Erklärungen

Weshalb ein Täter trotz schwerer Körperverletzung frei ist

Nicht jeder Täter bleibt in Polizei-Gewahrsam. Das ist auch im Fall des Olper Stalkers so.

Foto: dpa

Nicht jeder Täter bleibt in Polizei-Gewahrsam. Das ist auch im Fall des Olper Stalkers so. Foto: dpa

Olpe.   Ein 56-jähriger Olper liegt nach Schlägen im künstlichen Koma. Der Täter (32) gesteht und wird freigelassen. Polizei und Staatsanwalt erklären, weshalb.

Ein 56-Jähriger öffnet seine Haustür, nachdem es geklingelt hat und wird so brutal zusammengeschlagen, dass er ins künstliche Koma versetzt werden muss. Die Tochter des Opfers gibt der Polizei den entscheidenden Hinweis: Der Täter wird noch am selben Abend alkoholisiert aufgefunden und gesteht, wird am nächsten Tag jedoch wieder freigelassen.

Ihrem Unverständnis macht die Tochter des Opfers auf Facebook in einem offenen Brief an die Staatsanwaltschaft Luft. Ihr Beitrag wird Hunderte Male geteilt und über tausendmal kommentiert, bevor die Polizei sie auffordert, den Beitrag zu löschen. Eines wird in dem Text ganz deutlich: Die junge Frau ist in Sorge um ihren Vater und sie hat Angst. Der Beschuldigte soll ihr seit Jahren nachgestellt , sie also gestalkt haben. Im Gespräch mit der WESTFALENPOST sagt sie, sie habe eine einstweilige Verfügungen gegen den Mann erwirkt.

Nur oberflächlich gekannt

Gekannt habe sie ihn nur oberflächlich. Warum er ihren Vater zusammenschlug, kann sie sich nicht erklären. Sie ist noch immer aufgebracht und kann nicht verstehen, warum der 32-Jährige frei ist – eine Frage, die sich auch unter dem ursprünglichen Beitrag bei Facebook viele stellten.

Das sagt die Polizei

Der Pressesprecher der Polizei Olpe, Michael Klein, bestätigte auf Nachfrage, dass es schon in der Vergangenheit Ermittlungsverfahren gegen den 32-jährigen Olper gab. „Es war aber nicht so, dass wir dachten: Der muss von der Straße runter.“ Dabei handelte es sich um zwei Verfahren wegen Nachstellung im Jahr 2016, die beide eingestellt wurden.

Weshalb der Beschuldigte am Samstag wieder freigelassen wurde, begründet der Pressesprecher so: „Wir dürfen eine Person maximal bis zum Ablauf des nächsten Tages festhalten. Nur mit einem Beschluss der Staatsanwaltschaft kann ein Untersuchungshaftbefehl erlassen werden“, sagt Klein und ergänzt: „Es ist nicht so, dass die Polizei kommt und jemanden ins Gefängnis steckt. Das muss aus den Köpfen der Leute verschwinden.“ Die Familie des Geschädigten wird jetzt von einem Opferschutzbeauftragten der Polizei begleitet.

Das sagt der Staatsanwalt

Staatsanwalt Rainer Hoppmann ist stellvertretender Pressesprecher der Siegener Staatsanwaltschaft. Er sagt, dass diese entscheidet, ob ein Haftbefehl erlassen wird oder nicht und dass sie bei Ermittlungen federführend ist. Sie wird von der Polizei ins Verfahren genommen, wenn ein Vergehen besonders schwerwiegend ist. Für den aktuellen Fall war Rainer Hoppmann nicht zuständig, sagt aber, dass die Staatsanwaltschaft von der Polizei involviert wurde und dass Ermittlungen laufen.

Die eingestellten Verfahren aus dem Jahr 2016 kennt er nicht. Er vermutet, dass diese nicht so schwerwiegend waren. Bis März dieses Jahres wurde Stalking erst dann bestraft, wenn das Opfer seine Lebensumstände gravierend ändern musste. Für die Ermittlungen im aktuellen Fall spielen die eingestellten Verfahren trotzdem eine Rolle: „Wir schauen uns an, wer der Beschuldigte ist und ob wir eventuell etwas falsch eingeschätzt haben.“

Tipps für den Selbstschutz

Ein abgelegener Parkplatz, ein dunkler Weg durch den Stadtpark oder der Angstraum Unterführung. Gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit können solche Orte in Menschen ein sehr unbehagliches Gefühl auslösen. Im Facebook-Beitrag der jungen Frau wurde deutlich, dass sie Angst hat – ein Gefühl, das viele in den Kommentaren nachvollziehen können.

Was aber tun, wenn sich ein Unbekannter an unsere Fersen heftet, sich ungewollt nähert oder gar angreift? Michael Klein, Pressesprecher der Polizei Olpe, empfiehlt einige Maßnahmen, mit denen sich Menschen selbst schützen können. Generell rät er, Personen, mit denen es Ärger geben könnte, aus dem Weg zu gehen. Es könne helfen, andere Menschen anzusprechen, die sich in der Nähe aufhalten, und diese miteinzubeziehen, um nicht allein zu sein. Ein (vorgetäuschtes) Telefongespräch könne eine ähnlich abschreckende Wirkung auf einen möglichen Angreifer haben.

Notrufnummer 110 wählen

Sein Ratschlag für den dunklen, abgelegenen Heimweg: Eine Nummer vorwählen und das Handy entsperrt und griffbereit haben. Handy oder Schlüsselbund seien zur Verteidigung besser geeignet als Pfefferspray. Wenn das alles nicht hilft, sei der nächste Schritt der Anruf bei der Polizei. Spätestens, wenn ein Verfolger aufdringlich werde und verbale Aufforderungen missachte, solle die Notrufnummer 110 gewählt werden.

Auch interessant
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik