Beschäftigung

Warum es immer mehr ältere Arbeitnehmer im Kreis Olpe gibt

Voller Einsatz an der Werkbank: Im Kreis Olpe ist die Zahl der über 65-jährigen Erwerbstätigen innerhalb von zwei Jahren deutlich gestiegen.

Voller Einsatz an der Werkbank: Im Kreis Olpe ist die Zahl der über 65-jährigen Erwerbstätigen innerhalb von zwei Jahren deutlich gestiegen.

Foto: dpa

Olpe.   Im Kreis Olpe ist die Zahl der über 65-jährigen Erwerbstätigen in zwei Jahren um 32 Prozent gestiegen. Arbeitsagentur will Gründe herausfinden.

Altersarmut oder Fachkräftemangel: Im Kreis Olpe ist die Zahl der älteren Arbeitnehmer innerhalb von zwei Jahren kräftig gestiegen – und zwar um 32 Prozent. Das geht aus Zahlen der Arbeitsagentur hervor, die die Krankenkasse IKK classic Westfalen-Lippe ausgewertet hat. Die Arbeitsagentur Siegen kündigt jetzt an, dem Phänomen im Kreisgebiet auf den Grund gehen zu wollen.

Nach der Auswertung der IKK ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten über 65 Jahren von September 2015 bis September 2017 von 410 auf 542 gestiegen. Das ist ein Anstieg um 32,2 Prozent. Auch bessern offenbar immer mehr über 65-Jährige ihre Einkommenssituation durch eine geringfügig entlohnte Tätigkeit auf. Die Anzahl der Minijobber, also der Beschäftigten mit einem monatlichen Entgelt bis maximal 450 Euro, ist im gleichen Zeitraum um fast 20 Prozent (von 1906 auf 2286) gestiegen. Soweit die nackten Zahlen, die sich aus der Arbeitsmarktstatistik der Agentur für Arbeit ergeben.

Über dem Durchschnitt

Mit diesen Steigerungsraten von 32 und 20 Prozent „liegt der Kreis Olpe über dem Durchschnitt von Südwestfalen“, stellt Stefanie Weier, Sprecherin der IKK classic Westfalen-Lippe, auf unsere Nachfrage fest. Soll heißen: Im Kreisgebiet ist die Zunahme bei den Lebensälteren, die weiter einer Beschäftigung nachgehen, besonders hoch. Südwestfalenweit – ohne den Kreis Soest – liegt die Steigerung bei den Arbeitnehmern über 65 bei 25 Prozent, am geringsten ist der Zuwachs im Kreis Siegen mit gerade 19 Prozent. Bei den Minijobbern liegt südwestfalenweit das Plus mit elf Prozent sogar nur bei der Hälfte des Olper Werts.

Eine Begründung für die starke Zunahme ausgerechnet im Kreis Olpe kann die Krankenkasse nicht liefern. Stefanie Weier: „Die Beschäftigungsstatistik liefert keine Gründe“. Die Sprecherin zählt aus ihrer Sicht zwei wahrscheinliche Gründe für das Weiterarbeiten im Alter auf: „Es gibt diejenigen, die sich weiter etwas dazuverdienen wollen oder müssen, und diejenigen, die gerne weiterarbeiten möchten.“ Weier verweist dabei darauf, dass den Unternehmen beide Trends durchaus entgegen kommen, Stichwort: Fachkräftemangel. „Geburtenstarke Jahrgänge scheiden aus dem Arbeitsleben aus. Dadurch geht auch Fachkompetenz verloren“.

„Über die Gründe kann bisher tatsächlich nur spekuliert werden“, sagt auch Nina Appel, Sprecherin der für den Kreis Olpe zuständigen Agentur für Arbeit in Siegen, denn: „Die Gründe werden von uns nicht abgefragt und auch von den Arbeitnehmern ja nicht genannt“. Auch sie sieht aber im Wesentlichen die zwei Erklärungsansätze: Diejenigen, die hinzuverdienen wollen, und diejenigen, die aus freien Stücken weiterarbeiten.

In den Prozess einsteigen

Bisher habe die Arbeitsagentur die Steigerung lediglich zur Kenntnis nehmen können; noch in diesem Jahr soll aber versucht werden, den Gründen zumindest auf die Spur zu kommen. Die Arbeitsagentur habe dazu bereits Gespräche sowohl mit den Gewerkschaften als auch mit dem Arbeitgeberverband geführt. Letzterer soll jetzt helfen, eine Erklärung zu finden. Soll heißen: Die Behörde möchte über die Arbeitgeber versuchen, die Motive der über 65-Jährigen, die weiterarbeiten, herauszufiltern. Im Laufe dieses Jahres noch will die Siegener Agentur in diesen Prozess einsteigen. Damit ist der Weg weitgehend festgelegt. Das Ergebnis sei vollkommen offen, so Agentursprecherin Nina Appel.

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