Oldtimer-Rallye

2. Sauerland-Klassik: Wenn die Zeit zurückgedreht wird

2. Sauerland-Klassik rund um Attendorn

Die 2. Sauerland Klassik führt 128 Teams in fünf Etappen auf 620 Kilometern durch das "Land der 1000 Berge". Ausgangspunkt der Oldtimer-Rallye ist Attendorn. Video: Olaf Fuhrmann und Daniel Helbig
Fr, 06.10.2017, 12.43 Uhr

2. Sauerland-Klassik rund um Attendorn

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Attendorn.   Start der 2. Sauerland Klassik in Attendorn. Oldtimer aus der Vorkriegszeit sind der Blickfang. 128 Teams bestreiten die Rallye im Land der 1000 Berge.

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Bilderbuchwetter. Für englische Autos. Es gießt wie aus Eimern. Den Vorteil will Michael Karau aus Steinfurt nutzen. Der Unternehmer fährt einen Standard Eight, Baujahr 1954, 26 PS. „Es war damals das Brot-und-Butter-Auto. Dieser Wagen braucht dieses schlechte Wetter und den Rückenwind. So kommt er so richtig auf Touren.“

Herz schlägt für Oldtimer

Mit dem Oldtimer hat der 55-Jährige den britischen Humor importiert. Wann er seine Liebe zu dem alten Schätzchen entdeckt hat? „Als Kind. Ich hatte einen Jaguar E von Matchbox. Seitdem schlägt mein Herz für alte Autos.“ Nicht nur seins pulsiert schneller.

Beim Start der 2. Sauerland Klassik am Alten Markt in Attendorn tanken Zuschauer Autogeschichte. Volle Pulle. Und die Augen der Teilnehmer strahlen, wenn sie über ihre Vehikel sprechen.

Berge sind eine leichte Übung

Zum Beispiel Paul Sanders und sein Sohn Tom aus dem englischen Wellington. Der 56-Jährige und der 27-Jährige zwängen sich in einen auf 27 PS frisierten schwarzen Austin Seven Ulster aus dem Jahr 1930. Unglaublich: Sie fahren offen. Freude darüber hört sich anders an. „Es ist verdammt nass und kalt“, klagt der Senior.

Paul Sanders bei der 2. Sauerland-Klassik

Der Brite Paul Sanders und sein Sohn Tom starten im Austin Seven Ulster von 1930 bei der 2. Sauerland-Klassik in Attendorn. Video: Hartwig Sellmann
Paul Sanders bei der 2. Sauerland-Klassik

Er hat vor 35 Jahren eine Lehre als Werkzeugmacher bei Kostal in Lüdenscheid gemacht. „Mein Vater hat mich nach Deutschland geschickt. Ich sollte was lernen.“ Hat er. Heute ist er Fertigungsingenieur und schraubt mit Leidenschaft an seiner Kiste. Die Berge sieht er nicht als Hindernis., vielmehr als leichte Übung: „Sie sind geschwungen, zum Glück nicht steil.“

Betagte Modelle wie dieses sind es, die mit knatternden Motoren die Blicke auf sich ziehen. Je oller, desto doller. „Meine Zeit ist die Vorkriegszeit“, gibt Alexander Haller aus Berlin zu. Er fährt einen Riley 12/4 Special, gebaut 1936. Als Betreiber einer Oldtimer-Werkstatt hat er die üblichen 51 PS. auf „70 bis 80 PS gesteigert“. Mit seiner Freundin Lisa Senger scheut er den Regen nicht. Das Pärchen fährt oben ohne. Sie: „Ich genieße die Nähe zur Natur.“ Warum sie das mitmacht, dick eingepackt in Motorrad-Kombi durch das Sauerland? Die Antwort lässt keine Frage offen: „Aus Liebe zu ihm.“

Segen schadet nicht

Dass sieht bei den Kabarettisten Urban Priol und Jochen Malmsheimer anders aus. Sie lieben sich nicht, sie genießen es mit einem Land Rover Serie 1, Baujahr 1952, übers Land zu fahren. Zu viel Wasser von oben? Malmsheimer: „Nicht schlimm. Das ist Gärtnernebel.“ Priol fährt: „Es beruhigt mich. Ich rege mich ja so schnell auf.“ Worüber heute schon? „Die Rangelei darüber, wer wo wie im Bundestag sitzt. Die FDP will nicht neben der AfD sitzen, sie ist eine Partei der Mitte. So nimmt der Blödsinn seinen Lauf.“

Urban Priol und Jochen Malmsheimer bei der Sauerland-Klassik

Die Kabarettisten Urban Priol und Jochen Malmsheimer fahren bei der 2. Sauerland-Klassik mit einem Jaguar Land Rover Serie 1 durch das Land der 1000 Berge. Sie haben Spaß an Oldtimer-Rallyes. Video: Hartwig Sellmann
Urban Priol und Jochen Malmsheimer bei der Sauerland-Klassik

Und die 2. Sauerland-Klassik nimmt bei allen Wetterunbillen ohne Verspätung Fahrt auf. Mit Gottes Segen. Christof Grote, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde: „Segen schadet nicht, Segen tut gut.“ Wohl gestimmt geht es auf den 130 Kilometer langen Prolog. Der Autor dieser Zeilen fährt auf der Rückbank eines wüstengelben Range Rover, Baujahr 1979, mit. Und er lernt schnell.

WP steht nicht für diese Zeitung, sondern für Wertprüfungen, die anstehen. Am Steuer sitzt Till Beckmann (49) aus Essen, Beifahrer ist Michael Bock (47) aus Attendorn. Sie fachsimpeln: Das Getriebe gibt gutes Feedback, bei 140 km/h fallen die Ohren ab, von einer günstigen Anschaffung ist dieser Wagentyp weit entfernt. Zwischendrin zeigt das Duo, was es kann. Es wird zwischen Lichtschranken gebremst, geschlichen, beschleunigt. Gebt Gas. Es macht Spaß!

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