Zirkus

Wenden: In der Manege von Circus Trumpf geht es wieder rund

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Der Circus Trumpf gastiert in diesen Tagen in Wenden. Unser Foto zeigt (v.l.) Nancy, Adelina, Julienne, Marcel, Adelina und Leon.

Der Circus Trumpf gastiert in diesen Tagen in Wenden. Unser Foto zeigt (v.l.) Nancy, Adelina, Julienne, Marcel, Adelina und Leon.

Foto: Birgit Engel

Kreis Olpe/Wenden.  Die Sehnsucht nach dem Publikum ist groß. Die Familie Trumpf ist in Wenden bestens bekannt.

„Zirkus, das ist wie eine Liebesgeschichte“, sagt Nancy Trumpf (26) vom Circus Trumpf. Sie sitzt vor ihrem Wohnwagen an einem kleinen Tisch. Aus Kunststoff. Wie die Stühle. Gut stapelbar, gut transportierbar. Vor ein paar Tagen hat ihre Familie ihre Zelte auf der Tierschauwiese in Wenden aufgeschlagen. Endlich! Nach langer coronabedingter Pause sind Vorstellungen wieder möglich. Die Zeiten der Einschränkungen hat man im eigentlichen Winterquartier in Freudenberg verbracht. „Es war ein harter Kampf. Aber wir haben viel Rückhalt und Unterstützung seitens der Bevölkerung erlebt. Dafür sind wir sehr dankbar.“

Vor mehr als 300 Jahren und acht Generationen begann in Berlin die Geschichte des Circus Trumpf. Aus dem einst großen Familienbetrieb wurden im Laufe der Zeit mehrere kleine. Insgesamt fünf Circusse Trumpf touren heute durch Deutschland. „Die Aufspaltung kam dadurch, dass durch immer mehr Bebauung immer weniger große Plätze zur Verfügung standen“, so Marcel Trumpf (27), dessen Oma noch Bären und Affen dressierte.

Keine Großtiere

Großtiere gehören heute längst der Vergangenheit an. Zu den Trumpfs, die gegenwärtig in Wenden sind, gehören Shetlandponys, Alpakas, Ziegen und Hunde. Die Familie besteht aus elf Erwachsenen und fünf Kindern. Alle arbeiten mit – in einem Zirkus gibt es jede Menge zu tun, das ist gut vorstellbar – und die meisten treten in der Manege auf. So wie Adrian (3), der jüngste Trumpf-Clown. Oder die vierjährige Adelina, die Kunststücke mit ihren Hula-Hoop-Reifen zeigt und auf der Hand ihres Opas balanciert. Auch ihre Cousine Julienne (13) ist Bewegungskünstlerin und zeigt vor allem Seiltanz und Luftakrobatik. Und Leon (13) ist in Diabolo unglaublich großartig.

Lampenfieber, das kennen sie alle nicht. „Wir sind richtig froh, wieder auftreten zu können“, freuen sie sich auf die Premiere in Wenden, wo die Familie seit vielen Jahren immer wieder gastiert. Jede Menge Freunde haben sie hier auch gefunden.

„Nachmittags, nach der Schule, haben wir hier viele kleine Besucher. Sie kommen gerne zu uns und vergessen darüber auch mal ihre Hausaufgaben“, lächelt Marcel Trumpf, der als Fakir und Clown auftritt und zudem Stuhlakrobatik präsentiert. Er selbst ist als Kind in die Schulen der jeweiligen Auftrittsorte des Zirkusses gegangen. „Ein kontinuierliches Lernen war kaum möglich. Man wurde immer wieder aus dem Stoff rausgerissen. Ich habe wohl mehr Kunststücke gezeigt als gelernt“, ist er froh, dass es heute eine Zirkusschule gibt. Seit mehr als 25 Jahren bietet die in Trägerschaft der Evangelischen Kirche Rheinland stehende Schule mit ihren rollenden Klassenzimmern Kindern von Zirkus- und Schaustellerfamilien die Möglichkeit eines verlässlichen Schulbesuchs. Drei Unterrichtstage gibt es jeweils vor Ort, ergänzt durch Onlinelernen sowie selbstorganisiertes Arbeiten.

Zusammenhalt ist riesig

„In ein Leben als Zirkuskünstler wird man hineingeboren“, sagt Nancy Trumpf und erzählt von der Sehnsucht nach Publikum. Von dem Wunsch, Abwechslung vom Alltag zu bieten. Von dem Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit. Und von der großen Verbundenheit in der großen Familie Trumpf. „Auch wenn wir in alle Richtungen verstreut sind, der Zusammenhalt ist riesig. Im Zirkus lernt man anders zu lieben, jeder ist für jeden da.“ Nach vorne schauen, sich von Corona nicht unterkriegen lassen, auch im Nachgang – das ist die Devise der Zirkusfamilie. Trotz der vielen Schwierigkeiten, die es immer noch gibt und immer mehr gibt. Mit und ohne das Virus.

So verlor man das Winterquartier oberhalb des Bethesda-Krankenhauses in Freudenberg. Dort wird nun gebaut. Noch hat man keine neue Bleibe für die kommende kalte Jahreszeit. Und auch die Auftrittsorte der Saison sind noch nicht in trockenen Tüchern. Rund 1.000 Quadratmeter braucht der Zirkus. Ein Drahtseilakt, Plätze in dieser Größenordnung zu finden. „Wir haben dazu mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Dadurch wird auch das Aufhängen von Werbeplakaten in Geschäften immer schwieriger“, so Nancy Trumpf.

Sie erinnert sich noch gut daran, als sich einmal die Tierrechtsorganisation PETA vor dem Zirkuszelt positionierte. „Unsere Haltung ist einwandfrei. Unsere Tiere sind viel draußen und haben ausreichend Platz. Und immer ist jemand da. Anderen Tieren geht es da sehr viel schlechter. Wie viele Hunde sind wohl viele Stunden allein in einer kleinen Wohnung und bekommen nur wenig Auslauf.“

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Ein anderes Leben und einen festen Wohnsitz? Das bunte Zirkusleben aufgeben? Das können sich die Trumpfs nicht vorstellen. „Wenn man aufgibt, was man liebt, dann braucht man gar nicht mehr weitermachen auf dieser Welt“, sagt Nancy Trumpf.

Premiere am Donnerstag

Vorstellungen auf dem Festplatz in Wenden sind von Donnerstag, 12. Mai, bis Sonntag, 22. Mai. Donnerstags, freitags und samstags um 16 Uhr. Sonntag, 15. Mai, um 14 Uhr. Sonntag, 22. Mai, um 11 Uhr. Montags, dienstags und mittwochs ist Ruhetag.

Donnerstags ist Familientag. Erwachsene zahlen Kinderpreise.

Zum vielfältigen Programm gehören auch Elsa & Olaf aus Disneys Eiskönigin.

Es gibt Popcorn, Zuckerwatte, Lollies und alles, was das süße Herz begehrt. Das Zelt ist beheizt.

Weitere Infos: www.circustrumpf.net. Infotelefon: 0151 564 484 31.

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