Tierschutz

Todkranke Hündin Adele genießt es, gestreichelt zu werden

| Lesedauer: 5 Minuten
Adele liegt auf dem Boden ihres neuen Zuhauses in Kirchhundem.

Adele liegt auf dem Boden ihres neuen Zuhauses in Kirchhundem.

Foto: Privat

Olpe/Kirchhundem.  Adele wurde aus einem Verschlag gerettet. Die verschmuste Hündin hat nicht mehr viel Zeit. Das Tierheim Olpe hat einen Hospizplatz gefunden.

Adele hat ein ruhiges Zuhause gefunden. Vielleicht für ein paar Wochen oder Monate. Mit viel Glück vielleicht auch für ein Jahr. Eine Prognose bei der krebskranken Schäferhündin sei schwierig, meint Elke Stellbrink, 1. Vorsitzende des Tierschutzvereins Olpe. „Ich habe schon viele krebskranke Hunde bei meiner Arbeit begleitet. Wenn sie erstmal ein tolles Zuhause gefunden haben, kann es sein, dass sie sich nochmal etwas erholen und schöne letzte Tage erleben.“ Adele sei es jedenfalls zu wünschen.

+++ Lesen Sie hier: Heiße Fritten von coolen Jungs - Das ist „Die Frittenbude“ in Oberelspe +++

Trotz psychischen Missbrauchs ein „unglaublich freundlicher“ Hund

Vor knapp drei Wochen kam die zehnjährige Adele ins Tierheim Olpe. Sie wurde aus einem prekären Haushalt gerettet, in dem sie zuletzt in einem Verschlag gehalten wurde. Isoliert, ohne liebevolle Zuwendung. Trotz dieses psychischen Missbrauchs haben die Tierheim-Mitarbeiter Adele aber als einen „unglaublich freundlichen“ Hund erlebt. „Sie genießt es, Ansprache zu bekommen und gestreichelt zu werden“, sagt Stellbrink. Sie zeige sich sehr dankbar, dass sie ein warmes Körbchen habe und regelmäßig zu essen bekomme. Auch das habe Stellbrink immer wieder bei ihrer Arbeit erlebt: Hunde, die trotz aller Schwierigkeiten oder Misshandlungen dem Menschen immer noch positiv zugewandt sind. Hunde, die nicht verschreckt oder aggressiv seien, sondern feinfühlig. Dem Menschen eine zweite Chance geben.

+++ Lesen Sie auch: Kreis Olpe: Diese exklusiven Immobilien stehen zum Verkauf +++

Als Adele ins Tierheim kam wurde sie wie alle neuen Tiere tierärztlich untersucht. Und dabei kam Erschreckendes heraus: Die Schäferhündin hat mehrere bösartige Tumore in der Milz und an der Scheide. Auch ihre Nierenwerte sind sehr schlecht. Adele ist todkrank und wird mit so einem Krankheitsbild aller Voraussicht nach nicht mehr lange leben. In Absprache mit der behandelnden Tierärztin Dr. Corinna Rose-Rumpff aus Olpe entschied das Tierheim, Adeles verbleibende Zeit bestmöglich zu gestalten. Mit Schmerzmitteln, die sie gut verträgt. Und vorzugsweise nicht im Tierheim, sondern in einem Zuhause, in dem sie rund um die Uhr geliebt wird. Bis zum Schluss.

+++ Lesen Sie auch: Eröffnung der Viega World in Attendorn: „Ein besonderer Tag“ +++

Vor ein paar Tagen startete das Tierheim deswegen einen Aufruf bei Facebook. „Hospizplatz für Adele gesucht“. Die Nachricht verbreitete sich rasend schnell: Innerhalb von drei Tagen wurde der Beitrag über 1100 Mal geteilt. „Es ist eine herzergreifende Geschichte. Wir hatten sehr, sehr viele Anfragen für Adele“, meint Tierpfleger Marcel Lohmann. Auch von Bernhard Heinemann aus Kirchhundem.

Vor knapp zwei Wochen kam Bernhard Heinemann ins Tierheim Olpe. Eine Bekannte wollte einem Hund aus dem Tierschutz ein neues Zuhause geben. „Dabei ist mir Adele sofort positiv aufgefallen, weil sie so entspannt war“, erzählt Heinemann. Ihre schreckliche Hintergrundgeschichte kannte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Erst mit dem Facebook-Beitrag erfuhr er von Adeles Schicksal. Er wollte helfen.

+++ Lesen Sie auch: Pilzbefall in Rönkhauser Halle: Schützen verklagen Parkettleger +++

„Wir mussten selbst unsere Labrador-Hündin vor eineinhalb Jahren schweren Herzens einschläfern lassen. Wir sind also schon mal diesen Weg gegangen“, meint Bernhard Heinemann. Er betreibt mit „Finderwille Südsauerland“ eine Hundeschule, die sich auf die Suchhundeausbildung und Geruchsdifferenzierung spezialisiert hat. Zum Familienalltag gehören auch zwei Hunde: Panda (6), eine Schäferhund-Mix-Hündin, und Nik (1), ein Münsterländer-Deutsch-Drahthaar-Mix. Beide haben Adele schon im Tierheim Olpe kennengelernt; am Mittwochmorgen ist Adele schließlich bei ihnen in Kirchhundem eingezogen.

+++ Lesen Sie auch: Frust in der Kinderwunschklinik: „Das wollte ich nicht mehr“ +++

Panda sei zwar noch etwas skeptisch, aber erfahrungsgemäß werde sie sich schnell wieder beruhigen, meint Heinemann. Nik hingegen habe Adele schon zum Spielen aufgefordert. Die sei aber von dem Umzug und dem langen Spaziergang so groggy gewesen, dass sie erstmal hätte etwas schlafen musste. „Es würde mich sehr wundern, wenn das nicht klappen würde mit uns“, sagt Heinemann. „Adele ist eine sehr freundliche Hündin, die Spaß am Leben hat.“ Er ist sehr zuversichtlich, dass Adele hier bleiben wird. Für ein paar Wochen. Ein paar Monate. Oder vielleicht auch für ein Jahr.

>>> SPENDENKONTO

  • Anfallende Tierarztkosten werden vom Tierheim Olpe übernommen.
  • Der Tierschutzverein ist auf Spenden angewiesen. Konto: Sparkasse Olpe-Drolshagen-Wenden, IBAN: DE96 4625 0049 0000 0045 64

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Kreis Olpe