Zaun-Seminar

Was tun gegen den Wolf? Nutztierhalter in der Region besorgt

Herdenschutzberatung in Schönau: Wie kann ich meine Herde schützen? Wie sieht ein mobiler Herdenschutzzaun aus und wieviel wiegt er, waren Fragen bei der Informationsveranstaltung in Sachen Wolf, Herdenschutz-Zaunbau und Fördermaßnahmen.

Herdenschutzberatung in Schönau: Wie kann ich meine Herde schützen? Wie sieht ein mobiler Herdenschutzzaun aus und wieviel wiegt er, waren Fragen bei der Informationsveranstaltung in Sachen Wolf, Herdenschutz-Zaunbau und Fördermaßnahmen.

Foto: Birgit Engel / WP

Kreis Olpe/Schönau.  Die Landesregierung hat die Wolf-Pufferzone ausgedrehnt. Die Besorgnis bei Nutztierhaltern in der Region Sauer- und Siegerland ist groß.

Paulina ist drei Wochen alt. Sie ist ein kleines Walliser Schwarznasenschafsbaby aus der Herde von Hildegunde und Meinolf Jung in Schönau. Vor fünf Jahren haben die beiden begonnen, die Rasse mit den korkenzieherförmigen Hörnern zu züchten. Jetzt macht ihnen der Wolf große Sorgen. Seit die Landesregierung die sogenannte Wolf-Pufferzone auf den Kreis Olpe respektive die Gemeinde Wenden ausgedehnt hat, kommt das Thema immer näher. Wie kann die Herde effektiv geschützt werden? Welche Förderungen sind möglich, wie vermeide ich Erfahrungen sprechen andere Formfehler in der Antragsstellung und wie hoch ist die Entschädigung im Falle eines Wolfsrisses?

Entschädigung 450 Euro

„Wir präsentieren dem Wolf das Futter auf dem Teller“, sagt Hildegunde Jung. „Ich würde gerne glauben, dass alles gut wird. Die Berichte und Erfahrungen aus anderen Regionen erzählen aber leider etwas anderes.“ Abgesehen davon, dass sie ganz einfach Angst um ihre ‚knuddeligen‘ Tiere hat, steht auch der Kostenfaktor im Raum.

Ein Schaf wie Paulina bringt als Jungtier 450 Euro. Eine Entschädigung würde in jedem Fall geringer ausfallen. Sie erfolgt nämlich pauschal nach Schätzung und analog zur Blauzungenkrankheit.

Mehr als 30 Interessierte vor Ort

Am Samstag fand in der Scheune von Hildegunde und Meinolf Jung auf Einladung des Kreisverbandes der Schafhalter Siegerland und Umgebung eine Informationsveranstaltung in Sachen Herdenschutz-Zaunbau und Fördermaßnahmen statt.

Der Verband hat 80 Mitglieder mit insgesamt 1300 Schafen in Nebenerwerbshaltung. Mehr als 30 Interessierte sowie ein halbes Dutzend weiterer Gehegewildbetreiber waren nach Schönau gekommen.

Entwicklung in Südtirol

Einer von ihnen ist Stefan Lepke aus Elben, Damwildhalter und im Vorstand des Verbandes der landwirtschaftlichen Gehegewildhalter NRW. „Schön, dass Fördermaßnahmen laufen. Aber das Problem löst sich so nicht überall“, sagt Stefan Lepke und spricht von den aktuellsten Entwicklungen in Südtirol, das, wie er sagt, unserer Region vier Jahre voraus ist. „Wolf und Bär können nun durch politische Einsicht entnommen werden“, verweist er auf die jüngste Bestätigung des zuständigen Verfassungsgerichts zur Rechtmäßigkeit der „Vorsorge- und Entnahmemaßnahmen bei Großraubwild“.

Sachlichkeit schwierig

Oliver Schneider, Vorsitzender der Kreisverbandes der Schafhalter Siegerland und Umgebung, bemüht sich um eine einvernehmliche Gangart. „Uns geht es um Mithilfe und wir möchten aktiv unterstützen und mitarbeiten, um Schaden abzuwenden“, sieht er den Wolf an und für sich als „ein vom Aussterben bedrohtes Tier mit Anspruch darauf, erhalten zu werden.“

Was ihn umtreibt ist, dass ein sachlicher und fairer Umgang kaum möglich ist. „Man wirft uns vor, dass wir einseitig gegen den Wolf vorgehen. Das stimmt nicht“, wünscht er sich unter anderem eine rechtssichere und wirkungsvolle Strategie zur Entnahme von Problemwölfen. In Schweden beispielsweise, so Oliver Schneider, habe man eine Obergrenze für Wolfspopulationen eingeführt. Ebenso müsse die Weidetierhaltung für den Erhalt und die Entwicklung einzigartiger Naturlandschaften wie die Trupbacher Heide Eingang in eine offene und ehrliche Diskussion finden. „Solche Naturschutzprogramme, wo Schafe ihren Dienst tun, sind politisch und gesellschaftlich gewünscht. Was ist jetzt wichtiger? Hier gibt es immense Zielkonflikte.

Wolfsmanagement gefordert

Wolfsmanagement ist also das Stichwort. Denn die Wolfspopulationen in Deutschland wachsen. Dem Westfälisch-Lippischen sowie dem Rheinischen Landwirtschaftsverband zufolge um jährlich 30 Prozent. Seit Jahren nehmen die Nutztierrisse zu. In Norddeutschland sind seit 2015 bei 500 Übergriffen mehr als 1300 Tiere getötet worden. In NRW wurden im vergangenen Jahr 50 Nutztiere gerissen.

Jede Menge Informationen

Das Seminar in der Scheune der Familie Jung leitete Moritz Specht, Schafberater der Landwirtschaftskammer NRW, Sohn des bekannten Schwarzkopf-Herdbuchzüchters aus Hünxe und gelernter Tierwirt. Er hatte jede Menge Informationen zu Fördermaßnahmen und einen sicheren mobilen und stationären Zaunbau, sprach über Elektronetze, Breitbandlitzen, Doppeleinzäunungen, Plus-Minus-Systeme, Untergrabeschutz, 3-D-Lösungen, Abwehrlichter, Lappenzäune und auch Herdenschutzhunde als zusätzliche Maßnahmen für Herden ab 100 Tieren. Sie sind nachweislich bester Schutz vor Übergriffen, indes kostenintensiv und auch anspruchsvoll. Letzteres nicht nur für den Halter, insbesondere auch in Bezug auf Spaziergänger, Touristen und Passanten, die sich aus Unwissenheit nicht korrekt verhalten und schlimmstenfalls in eine Herde eindringen. Und sei es nur, um ein Schäfchen zu streicheln. „Das ist ein Menschenproblem“, so Moritz Specht.

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