Arbeitswelt

Werthmann-Werkstätten setzen auf Mitspracherecht

Der Werkstattrat setzt sich für die Interessen der Beschäftigten ein. Zurzeit bereiten sich die Mitglieder mit den hauptamtlichen Mitarbeitern auf den nächsten Sozial- und Gesundheitsausschuss vor. 

Der Werkstattrat setzt sich für die Interessen der Beschäftigten ein. Zurzeit bereiten sich die Mitglieder mit den hauptamtlichen Mitarbeitern auf den nächsten Sozial- und Gesundheitsausschuss vor. 

Foto: Riem Karsoua

Attendorn.   In den Werthmann-Werkstätten sind Menschen mit Behinderung beschäftigt. Werkstattrat kümmert sich um die Anregungen und Wünsche der Beschäftigten

Das Grundstück der Werthmann-Werkstätten ist im Industriegebiet Ennest in Attendorn. Über einen großen Parkplatz gelangen Besucher sofort zum Eingangsbereich. Rechts ein Speisesaal, links die Rezeption. So wie bei den anderen Firmen im Industriegebiet auch. Hinter der Rezeption sitzt ein junger Mann im Rollstuhl, der die Besucher empfängt und anmeldet.

In den Werkstätten in den Abteilungen Attendorn, Olpe, Lennestadt und Welschen Ennest arbeiten insgesamt 620 Menschen. Was diese Menschen miteinander gemeinsam haben? Sie haben alle eine körperliche, physische oder geistige Behinderung. Arbeiten möchten und können sie trotzdem.

Rat sorgt für ein gutes Arbeitsklima

Andere Firmen haben einen Betriebsrat, sie haben einen Werkstattrat. Dieser trifft sich zweimal im Jahr mit dem Leiter der Werkstätten Andreas Mönig, um sich für die Anliegen und Wünsche der Beschäftigten einzusetzen. Auch eine Frauenbeauftragte haben die weiblichen Beschäftigten gewählt, die ebenfalls an den Sitzungen teilnimmt. Zwischen diesen Treffen stehen die Abteilungsleiter als Ansprechpartner für den Werkstattrat bereit.

Ziel des Rats ist es, für ein gutes Arbeitsklima zu sorgen. Einmal im Monat machen die Mitglieder einen Rundgang durch alle Abteilungen. „Dort werden manchmal kleinere, aber auch größere Probleme von den Beschäftigten an sie herangetragen“, erklärt Andres Mönig. Zunächst werden die Verbesserungsvorschläge an den Abteilungsleiter weitergegeben und anschließend an den Werkstätten-Leiter. „Zuletzt wurde angeregt, dass es keinen Unterstand gibt und die Raucher in ihrer Pause im Regen stehen müssen. Das soll nun geändert werden“, erklärt Mönig. Auch die Tür zum Speisesaal ist für viele Rollstuhlfahrer ziemlich schwer zu öffnen, regt Michael Hegerich aus dem Werkstattrat der Abteilung Attendorn an. „Wir werden uns um eine Lösung bemühen“, verspricht der Leiter.

Gewählt wird der Werkstattrat alle vier Jahre von den Beschäftigten. Zu ihren Aufgaben zählt vor allem die Gestaltung von Arbeitsplätzen und die Sicherung des Arbeitsschutzes. Großes Mitspracherecht haben die Ratsmitglieder auch, wenn es um die Einstellung der hauptamtlichen Mitarbeiter, die sie später betreuen werden, geht. „Bei den Bewerbungsgesprächen sind Vertreter des Rates ebenfalls dabei. Ihre Meinung zu den Fachkräften ist uns besonders wichtig“, erklärt Andreas Mönig. „Die Beschäftigten sind es nämlich, die später mit den hauptamtlichen Mitarbeiter zusammenarbeiten. Deshalb müssen sie ihnen auch vertrauen können.“

Europäischer Protesttag

Bereits in der Vergangenheit konnte der Werkstattrat einige Erfolge erzielen. Sei es der Umbau und die Gestaltung der Außenanlage, in der die Beschäftigten ihre Ideen miteinfließen lassen konnten, oder direkte Gespräche mit Politikern, wie zuletzt mit Johannes Vogel MdB in der Abteilung in Lennestadt.

Um Politik ging es auch in der letzten Ratssitzung. Vor allem ging es um ein Thema, das alle Beschäftigten direkt betrifft: Der europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung, der in Europa jedes Jahr am 5. Mai begangen wird. Am 12. Juni wollen die Ratsmitglieder ihre Anregungen vor der Sitzung des Sozial- und Gesundheitsaussschusses des Kreises Olpe vorstellen. „In einer Gesprächsrunde werden drei ausgewählte Vertreter mit den Vertrauenspersonen ihre Wünsche und Ziele den Ausschussvorsitzenden vortragen“, erklärt Mönig.

In anschließenden Gesprächsrunden sollen Beschäftigte und Politiker in ein Gespräch kommen. Dort stellen sie ihre Interessen vor, erklären die Arbeit des Werkstattrates, was und warum sie die Arbeit machen und äußern Wünsche an die Politiker, wie zum Beispiel eine Ausbildungsförderung oder einen Grundlohn. Neben dem Werkstattrat kommen auch Bewohner, Klienten und Nutzerbeiräte weiterer Einrichtungen der Behindertenhilfe im Kreis Olpe zu Wort.

Arbeiten wie in einer Firma

„Mir ist es wichtig, den Leuten da draußen zu sagen: Wir arbeiten wirklich. Das, was wir hier machen, ist richtige Arbeit“, meint Lisa Schröder vom Werkstattrat der Abteilung Olpe.

Viele würden die Arbeit, die in den Werkstätten getan wird belächeln und nicht ernst nehmen. Die Arbeit sollte jedoch nicht unterschätzt werden. In der eigenen Schreinerei und Schlosserei arbeiten die Beschäftigten eigenständig und erfüllen die Aufträge zahlreicher Firmen. „Aus diesen Erlösen dieser Arbeiten werden die Beschäftigten nach den gesetzlichen Vorgaben bezahlt“, erklärt Mönig. „Wir verpacken auch die Flyer für das Elspe-Festival. Die sind unsere größten Kunden“, so Michaela Trippe vom Werkstattrat der Abteilung eXtern. Von den 620 Beschäftigten arbeiten knapp 40 in außenstehenden Firmen. Mit ihren Anfängen in den Werthmann-Werkstätten in der Abteilung „eXtern“ wird ihnen der Weg auf den Arbeitsmarkt ermöglicht. Um auch ihren Wünschen und Anregungen gerecht zu werden, treffen sich die Mitglieder des Rates für die externen Beschäftigten mindestens drei Mal im Jahr zu einem Stammtisch.

In den Werthmann-Werkstätten läuft es eben so wie in vielen anderen Firmen auch. Mit der einzigen Besonderheit, dass jede Arbeitskraft auf ihre eigene Art eben besonders ist.

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