Ausbildung

Finnentroperin unter Strom: Als Frau in einer Männerdomäne

Melina Baumeister ist die einzige Azubine im Elektrohandwerk. Die Vielseitigkeit macht für sie der Beruf aus.

Melina Baumeister ist die einzige Azubine im Elektrohandwerk. Die Vielseitigkeit macht für sie der Beruf aus.

Foto: Thomas Corte

Finnentrop.   Melina Baumeister ist einzige weibliche Auszubildende im Elektrohandwerk. Sie erzählt, was der Beruf für sie ausmacht.

Kabel verlegen, Steckdosen montieren oder auch komplexe Steuer- und Regelsysteme installieren: Klingt nach einem typischen Männerberuf. Doch mit solchen Vorurteilen kann Melina Baumeister aus Deutmecke nichts anfangen. Die 20-Jährige macht eine Ausbildung zur Elektronikerin für Energie- und Gebäudetechnik und weiß, wie sie sich in der Männerdomäne durchsetzt. Sie zeigt, dass es auch anders geht. Wie Melina Baumeister den Weg zu ihrem Traumberuf gefunden hat, verrät sie unserer Zeitung.

Sie ist die einzige „Azubine“ in der Innung für Elektrotechnik des Kreises Olpe und die einzige Frau in ihrer Klasse. Aber das macht ihr nichts aus: „Für mich ist das relativ normal, das ist nichts besonderes“, sagt Baumeister. Denn die 20-Jährige hat bereits in ihrer Jugend in einer Jungen-Fußballmannschaft gespielt. Durchsetzungsvermögen unter Männern hat sie also schon früh gelernt.

Nach ihrem Abitur startete sie im vergangenen Jahr an der Universität Siegen den Studiengang Fahrzeugbau. „Das war mir aber zu theoretisch“, erklärt die 20-Jährige. Als ihre Familie dann den Keller ausbauen wollte, hat Baumeister ihre Leidenschaft für den Beruf entdeckt. „Wir haben verzweifelt nach einem Elektriker gesucht“, sagt Baumeister, „Heutzutage ist es echt schwierig, einen Handwerker zu bekommen.“ Notgedrungen nahm Baumeister mit ihrem Bruder den Ausbau selbst in die Hand. „Dabei habe ich gemerkt, dass es echt praktisch ist, wenn man diese Dinge einfach selbst erledigen kann.“

Deshalb machte sich Baumeister auf die Suche nach einer Ausbildung im Elektrohandwerk. Als sie die Anzeige der Firma Elektrotechnik Siegfried Corte sah, war sie überglücklich. „Man kennt Corte, ich wusste, die machen gute Arbeit.“ Nach zwei Probearbeitstagen fing die 20-Jährige im Februar zunächst als Aushilfe an, um für ihren Ausbildungsstart im Herbst vorbereitet zu sein. „Das war ein guter Einstieg“, sagt Baumeister rückblickend.

Alleinstellungsmerkmal

Im ersten Lehrjahr begleitet Baumeister ihre Kollegen. Seien es technische Störungen, Anlagen, die gewartet oder installiert werden müssen oder auch Kabel, die es zu verlegen gilt. Der Beruf des Elektronikers ist vielseitig. „Die Abwechslung macht es aus, es wird nie langweilig“, so die „Azubine“.

Als Frau in einer Männerdomäne zu arbeiten, sei kein Hindernis. Im Gegenteil: „Wenn ich meine Kollegen zu den Firmen begleite, machen die Arbeiter vor Ort schon große Augen. Aber im positiven Sinne, denn viele kennen die Schwierigkeit, Frauen für das Handwerk zu gewinnen“, sagt die 20-Jährige und fügt hinzu: „Vielmehr freuen sie sich, auch mal eine Frau zu sehen.“

Thomas Corte, Inhaber der Firma Corte, ist zufrieden: „Wir kannten Melina schon früher und wussten, dass sie gute Arbeit leistet. Es ist schön, eine Frau bei uns zu haben. Das ist toll für die Stimmung.“ Zudem weiß er, dass Baumeister später sehr gefragt sein wird: „Die Kombination aus Abitur und der Ausbildung im Handwerk ist top. Das ist schon was Auffälliges.“ Wie ihre Zukunft aussieht, weiß die 20-Jährige noch nicht genau. „Ich möchte erstmal die Ausbildung absolvieren, danach schaue ich weiter.“ Ihr Rat an junge Mädchen: „Wenn ihr Interesse am Handwerk habt, dann probiert euch aus. Es lohnt sich.“

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