Lennestadt.

Wenn Magerwiesen Ökostrom in Lennestadt abschalten

Bretonische Zwergschafe werden vielerorts als biologische Rasenmäher in den Solarparks eingestzt.

Foto: IBC

Bretonische Zwergschafe werden vielerorts als biologische Rasenmäher in den Solarparks eingestzt. Foto: IBC

Lennestadt.   Landesbehörde für Natur- und Umweltschutz lehnt Bau einer Solaranlage auf dem früheren Gelände der Sauerlandkaserne ab. Gefahr für Artenreichtum.

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Die Welt wandelt sich zum Guten. Nicht überall, aber es gibt Lichtblicke. Klingt interessant, ist es auch. Das Gelände der ehemalige Sauerlandkaserne in Lennestadt-Oedingen im Kreis Olpe ist einer davon.

Früher war hier die Einheit einer Luftwaffe zu Hause, bestückt mit Flugabwehrraketen vom Typ Nike-Ajax und Patriot. Heute sorgt das Gelände mit einer schützenswerten Magerwiese für Gesprächsstoff. Das kostbare Stück Natur bremst den Bau einer Photovoltaik-Anlage aus. Naturschützer kontra umweltfreundlicher Energieerzeuger. Ein denkwürdiger Streit.

Die Historie

Die Sauerlandkaserne, gebaut in Zeiten des Kalten Krieges, war von 1962 bis 2002 Stützpunkt der Luftwaffe und damit Teil des NATO-Luftverteidigungsgürtels von Norwegen bis zur Türkei. Von 1962 bis 1987 waren dort auch US-Streitkräfte untergebracht.

Nach der Aufgabe des Standortes siedelte sich vor Jahren im ehemaligen Kasernenbereich ein Holz verarbeitendes Unternehmen an. Besitzer des Areals ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben.

Seit vielen Jahren sucht sie nach einer Nutzung für das ehemalige Raketen-Abschussgelände. Es ist 16,08 Hektar groß, das sind umgerechnet 160 800 Quadratmeter.

Das Projekt

Nach Verfolgung diverser Projekte, eine Idee war früher einmal ein Camping-Platz, gibt es jetzt ein konkretes Vorhaben. Die IBC Solar AG, ihr Stammsitz ist im oberfränkischen Bad Staffelstein, möchte hier eine 10-Mega-Watt Photovoltaik-Anlage bauen. Eine Investition in Millionenhöhe.

Das Unternehmen will das Gelände für zwanzig Jahre von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben pachten. „Auch sind wir bereit, für die Schaffung von Ausgleichsflächen aufzukommen“, sagt Christina Pfeufer, Sprecherin des Unternehmens. Konkrete Zahlen, welche Summe investiert werden soll, will sie zu diesem Zeitpunkt nicht nennen.

Dass die Planung stockt, überrascht sie. An ein Scheitern in naher Zukunft glaubt sie nicht - trotz der Einwände der Naturschützer. „Früher war es ein Militärgelände mit all seinen Belastungen, in Zukunft sollen hier Solar-Panele stehen, das ist doch eine positive Entwicklung. Wir sind weiter mit allen Beteiligten im Gespräch.“

Die Anlage soll für 2375 Vier-Personen-Haushalte Strom liefern, mehr als ein Drittel der Einwohner Lennestadts wäre versorgt.

Der Naturschutz

Die Naturschützer melden Einwände an. In einer Stellungnahme des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV), die der Redaktion vorliegt, heißt es: „Insbesondere in den steileren, südlich exponierten Böschungen der Erdwälle befinden sich sehr niedrigwüchsige, artenreiche Magerweiden, die nach Paragraf 62 des Landschaftsgesetzes geschützt sind.“

Auch habe das gesamte Gebiet eine hohe Bedeutung für Schmetterlinge, Heuschrecken und Vögel. Außerdem sei es Jagdgebiet für Fledermäuse. Wörtlich: „Im Falle einer Realisierung des Vorhabens sind negative Auswirkungen auf den schutzwürdigen Magergrünlandkomplex zu erwarten.“

Die Kommune

Die Verantwortlichen in der Kommune zucken verständnislos mit den Schultern. Sie haben wenig Verständnis für die Bedenken der Naturschützer. „Diesen Irrsinn verstehe ich nicht“, sagt Bürgermeister Stefan Hundt (CDU). „Wollen wir die Energiewende, oder wollen wir sie nicht? Wir dürfen uns dabei doch nicht nur von ökologischen Betrachtungen abhängig machen.“

Auch wenn der Regionalrat Arnsberg in seiner heutigen Sitzung einer entsprechenden Änderung des Regionalplans zustimmt, dagegen spricht wenig, muss sich Lennestadt im anschließenden Bauleitplanverfahren mit dem LANUV auseinandersetzen. Hundt: „So schnell geben wir nicht auf.“

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