Wetterkapriolen

Warum das Wetter auch im Kreis Olpe verrückt spielt

Gewitter hat es immer gegeben, aber sie werden heftiger, meint Landwirt Josef Geuecke.

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Gewitter hat es immer gegeben, aber sie werden heftiger, meint Landwirt Josef Geuecke. Foto: dpa

Kreis Olpe.   Da braut sich was zusammen: Auch im Kreis Olpe sind die Niederschlagsmengen extrem unterschiedlich.

Voll gelaufene Keller hier, trockene Blumenbeete, die nach der Gießkanne schreien, dort – das Wetter spielt verrückt. Bestes Beispiel das vergangene Wochenende: Während bei der Attendorner Wehr fast Langeweile herrschte, war in der Nacht zum Sonntag in Kirchhundem, vor allem aber in Lennestadt, Hektik angesagt.

Zufall?

In Attendorn hält sich, wie Ordnungsamtsleiter Karl-Josef Hammer weiß, hartnäckig die Vermutung, der Biggesee könne etwas damit zu tun haben, dass Attendorn (gefühlt) vergleichsweise selten von extremen Niederschlägen betroffen ist: „Ob das stimmt, weiß ich nicht“, sagt Hammer. „Vielleicht hat das mit dem im Sommer vergleichsweise warmen Wasser und Thermik zu tun.“

Claudia Salbert, von der MeteoGroup, dem größten privaten Dienstleister im Bereich Wettervorhersage in Europa, winkt ab: „Wasserflächen wie der Bodensee können Einfluss auf das Wettergeschehen haben, aber der Biggesee nicht. Dafür ist er zu klein.“

Für die Meteorologin gehören solche Vermutungen in die gleiche Kategorie wie die Behauptung, Flüsse seien eine Wetterscheide: „Das wird auch immer behauptet, stimmt aber nicht.“

Zugrichtung der Gewitter entscheidend

Entscheidend dafür, welche Region betroffen ist, welche verschont wird, sei oft die Frage, welche Zugrichtung Gewitter nehmen: „Wenn wir, wie teilweise in den letzten Wochen, eine Südost-Zugrichtung haben, dann kann das Rothaargebirge eine Rolle spielen. Die Gewitter bilden sich, die Luft steigt an den Bergen auf, zu den Niederschlägen kommt es aber erst ein paar Kilometer weiter.“

Da die Meteo-Group Wetterstationen in Olpe, Attendorn und Lennestadt hat, lässt sich das Niederschlagsgeschehen der vergangenen Wochen gut nachzeichnen. Ergebnis: Tatsächlich lagen die Regenmengen in Lennestadt deutlich höher als in Attendorn, noch deutlich weniger Regen gab es allerdings in Olpe. Die MeteoGroup-Station hat in Olpe im Mai 38 Liter auf den Quadratmeter gemessen, die in Attendorn 67 und in Lennestadt 91. Extremer noch die Unterschiede, die bislang im Juni registriert wurden: Olpe 23 Liter pro Quadratmeter, Attendorn 83 Liter und Lennestadt jetzt schon mehr als 100 Liter pro Quadratmeter.

Wetter im Kreis Olpe

Aber gab es nicht immer schon Wetterextreme? Gewitter sind schließlich keine Erfindung des 21. Jahrhunderts. Hat sich das Wetter tatsächlich verändert? Einer, der es von Berufs wegen wissen muss, ist Josef Geuecke, 64 Jahre alt, Landwirt und bis Anfang des Jahres Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes. „Doch“, sagt Geuecke, „das ist schon so, das Wetter hat sich verändert.“

Auch früher habe es kräftig gewittert, „aber, dass die Felder so geflossen sind wie am letzten Wochenende, daran kann ich mich nicht erinnern, nicht mit dieser Intensität.“

Es wird also tatsächlich wärmer? „Das weiß ich nicht“, antwortet Geuecke, „man wird da ja auch leicht Opfer seines eigenen Gedächtnisses. Aber mir fällt schon auf, dass sich die Pflanzempfehlungen verändern. Die Esskastanie zum Beispiel. Ein Baum, der mehr Wärme verträgt.“

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