Gesundheit

Wie Wolfgang Meiworm aus Altenhundem mit COPD lebt

Wolfgang Meiworm lebt seit Jahren mit der Lungenkrankheit  COPD

Wolfgang Meiworm lebt seit Jahren mit der Lungenkrankheit COPD

Foto: Verena Hallermann

Altenhundem.  Der 56-Jährige erzählt, wie sein Leben mit der Lungenkrankheit aussieht. Oft braucht er im Alltag Hilfe. Selbst Kochen kann gefährlich werden.

Wolfgang Meiworm atmet tief ein. Dann lässt er die Luft zwischen seinen Lippen ausströmen. Ganz langsam. Immer wieder. „Dadurch kann mehr Luft durch meine Atemwege strömen“, erklärt der Mann aus Altenhundem und fasst in seine Hosentasche. Nur um zu gucken, ob er sein Notfallspray auch wirklich dabei hat. Meiworm leidet an COPD. Eine Lungenkrankheit. Im Gespräch mit unserer Zeitung hat er erzählt, wie sehr ihn dieser permanente Husten belastet – und warum selbst Kochen zur Gefahr werden kann.

Die Krankheit

COPD steht für chronic obstructive pulmonary disease. Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich um eine chronische Krankheit, bei der die Bronchien durch Entzündungen verengt sind. Der Betroffene kann nicht richtig Luft holen, Schleim verstopft die Atemwege. Ein chronischer Husten ist die Folge. Doch das ist nicht alles. Wolfgang Meiworm spricht von gravierenden Einschränkungen. Nicht mal einen Karton Bücher kann er tragen, ohne dass ihm die Puste ausgeht. Und auch Unkraut jäten im Garten ist für ihn völlig unvorstellbar. „Ich bin nicht mehr belastbar“, sagt der 56-Jährige. „In vielen Situationen bin ich einfach auf Hilfe angewiesen. Wenn ich jetzt nochmal 18 wäre, würde ich vieles anders machen.“

Maiworm denkt an die Zeit, in der Zigaretten zu seinem Leben gehörten. 35 Jahre hat er geraucht. Ein Leichtsinn, den er heute teuer bezahlt. COPD ist nicht heilbar. Viele Menschen sterben an den Folgen der Krankheit. Angst hat Wolfgang Meiworm aber keine. „Man kann dennoch das hohe Alter erreichen“, sagt er. „Außerdem wird immer noch viel in dem Bereich geforscht.“ Trotzdem bestimmt die Krankheit sein Leben. Der gebürtige Altenhundemer kann nicht mehr arbeiten. Sein Arbeitsvertrag als Produktionsarbeiter ruht derzeit. Er bezieht Erwerbsminderungsrente. Mit grade mal 56 Jahren.

Das Leben

Maiworm muss immer aufpassen. Aufpassen, dass er nicht krank wird. Denn aus einer Erkältung kann schnell eine Lungenentzündung werden. „Die Leute sagen jetzt schon, dass ich laut atme“, erzählt er. „Aber wenn ich krank bin, atme ich richtig laut pfeifend. Das tut dann auch weh.“ Selbst beim Kochen muss der 56-Jährige Acht geben. Auf ein scharfes Anbraten von Fleisch muss er verzichten. Denn die Dämpfe und Aromen greifen seine Bronchien an. „Das kann ganz heftig sein“, weiß er. „Das ist, als ob im Körper alles reißt. Die Atemwege werden dabei extrem gereizt.“

Wenn er abends ins Bett geht, legt er eine Maske an. Das Beatmungsgerät hilft ihm dabei zu schlafen, die Atemwege zu weiten.

Die Lungenkrankheit hat zudem eine Rechtsherzinsuffizienz nach sich gezogen. Eine Komplikation, die in späten Stadien von COPD häufig auftritt. Das Herz ist dabei zu schwach, um genug Blut in den Kreislauf zu pumpen, Organe werden nicht mehr richtig versorgt. Maiworm leidet deswegen an Wassereinlagerungen in den Beinen. Dazu kommt noch die Diabetes, ebenfalls eine Folgeerkrankungen. Zudem erschweren eine kaputte Hüfte sowie Schilddrüse das Leben des 56-Jährigen.

Die Diagnose

Vor etwa 15 Jahren hatte Meiworm erstmals Beschwerden. Er erinnert sich noch an die starken Hustenanfälle und die Nächte, die er deswegen wach gelegen hat. Später kam die Diagnose. COPD. Er wusste, er musste etwas tun, hörte auf zu rauchen. Aber es war bereits zu spät. Die Krankheit entwickelte sich schleichend.

2012 hatte sie ihren Höhepunkt. Er musste ins Krankenhaus. Unmengen Wasser hatte sich in seinem Körper gesammelt. „Ich dachte, meine Füße platzen“, erinnert er sich. Der Sauerstoffgehalt in seinem Blut war dramatisch gesunken. Er verbrachte eine Woche im Schlaflabor. Dabei stellten die Ärzte fest, dass er in einer rund sechsstündigen Nacht etwa 400 bis 500 Atemaussetzer hat. Eine dreiwöchige Reha folgte. Aber er kam nicht mehr auf die Beine. Seitdem ist er zuhause.

Die Hilfe

Wolfgang Meiworm ist auf Medikamente angewiesen. Verschiedene Sprays helfen gegen die Verschleimung seiner Bronchien. Er hat seine Krankheit angenommen, versucht mit ihr zu leben. Meiworm gründete 2012 eine Selbsthilfegruppe in Lennestadt. So traf er erstmals auf Gleichgesinnte, konnte sich mit ihnen austauschen. Die Nachfrage war so groß, dass er später auch eine Selbsthilfegruppe für COPD in Olpe gründete. „Wir jammern nicht“, erklärt der 56-Jährige die Intension der Gruppe. „Es tut einfach gut, Erfolge auszutauschen.“ Regelmäßig sind Gastredner zu Besuch, darunter Lungenfachärzte und Ernährungsberater, die den Menschen Tipps geben. „Man darf sich nicht verkriechen“, betont Meiworm. „Man soll rausgehen, auch mal in eine Kneipe, auch mal, wenn es regnet. Man muss sich einfach der Situation anpassen.“

Wolfgang Meiworm will auch weiterhin die Selbsthilfegruppe in Lennestadt leiten. Er will helfen. Selbst wenn für ihn die Wege zum Haus Lendl oft schwer fallen.

Weitere Infos:

Die Selbsthilfegruppe Lungenemphysem-COPD Sauerland Lennestadt trifft sich jeden zweiten Mittwoch im Monat um 18 Uhr im Haus Lendel in Lennestadt (Lennewiesen 4).

Die Gruppe gehört zur Patientenorganisation Lungenemphysem-COPD Deutschland. Es gibt deutschlandweit etwa 55 COPD-Selbsthilfegruppen.

Gruppenleiter und Ansprechpartner ist Wolfgang Meiworm. Telefon 02723-686569. E-Mail: w.meiworm@lungenemphysem-copd.de.

Weitere Infos unter www.lungenemphysem-copd.de

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