Totschlag

Urteil gegen Schüler aus Wenden: Staatsanwalt prüft Revision

Vor dem Gerichtsgebäude verkündet die stellvertretende Pressesprecherin des Siegener Landgerichtes, Silvia Sünnemann, den Medienvertretern am Donnerstag das Urteil.

Vor dem Gerichtsgebäude verkündet die stellvertretende Pressesprecherin des Siegener Landgerichtes, Silvia Sünnemann, den Medienvertretern am Donnerstag das Urteil.

Foto: Roland Vossel

Wenden/Siegen.   Wegen Totschlags an seinem Mitschüler muss ein Jugendlicher aus Wenden in die Psychiatrie – wenn der Staatsanwalt nicht noch Revision einlegt.

Nach dem psychiatrischen Gutachten und den Plädoyers war das Urteil im Prozess wegen des getöteten Schülers von Wenden keine Überraschung mehr, sondern zu erwarten. Das Jugendschwurgericht des Siegener Landgerichtes unter Vorsitz von Richterin Sabine Metz-Horst hat für den 15-Jährigen die Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie angeordnet. Er hatte zugegeben, Ende Oktober 2018 in Wenden seinen Mitschüler (16) erwürgt zu haben.

Das Gericht verhängte wegen Totschlags eine Jugendstrafe von siebeneinhalb Jahren. Die Steuerungsfähigkeit des Angeklagten, der unter einer Persönlichkeitsstörung leidet, sei zur Tatzeit eingeschränkt gewesen. Dabei gilt das Prinzip: Therapie vor Strafe. Der 15-Jährige kommt jetzt direkt in ein geschlossenes psychiatrisches Krankenhaus.

Ausführliche Begründung

Ausführlichst, fast 90 Minuten lang, begründete Richterin Metz-Horst hinter der verschlossenen Tür des Saal 183 das Urteil. Silvia Sünnemann, stellvertretende Pressesprecherin des Landgerichtes, gab den Medienvertretern vor dem Gerichtsgebäude ein angekündigtes Statement zum Urteilstenor. Dieses bestand jedoch nur aus einem Satz: „Der Angeklagte wird wegen Totschlags zu sieben Jahren und sechs Monaten Jugendstrafe verurteilt und die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus wurde angeordnet.“

Mehr Informationen gab es von der Pressestelle des Gerichtes nicht. Auf Nachfrage meinte Silvia Sünnemann: „Zu den Tatumständen können wir wegen des Schutzes des sehr jungen Angeklagten nichts sagen. Er wird in einer speziellen Einrichtung, die auf Jugendliche zugeschnitten ist, untergebracht.“

Zur Frage, ob er Revision einlegen wird, meinte Staatsanwalt Reiner Hoppmann, der in seinem Plädoyer acht Jahre wegen Mordes beantragt hatte: „Die Strafe von siebeneinhalb Jahren ist nicht so weit weg von dem, was ich beantragt habe. Wir prüfen das noch.“

Verteidiger Martin Kretschmer zeigte sich zufrieden mit dem Ausgang des Prozesses: „Ich habe vorgetragen, dass ich keine Mordmerkmale sehe. Dem hat sich die Kammer angeschlossen. Ich bin mit dem Urteil zufrieden. Wichtig ist, dass er jetzt die Hilfe bekommt, die er dringend braucht. Es gibt keine Gründe in Revision zu gehen.“

Erhebliche Persönlichkeitsprobleme

Es komme nun zur Unterbringung, die alle Verfahrensbeteiligten gewollt hätten, so der Anwalt: „Darüber gab es keinen Streit im Verfahren. Er hat jetzt die Chance, schnell mit der Therapie zu beginnen.“ Der 15-Jährige habe erhebliche Persönlichkeitsprobleme, die aufgearbeitet werden müssen.

Wenn das Urteil rechtskräftig werde, könne er schon in ein paar Wochen in eine therapeutische Einrichtung kommen, so Martin Kretschmer. Im Gespräch mit unserer Zeitung beschrieb der Verteidiger den 15-Jährigen so: „Er wirkt körperlich zwar erwachsen, aber vom Wesen her hat er kindliche Züge, er ist unbeholfen.“ Zur Frage, wie der junge Angeklagte das Urteil aufgefasst habe, sagte Kretschmer: „Er hat das Urteil ganz ruhig aufgenommen. Er war darauf vorbereitet.“ Und: „Ich habe es so empfunden, dass er die Tat massiv bereut.“

Nach Informationen unserer Zeitung sagte die Vorsitzende Richterin, Sabine Metz-Horst, dass der junge Angeklagte mit dem Urteil den Weg zurück finden könne in ein lebenswertes Leben.

Als Jugendlicher kann der 15-Jährige frühestens nach einem Drittel der Strafe in die Freiheit entlassen werden. Dies wäre nach zweieinhalb Jahren der Fall. Dazu käme es aber nur, wenn ihn die Ärzte in der Klinik dann als geheilt einstufen würden. Auf der anderen Seite kann er auch länger als die siebeneinhalb Jahre in der Psychiatrie bleiben, wenn die Therapie nicht anschlägt.

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