Serie: Familenbande

Von wegen Hotel Mama: Wie Jenny und Simon zuhause anpacken

Jenny Schrage aus Ottfingen hilft ihrem Vater beim Holzmachen und packt auch im Haushalt mit an.

Jenny Schrage aus Ottfingen hilft ihrem Vater beim Holzmachen und packt auch im Haushalt mit an.

Foto: Flemming Krause

Ottfingen/Olpe-Stade.  Von Hotel Mama keine Spur: Jenny Schrage aus Ottfingen und Simon Schär aus Olpe-Stade müssen zuhause anpacken – beim Holzmachen und in der Spülküche.

Mit einem Lächeln im Gesicht, die Axt fest in der rechten Hand, steht Jenny Schrage in der kleinen Gartenhütte ihrer Eltern. Hinter ihr stapelt sich das Holz, knapp zwei Meter hoch. Es ist ein besonderer Ort für die 17-jährige Schülerin aus Ottfingen. „Hier bin ich dafür zuständig, dass alles ordentlich aufeinander liegt“, erzählt Jenny, „ich stapel unser Holz super gerne.“

Jenny Schrage (17) aus Ottfingen hilft mit im Wald

Ihr Vater Klaus besitzt einen Hauberg. Schon im Wald ist die junge Ottfingerin eifrig dabei, sie befördert die klein gesägten Stämme auf den Anhänger – und lädt sie später in der kleinen Gartenhütte wieder ab – äußerst ordentlich, versteht sich. Eine Aufgabe, die in vielen Familien wohl der Sohn übernehmen würde – doch einen Bruder hat Jenny nicht. Auch wenn sie sich manchmal so vorkommen muss, als sei sie der männliche Nachkomme der Familie. „Mein Vater nennt mich, seit ich denken kann, nur Alfons. Warum, das weiß er selber auch nicht mehr.“

Familienbande im Kreis Olpe – Kein Hotel Mama
Familienbande im Kreis Olpe – Kein Hotel Mama
Video: Flemming Krause

Nicht nur im Wald verbringen Vater und Tochter viel Zeit miteinander, auch bei größeren Einkäufe weichen sie selten voneinander. „Wir haben dann immer den gleichen Ablauf. Ich schiebe den Einkaufswagen und bringe das Leergut weg.“ Ihre Vorliebe für das Einkaufen hängt sicherlich mit ihrer Vorliebe für das Kochen zusammen. Denn wenn Mama arbeitet und Jenny nicht allzuspät aus der Schule kommt, dann ist sie die Chefin in der Küche.

Lieblingsgericht Rinderzunge

Bevor sie mit dem Mittagessen beginnen kann – „Am liebsten mache ich Rinderzunge, ein Gericht meiner Tante“ – muss sie in der Regel zunächst für einen sauberen Arbeitsplatz sorgen: Oft stehe das Frühstück noch auf dem Tisch. „Bei uns kommt es schon mal vor, dass wir morgens alles stehen lassen“, berichtet die Franziskus-Schülerin, „dann räume ich erstmal auf und mache die Spülmaschine an.“ Bestimmt drei Mal die Woche bereite sie das Essen für ihre Eltern und ihre Schwester vor. Dienstags, wenn sie früh aus der Schule kommt, nimmt sie sich viel Zeit – dann muss es frisch sein. An stressigeren Tagen müssen die Ravioli aus der Dose herhalten.

Simon Schär (15) lebt in Olper Jugendherberge

In der Küche ist auch Simon Schär zuhause. Der 15-Jährige lebt in der Jugendherberge in Olpe-Stade, sie wird von seinem Papa geleitet. Auch für den Hakemicke-Schüler bedeutet das: Anpacken anstatt „chillen“. Seine Aufgabe: In der Spülküche für Ordnung sorgen. „Ich bin dafür zuständig, dass das schmutzige Geschirr sofort in die Spülmaschine kommt und hier alles sauber bleibt.“

Umso voller die Jugendherberge, desto häufiger ist der junge Olper, der in Rügen geboren wurde und seit nunmehr zehn Jahren in Stade lebt, in „seiner“ Spülküche im Einsatz. „Wenn richtig was los ist, dann kann es stressig werden“, erzählt Simon. Auch sein Bruder, der im Bistro der Herberge arbeitet, und seine Mutter als Küchenchefin haben rund um die Uhr zu tun.

Neben „typischen Haushaltsaufgaben“ wie Putzen und Müllrausbringen ist der 15-Jährige, gemeinsam mit seiner jüngeren Schwester, zudem dafür zuständig, dass die beiden Autos der Familie sauber bleiben. „Gerade nach den Ferien oder wenn wir lange gefahren sind, sind die Autos ziemlich dreckig. Dann rücken meine Schwester und ich mit dem Staubsauger an.“

Seine Lieblingsaufgabe ist aber eine andere: Im Sommer das Unkraut auf der Terrasse und im Garten mit dem Bunsenbrenner vernichten. Mit demselben Eifer wie Jenny Schrage beim Holzmachen mit ihrem Vater.

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Zum Thema Familienbande haben wir eine Umfrage gemacht. Unten die Antworten der Jugendlichen aus dem Kreis Olpe.

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