Biggesee

Weiße Flotte bezieht Winterquartier in Waldenburger Bucht

Der historische Wasser-Tiefstand der Bigge fordert von der Personen-Schifffahrt ungewöhnliche Reaktionen. Die beiden Motorschiffe Westfalen und Bigge mussten notgedrungen ihren üblichen Hafen in Sondern verlassen, um nicht auf Grund zu laufen und das Winterquartier in der Waldenburger Bucht beziehen. „Dort", so Wolfgang Keseberg (rechts), Geschäftsführer der Personenschifffahrt, „ist eine der tiefsten Stellen im See.“ Mit im Bild die Kapitäne Bernd Stumpf (li.) und Carsten Fink.

Der historische Wasser-Tiefstand der Bigge fordert von der Personen-Schifffahrt ungewöhnliche Reaktionen. Die beiden Motorschiffe Westfalen und Bigge mussten notgedrungen ihren üblichen Hafen in Sondern verlassen, um nicht auf Grund zu laufen und das Winterquartier in der Waldenburger Bucht beziehen. „Dort", so Wolfgang Keseberg (rechts), Geschäftsführer der Personenschifffahrt, „ist eine der tiefsten Stellen im See.“ Mit im Bild die Kapitäne Bernd Stumpf (li.) und Carsten Fink.

Foto: Josef Schmidt

Sondern/Attendorn.   Der niedrige Wasserstand des Biggesees zwingt die Personenschifffahrt zu einer ungewöhnlichen Maßnahme.

Spaziergänger rund um Sondern dürften sich dieser Tage die Augen reiben, wenn sie am Biggesee entlang marschieren: Die Weiße Flotte, das Wahrzeichen der Region, ist weg. Was zum Glück nicht ganz der Wahrheit entspricht. Denn die Motorschiffe Westfalen und Bigge sind nicht spurlos verschwunden, sondern haben ihr Winterquartier andernorts bezogen. In der Waldenburger Bucht in Attendorn. „Der extrem niedrige Wasserstand hat uns gezwungen, zu reagieren, wenn die Wasserlinie noch mehr absinkt, laufen wir auf Grund“, sagt Wolfgang Keseberg, Geschäftsführer und langjähriger Kapitän der Personen-Schifffahrt.

Das Sonderner Urgestein blickt an diesem Morgen auch mit etwas Wehmut in seine eigene Vergangenheit. Wir fahren ein Stück den Biggerandweg Richtung Attendorn und haben freie Sicht Richtung Sondern: „Das steht normalerweise alles unter Wasser, die kleine Brücke haben die Landwirte von Weikenohl und Sondern früher genutzt, um zu ihren Wiesen zu kommen, links sind noch einige Treppenstufen zu sehen, zu der Schule, an der ich Lesen und Schreiben gelernt habe.“ Die Treppenstufen sind tatsächlich noch sichtbar, die Schule nur noch auf alten Fotografien, von denen Keseberg unzählige besitzt.

Das letzte Mal 1976

Unser Blick schweift nach rechts, zur kleinen Hafenanlage unterhalb der Verwaltung der Personenschifffahrt und des Wohnhauses der Kesebergs: „Da liegt die Flotte normalerweise, auch im Winter.“ Etwas weiter links ist die Anlegestelle zu sehen, an der die Motorschiffe ihre Gäste vom Frühjahr bis zum Herbst aufnehmen.

Einen derart niedrigen Wasserstand, grübelt Keseberg nach, habe es 1976 zum letzten Mal gegeben: „Da hatte die Bigge noch weniger Wasser, und wir sind mit den Schiffen nach Hohenhagen ausgewichen.“ Jetzt sei man nach Rücksprache mit dem Ruhrverband und dem Yacht- und Ruderclub Attendorn auf Nummer sicher gegangen und habe den etwa zehn Kilometer langen „Seeweg“ Richtung Staumauer auf sich genommen, in die Waldenburger Bucht. Keseberg: „Im Bereich der Waldenburger Bucht befindet sich die tiefste Stelle des Sees. Ich schätze, momentan haben die Schiffe etwa 30 Meter unterm Kiel.“

Auf die Frage, wie denn der Steg zwischen den Schiffen nach Waldenburg gekommen sei, grinst Keseberg: „Den haben wir mit der MS Bigge seitwärts einfach mitgenommen. Wenn man langsam fährt, geht das.“ Als wir im Attendorner Exil der Schifffahrt eintreffen, sind die beiden Kapitäne, Bernd Stumpf und Carsten Fink, gerade an einem ausgebauten Getriebe der Steganlage zu Gange: „Das ist hin, muss in die Werkstatt“, sind sich die drei Binnenschiffer einig.

Bei der Frage, was passiere, wenn sich die Trockenperiode bis ins Frühjahr hinziehe, beantwortet Keseberg mit Humor: „Wir haben ja ein bisschen mehr Zeit, auf die großen Niederschläge zu warten als sonst: Ostern, wenn wir gewöhnlich in die Saison starten, ist ja spät . . . .

Humorvoll nimmt auch Dietmar Harsveldt, Besitzer des Strandbades am Sonderner Kopf, die ungewöhnliche Trockenperiode zur Kenntnis: „Ich mach’ aus dem abschüssigen Ufer demnächst eine Skiabfahrt, wenn das so weitergeht“, scherzt er. Der niedrige Wasserpegel hat ihn gezwungen, seine normalerweise auf dem Wasser schwimmende hellblaue Badeinsel in zwei Teile zu teilen: „Etwa ein Drittel ist im Wasser geblieben, damit wir den Sprungturm nicht abbauen mussten.“

Der größere Teil der Kunststoffwürfel muss an Land überwintern, dazwischen ragen die Stahlträger in die Höhe, die einmal eine große Seebühne tragen sollen. Schaden nehme die Badeinsel ohne das Wasser nicht: „Da kann ein Panzer drüber fahren.“

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