebsarten haben einen mächtigen Feind: einen etwa 1860 eingeschleppten amerikanischen Artgenossen. Der ungebetene Gast aus Übersee ist eine sogenannte „invasorische Art“, die in der neuen Heimat verheerende Auswirkungen hatte. Denn der fremde Eindringling überträgt die „Krebspest“ und löste damit ein Massensterben der heimischen Arten aus.

Auch andere „Invasoren“ bedrohen die heimischen Flusskrebse. „Besonders der Edelkrebs ist ein erschreckendes Beispiel, welche Folgen das unbedachte Aussetzen haben kann“, warnt Dr. Harald Groß, Leiter des „Edelkrebsprojekt NRW“.

Viele Besitzer von Aquarien wissen gar nicht, welche fatalen Folgen es haben kann, wenn sie überzählige Krebse in einen Flusslauf oder ein anderes Gewässer aussetzen. Haben sich die „Exoten“ einmal in der neuen Umgebung eingelebt, können auch sie die Krebspest übertragen und die wenigen heimischen Flusskrebse, die überlebt haben, endgültig vernichten.

Krebssperren

Im Sauerland gibt es keine Bäche mit heimischen Flusskrebsen mehr. Die ansehnlichen Exemplare im Schau-Aquarium der Sportfischergemeinschaft Waldenburg-Biggesee stammen aus den Teichen der ehemaligen Landesfischereianstalt Albaum, heute Standort des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV). Irgendwann wird es vielleicht den Versuch geben, Flusskrebse bei uns wieder auszusetzen. Aber das ist ein mühsames Projekt. Mit neu entwickelten „Krebssperren“ müssen etwa Bachläufe abgeriegelt werden, um zu verhindern, dass die gefährlichen Eindringlinge aus Übersee weiter wandern.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik