Polizeieinsätze

Wenn Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz bedroht werden

Polizisten während eines Einsatzes (Archiv). Die Polizei im Kreis Olpe bestätigt: Der Umgangston ist gefühlt rauer geworden.

Polizisten während eines Einsatzes (Archiv). Die Polizei im Kreis Olpe bestätigt: Der Umgangston ist gefühlt rauer geworden.

Foto: dpa (Archiv)

Kreis Olpe.   Menschen im öffentlichen Dienst werden immer wieder angegriffen: Polizisten werden beleidigt, Beschäftige des Jobcenters bis nach Hause verfolgt.

Es ist mehr als nur ein Gefühl. Der Ton in unserer Gesellschaft wird zunehmend rauer. Insbesondere die Menschen im öffentlichen Dienst bekommen das zu spüren. Polizisten werden beleidigt oder sogar angegriffen, Feuerwehrleute müssen sich am Einsatzort rechtfertigen. Und Beschäftige des Jobcenters werden sogar bis nach Hause verfolgt. Unsere Zeitung hat sich im Kreis Olpe umgehört – und teilweise Schockierendes erfahren.

Jobcenter: Zeitweise wöchentlich die Polizei im Haus gehabt

Hans-Georg Völmicke, Geschäftsführer des Jobcenters des Kreises Olpe, berichtet von teilweise schweren Vorfällen. „Wir haben Phasen gehabt, da haben wir die Polizei wöchentlich im Haus gehabt“, sagt er. „Das hat definitiv zugenommen. Von Beschimpfungen und Beleidigungen bis hin zu Bedrohungen.“

Eine Reihe von Hausverboten und Anzeigen sind die Folge. Die Mitarbeiter werden regelmäßig geschult, wie sie sich im Ernstfall verhalten müssen, werden im Nachgang betreut. Mehr noch: Die räumliche Gestaltung wurde gemäß den Sicherheitsvorschriften angepasst. Das heißt, es dürfen keine Wurfgegenstände wie Locher oder Hefter auf dem Schreibtisch stehen. Die Möbel wurden so in den Raum gestellt, dass der Fluchtweg für die Mitarbeiter nicht behindert wird. Im Kundengespräch achten Mitarbeiter darauf, dass sie im Notfall schnell den Raum verlassen können.

„Wir haben es mit einem Personenkreis zu tun, wo es um die Existenz geht“, sagt Völmicke. „Emotionen sind da ganz normal. Nur geht das manchmal zu weit. Gerade dann, wenn das Anspruchsdenken überzogen ist, kann der Ton rauer werden.“ Völmicke berichtet von einigen besonders schwerwiegenden Vorfällen. Ein Kunde hatte das Büro einer Mitarbeiterin verwüstet. Dieser Fall ging so weit, dass diese auch privat bedroht wurde, ein Familienmitglied mit reingezogen wurde. Ein anderes Mal hat ein Kunde einen Mitarbeiter an die Wand gedrückt, mit den Fingern eine Pistole simuliert. „Das bedeutet für meine Mitarbeiter natürlich schon Druck“, sagt Völmicke. „Aber ich habe eine motivierte und geschulte Mannschaft, die weiß, wie sie mit solchen Situationen umzugehen hat.“

Abschließend weist Völmicke darauf hin, dass in den meisten der mehr als 50.000 Vorsprachen in den Standorten des Jobcenters Kreis Olpe im Jahr 2018 die Gespräche in einem der Situation angemessenen Rahmen ablaufen.

Feuerwehr: Müssen uns für Einsätze rechtfertigen

Weniger dramatisch schildert Christian Hengstebeck, Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Olpe, die Situation. „Insgesamt können wir auch bestätigen, dass der Ton rauer geworden ist“, sagt er. „Aber hier in Olpe haben wir das noch nicht so kennenlernen müssen, wie man es aus Großstädten hört.“ Dennoch kann Hengstebeck einen Wandel feststellen, was den Status des Feuerwehrmannes innerhalb der Gesellschaft betrifft. Er berichtet von mangelnder Akzeptanz und Wertschätzung der Menschen. „Früher war das Wort eines Feuerwehrmannes etwas wert. Heute muss man sich für einen Einsatz sogar rechtfertigen“, sagt der Leiter. In diesem Jahr sei es mehrfach vorgekommen, dass Menschen am Einsatzort mit den Feuerwehrleuten diskutiert haben, weil sie mit ihrem Auto vorübergehend nicht die Straße passieren konnten.

So ging es bei einem kleineren Einsatz um das Leben eines Tieres, die Drehleiter kam zum Einsatz, versperrte dementsprechend die Straße. Weil der Eigentümer noch nicht zuhause war, verzögerte sich der Einsatz etwas. Einem Mann dauerte das einfach zu lange, er wurde ausfallend. „Das ging so weit, dass er am nächsten Tag noch zu mir kam und sich bei mir beschwerte“, berichtet Hengstebeck.

Gewalt gegen Feuerwehrleute kann auch Kreisbrandmeister Christoph Lütticke im Kreis Olpe nicht feststellen. Größere Vorfälle seien nicht bekannt. „Insgesamt ist eine zunehmende Verrohung der Gesellschaft festzustellen“, sagt er. „Aber bei uns hält sich das in Grenzen. Der Vorteil ist, man kennt viele Leute. Die persönliche Ansprache bringt da viel.“ Dennoch:Das Thema ist präsent. Gewaltprävention ist Teil der Aus- und Fortbildung.

Polizei: Umgangston ist gefühlt rauer geworden

Aber wie sieht es bei der Polizei aus? Die Zahl der Widerstandshandlungen(Widerstände) gegen Polizeibeamte stagnieren seit Jahren. Durchschnittlich sind es zwischen 15 und 20 Fälle im Kreis Olpe. „Nicht alle Fälle werden erfasst“, sagt Polizeihauptkommissar Michael Klein. „Jeder Polizeibeamte hat dabei eine eigene Toleranzschwelle.“ Dennoch: Insbesondere im Bereich unterhalb der Schwelle zu Straftaten sei der Umgangston gefühlt rauer geworden. Regelmäßig kommt es bei Widerstandshandlungen zu Bedrohungen, Beleidigungen – aber auch zu Tritten oder Schlägen, berichtet Klein.

In Einzelfällen wurden Beamte bespuckt oder sind nach Verletzungen für einige Tage krankgeschrieben. „Meistens haben diese Menschen Alkohol getrunken oder stehen unter dem Einfluss von Drogen“, führt Klein aus.

Ein konkreter Fall liegt nur wenige Tage zurück.. Zwei Jugendliche zogen laut grölend durch die Straße und warfen mit Böllern, berichtet Klein. Der Anordnung der Beamten nach Hause zu gehen kamen die beiden alkoholisierten jungen Leute nicht nach.

Stattdessen warfen sie weiter Böller in Richtung des Streifewagens. Als sie sich den Beamten bedrohlich näherten, setzten diese Reizgas ein und nahmen einen der Männer, der dann erheblichen Widerstand leistete, fest. Die Beamten verletzten sich dabei.

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