Redaktionsgespräch

Unitymedia reagiert mit Groß-Investition im Kreis Olpe

Redaktionsgespräch in Olpe  zum Thema Unitymedia, von links: Frank Schubert, Dr. Eva-Maria Ritter, Dietmar Koenzen, Ulrich Hoffmann (alle Unitymedia), Manfred und Frauke Nolting (Protestgruppe), Herbert Kranz und Josef Schmidt (Westfalenpost).

Foto: Anna Hunold

Redaktionsgespräch in Olpe zum Thema Unitymedia, von links: Frank Schubert, Dr. Eva-Maria Ritter, Dietmar Koenzen, Ulrich Hoffmann (alle Unitymedia), Manfred und Frauke Nolting (Protestgruppe), Herbert Kranz und Josef Schmidt (Westfalenpost). Foto: Anna Hunold

Olpe.   Unitymedia reagiert auf Proteste und will für rund eine dreiviertel Million Euro ins Kabelnetz im Kreis Olpe investieren. Das ist ein Ergebnis der WP-Gesprächsrunde.

Unitymedia reagiert und will für rund eine dreiviertel Million Euro ins Kabelnetz im Kreis Olpe investieren. Ziel: den in den vergangenen Monaten massiv aufgetretenen Störungen den Garaus machen. Diese Botschaft zog sich wie ein Roter Faden durch das Runde-Tisch-Gespräch, zu dem die WP in die Olper Redaktion eingeladen hatte.

Unitymedia-Quartett angereist

Mit einem profunden Quartett war der Kabelnetzbetreiber gekommen, um aufzuklären: Neben Pressesprecherin Dr. Eva-Maria Ritter informierten Frank Schubert (Kommunale Betreuung Ost- und Südwestfalen), Ulrich Hoffmann (Technik/Netzqualität) und Dietmar Koenzen (Regionale Planung). Zudem mit am Tisch Frauke und Manfred Nolting aus Kirchveischede von der frisch gegründeten Unitymedia-Protestgruppe.

Unitymedia-Pressesprecherin Dr. Eva-Maria Ritter

Dr. Eva-Maria Ritter, Pressesprecherin von Unitymedia, zu den Ergebnissen der WP-Gesprächsrunde. Video: Josef Schmidt
Unitymedia-Pressesprecherin Dr. Eva-Maria Ritter
Video: Josef Schmidt

Techniker Ulrich Hoffmann klärte eingangs über sogenannte Ingress-Störungen im Koax-Kabelnetz auf. Und räumte ein: „Eigentlich sollte das so nicht sein.“ Das Netz müsse genügend abgeschirmt sein gegen solche Einstrahlungen. Lägen jedoch Leckstellen im Netz vor, könnten bereits Babyfone oder sich einschaltende Heizungen Störungen verursachen.

Nach Untersuchungen von Unitymedia von über 120 solcher Störfälle im Netz liege die Ursache zu 80 Prozent in den Gebäuden, zu 20 Prozent im außen liegenden Netz. Das Fatale: Durch ein solches Leck ausgelöste Störungen wirkten sich nicht nur vereinzelt aus, sondern „auf einen gesamten Netzabschnitt“. Im Kreis Olpe, so Hoffmann, seien jeweils rund 150 bis 200 Kunden in einem solchen Netzabschnitt zusammengefasst.

Die Frage, warum die Störungen verstärkt seit Herbst 2016 aufträten, erklärten die Unitymedia-Fachleute mit einer Zuschaltung von mehreren digitalen TV-Programmen in diesem Zeitraum. Das sei eine Belastung fürs Netz gewesen, die offenbar die vermehrten Störungen ausgelöst hätten.

Frauke Nolting, Unitymedia-Protestgruppe im Kreis Olpe

Frauke Nolting von der Unitymedia-Protestgruppe im Kreis Olpe nach der Gesprächsrunde in der WP-Redaktion. Video: Josef Schmidt
Frauke Nolting, Unitymedia-Protestgruppe im Kreis Olpe
Video: Josef Schmidt

Abschaltung von 25 analogen Programmen

Die Lösung, so Frank Schubert: „Heute, und es ist Zufall, dass dieser Termin mit unserem Gespräch zusammenfällt, werden wir etwa 25 analoge Programme abschalten. Dadurch wird das Netz spürbar entlastet.“ Es löse das Problem allerdings nicht ursächlich. Eine weitere Ursache - vor allem für die Region Lennestadt - sei ein Wasserschaden in einem Zuführungskabel von Attendorn nach Lennestadt gewesen. Dort seien rund 250 m Kabel getauscht worden.. Andererseits, so Schubert weiter: Zwölf Millionen Kunden versorgt Unitymedia insgesamt. Da könne das Netz so schlecht ja nicht sein.

Dietmar Koenzen (Leiter Regionale Planung) umriss die wesentlichen Investitionen für den Kreis Olpe, die noch bis Ende 2017 abgeschlossen sein sollten: Rund 750 000 Euro gesamt, 50 000 Euro in der Gemeinde Wenden, 95 000 Euro in der Stadt Olpe, fast 600 000 Euro in der Lennestadt - inklusive Tiefbau für rund 700 m Kabel. Lennestadt sei die letzte und komplexeste Maßnahme.

Koenzen: „Hier haben wir zurzeit sehr lange Ketten und viele Verstärker.“ Das führe zu einer höheren Störanfälligkeit. Genau deshalb werden die etwa 1000 Lennestädter Kunden künftig nicht mehr über einen Knotenpunkt versorgt, sondern über drei. Der notwendige Ausbau soll Ende des Jahres abgeschlossen sein. Und dann, so Ulrich Hoffmann, „sollte die Situation stabil sein.“

Überforderung der Callcenter-Mitarbeiter

Frauke Nolting kritisierte im Namen der Protestgruppe, dass „die Kunden über die wirklichen Ursachen im Unklaren gelassen wurden.“ Sie hätte erwartet, dass „einfach mal gesagt wird, um was es geht.“ Eine so komplexe Materie am Telefon zu erläutern, so die Unitymedia-Vertreter, sei eine Überforderung der Callcenter-Mitarbeiter.

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