Ausstellung

Wendener Hütte zeigt Fotografien aus Südwestfalen

Museumsdirektorin Monika Löcken und Chefredakteur Jost Lübben in der Ausstellung.

Museumsdirektorin Monika Löcken und Chefredakteur Jost Lübben in der Ausstellung.

Foto: Ralf Rottmann

Wenden.   Das Fotoprojekt „Die andere Sicht“ ist in der Wendener Hütte zu sehen. Wie internationale Fotostudenten die Region Südwestfalen sehen

Die Wendener Hütte ist ein Denkmal für den Wandel, die Veränderung: einst Landmarke des industriellen Fortschritts, heute Museum. „Es handelt sich um die älteste in situ erhaltene Hütte im Nordwesten“, so Museumsdirektorin Monika Löcken. Nun wird das technische Kulturdenkmal zum Kunstort für eine fotografische Spurensuche zur Zukunft der Region Südwestfalen. Im Rohstoffmagazin wird am Sonntag die Ausstellung „Die andere Sicht“ eröffnet.

Strukturwandel in der Region

Zehn Studierende des mehrfach ausgezeichneten Fotografen Prof. Peter Bialobrzeski von der Hochschule Bremen sind im Herbst 2016 auf Einladung der Westfalenpost eine Woche lang in verschiedenen Städten und Gemeinden Südwestfalens auf Foto-Expedition gegangen. Ihr Anliegen war es, den Strukturwandel in einer Region zu erforschen, die einerseits wirtschaftsstark und landschaftlich reizvoll ist, die aber andererseits Gefahr läuft, ihre jungen Leute durch Abwanderung zu verlieren.

Ricardo Nunes fotografiert marode Brücken in Hagen für #MehralsnurWP

Großformatig auf Spezialfolie aufgezogen, verbinden sich die Fotografien mit dem historischen Bruchsteinmauerwerk in der Wendener Hütte nun zu einer faszinierenden Rauminstallation. In diesem Spannungsfeld lässt sich erkunden, wie die jungen Fotografen Stauseen, Brückenwerken, Bergbaurelikten und Schützenhallen begegnet sind. Ausdrücklich keine Postkartenfotografien sollten es werden. Doch das war nicht so einfach. Die überwältigende Natur hat auch die internationalen Studierenden so in ihren Bann geschlagen, dass sie sich der Wirkung kaum entziehen konnten.

Aus Indien nach Neu-Listernohl

Für Avani Tanya war der Weg besonders weit. Die Inderin ist in den Millionenstädten ihrer Heimat aufgewachsen. Kultur und Identität sind wichtige Themen ihrer Arbeit. Sie hat sich Neu-Listernohl als Ort ihrer Recherche ausgesucht, das Dorf, das für den Bau der Biggetalsperre umgesiedelt werden musste. Die menschenleere Weite der Landschaft war für Avani Tanya fast schon erschreckend ungewohnt, die Offenheit, mit der die Neu-Listernohler ihr begegnet sind, hat sie tief beeindruckt.

Neue Sichtweisen entstehen auch durch die Erkenntnis, dass vermeintliche Naturwunder menschengemacht sind. Die bildschönen Seen wurden künstlich angelegt, es handelt sich um technische Meisterleistungen, sie dienen der Stromerzeugung und der Wasserversorgung. Und die alten Stolleneingänge, die so überwachsen aussehen als wären sie Behausungen für Tolkiens Hobbits stellen Spuren der Montanvergangenheit einer industriellen Region dar. „Wir tun immer so, als ob bei uns alles Natur wäre, aber Südwestfalen ist ein uralter Wirtschaftsraum“, so Monika Löcken. Dadurch schließt sich der Kreis zum Ausstellungsort, dem Museum Wendener Hütte.

Notwendige Reibung

Fotoausstellung "Die andere Sicht"

WP-Chefredakteur Dr. Jost Lübben hat das Projekt initiiert. „Alt, Neu, Tradition, Moderne, Land, Stadt. Diese scheinbaren Gegensätze sind Kernthemen für die Zukunft der Region. Mit der Ausstellung holen wir uns neue Perspektiven für unsere Fragen: Woher kommt die Region und wo geht sie hin?“ Die Bilder regen zur Diskussion an, manche rufen Widerspruch hervor, sie lassen aber auch Liebe auf den zweiten Blick erkennen. Die Reibung, die so entsteht, ist notwendig. Jost Lübben: „Wenn man wissen will, wo man hin will, muss man wissen, wo man herkommt. Die Wendener Hütte ist ein wunderbarerer Ort für die Ausstellung, weil sie die für Südwestfalen so typische Verbindung von Industrie, Kulturlandschaft und Natur spiegelt.“

Internationales Aufsehen

Die Fotografen haben ihrerseits mit „Die andere Sicht“ bereits internationales Aufsehen erregt. Marvin Systermans hat es mit seiner Serie „Glaube, Sitte, Heimat“ auf die Shortlist des größten Fotowettbewerbs der Welt geschafft, den Sony World Photography Award 2017, und zwar unter 227.000 eingereichten Fotos. Ricardo Nunes ist in das Programm von „Gute Aussichten - junge deutsche Fotografie“ aufgenommen worden, einem der bedeutendsten Wettbewerbe für Absolventen im Bereich Fotografie.

„Die andere Sicht“ war bereits im Osthaus-Museum Hagen zu sehen. Die Wendener Hütte ist als Ausstellungsort kongenial, weil hier die Räume selbst in einen Dialog treten mit der Fotografie.

Die Ausstellung ist vom 31. März bis 31. Oktober zu sehen. www.museum-wendener-huette.de

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