Attendorn

Windkraft: Abstandsgrenze soll fallen

Bilder wie dieses, Windpark Schöneseiffen in der Nähe von Schleiden (Kreis Euskirchen), fürchten Bürger im Repetal und rund um Serkenrode: Windräder auf einem Bergrücken oberhalb der Ortschaften

Foto: Oliver Berg

Bilder wie dieses, Windpark Schöneseiffen in der Nähe von Schleiden (Kreis Euskirchen), fürchten Bürger im Repetal und rund um Serkenrode: Windräder auf einem Bergrücken oberhalb der Ortschaften Foto: Oliver Berg

Attendorn.   Stadt Attendorn will weniger als 1500 Meter Abstand zur Wohnbebauung

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Die Stellungnahme der Stadt Attendorn zum neuen Landesentwicklungsplan (LEP) löst bei Windkraftgegnern Proteste aus. In der teils unversöhnlich geführten Diskussion pro und contra Windkraft gleicht die Attendorner Forderung einem Sakrileg: Die Hansestadt möchte, dass die 1500 Meter Abstandsgrenze, die Windkraftanlagen zu Wohnbebauung einhalten sollen, aus dem LEP gestrichen wird.

Eine Provokation für alle, die gegen Windkraftanlagen sind? „Nein“, antwortet Attendorns Erster Beigeordneter Carsten Graumann, „nur mehr Klarheit.“

Nach Auffassung des Beigeordneten agiert die Landesregierung beim Thema Windkraft in einem Graubereich. Die 1500 Meter Abstand zur Wohnbebauung seien eine Forderung aus dem Koalitionsvertrag und im LEP als Grundsatz und nicht als Ziel aufgenommen: „Ziele“, so Graumann, „sind verbindlich, Grundsätze unterliegen der Abwägung.“ Das werde von Bürgern, besonders aber Windkraftgegnern verkannt.

Die Stadt Attendorn geht davon aus, dass die strikte Einhaltung der 1500-Meter-Grenze in den meisten Kommunen dazu führen würde, dass der Windkraft nicht mehr ausreichend Raum eingeräumt werden könne. Das aber verstoße gegen geltendes Recht: „Nach Bundesrecht“, so Graumann, „ist Windkraft im Außenbereich nach wie vor privilegiert und das Bundesverwaltungsgericht hat in einem Urteil gefordert, der Windkraft substanziell Raum zu geben.“

Besser, weil eindeutiger, sei das Problem von der schwarz-grünen Landesregierung in Hessen gelöst. Da sei der Abstand von Windenergieanlagen zur Wohnbebauung in den Landesentwicklungsplänen als Ziel und damit verbindlich geregelt. „Der Abstand beträgt dort aber nur 1000 Meter“, so Graumann.

Ähnlich widersprüchlich wie bei den Abstandsflächen sei die Inanspruchnahme von Waldgebieten für Windkraft geregelt. Im LEP sei festgelegt, dass „Wald mit seiner Bedeutung für Holzproduktion, den Arten- und Biotopschutz, (...) die landschaftsorientierte Erholungs-, Sport- und Freizeitnutzung, den Klimaschutz und wegen seiner Regulationsfunktion im Landschafts- und Naturhaushalt zu erhalten und vor nachteiligen Entwicklungen zu bewahren sei.“ Da liege nahe, dass Windkraftanlagen in Waldgebieten nicht möglich seien. Im Windenergieerlass werde diese Regelung aber eingeschränkt. Denn im Gegensatz zu biologisch anspruchsvollen Mischwaldgebieten, könne in strukturarmen Nadelwaldgebieten im Einzelfall die Nutzung für die Windenergie geprüft werden.

Möglicherweise fahrlässig

Die Initiative „Lebenswertes Repetal“ kritisiert die Stellungnahme der Stadt als „voreilig und möglicherweise fahrlässig“. In einem offenen Brief erinnern Marcus Bruse und Gerd Pulte daran, dass die Landesregierung in Anlehnung an die Distanzregeln in Bayer 1500 Meter Abstand empfiehlt: „Grund dieser Empfehlung ist die Gesundheitsfürsorge für die Menschen in Nordrhein-Westfalen.“

Die Menschen in der Nähe von Windkraftanlagen klagten zumeist über Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen. Die Ursachen wie Infraschall etc. seien zwar noch nicht sicher bewiesen, aber ein Kopenhagener Krebsforschungszentrum werde in wenigen Monaten die Ergebnisse einer Langzeitstudie vorstellen: „Solange sollte die Stadt Attendorn keine Entscheidungen hinsichtlich Windkraft treffen.“ Aus Sicht der Initiative gebe es keine Notwendigkeit, die Windkraftplanungen im Stadtgebiet Attendorn unter Zeitdruck voranzutreiben.

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