Wisente

Wisentherde im Kreis Olpe bisher nur ein Phantom

Am Rhein-Weser-Turm soll sich eine neunköpfige Wisentherde aufhalten, gesehen hat sie bisher aber niemand.

Foto: Arjen Boerman

Am Rhein-Weser-Turm soll sich eine neunköpfige Wisentherde aufhalten, gesehen hat sie bisher aber niemand.

Rhein-Weser-Turm/Kreis Olpe.   Mindestens neun Wisente sollen sich im Großraum Rhein-Weser-Turm aufhalten. Gesehen hat sie bisher niemand.

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Die Wittgensteiner Wisente sind angeblich wieder auf dem Vormarsch in den Kreis Olpe. Nachdem sich die freilaufende Herde in drei Gruppen aufgeteilt habe, sollen sich mindestens neun Tiere im Großraum Rhein-Weser-Turm befinden. Das behauptet der Sprecher der Interessengemeinschaft Pro Wald, Lucas von Fürstenberg. Gesehen hat diese in den letzten Tagen jedoch niemand. „Hier oben ist das kein Thema. Das ist das erste, was ich höre“, sagt Cordula Schwermer, Wirtin des Turm-Restaurants, in dem sich viele Jäger treffen. Auch die Ordnungsämter der Gemeinde Kirchhundem und Stadt Lennestadt wissen von nichts.

Und auch Dr. Michael Emmrich, Sprecher des Wisent-Vereins, kann die Meldung nicht nachvollziehen und schon gar nicht bestätigen. „Wir haben ein Meldesystem, aber wir haben keine Meldungen.“

Hintergründe zum Wisent-Projekt Wittgenstein Emmrich vermutet hinter der Pressemeldung der Interessengemeinschaft Stimmungsmache im Vorfeld des BGH-Urteils, das im November erwartet wird. Zwei Waldeigentümer aus dem HSK hatten den Wisent-Verein verklagt, er müsse dafür sorgen, dass die Tiere keine Privatgrundstücke betreten.

Ruhe an der Wisentfront

„Mit dem Aufenthalt der Wisente außerhalb des Projektgebietes entstehen wieder neue Schälschäden an den Bäumen“, so die IG Pro Wald in ihrer Pressemitteilung. Im Staatswald Schanze-Latrop (Eigentümer das Land NRW) würden aktuell ca 50 bis 80 Zukunftsbuchen je Hektar einzeln mit Plastikschutz umwickelt, damit die Wisente die Rinde von diesen Bäumen nicht mehr fressen. Neben den erheblichen Kosten von mindestens zehn Euro pro Baum sei eine solche Maßnahme auch nur schwer mit dem Ökonachhaltigkeitssiegel FSC vereinbar, mit dem der Staatswald in NRW zertifiziert ist.

Dass sich die Tiere aus ihrem Projektgebiet entfernen und auf Wanderschaft gehen, ist nicht so ungewöhnlich. Vor zwei Jahren wanderten zwei Wisentbullen bis kurz vor Neuenkleusheim, wo sie von einer Wildkamera erwischt wurden. Auch bei Varste wurde damals ein Wisent gesichtet. Seitdem war es ruhig an der Wisentfront im Kreis Olpe.

Die IG Pro Wald wirft dem Verein weitere Vertragsverletzungen vor. Die Gesamtpopulation habe die Höchstgrenze von 25 Tieren längst überschritten. Zudem sei der Austausch von Deckbulle Edgar lange überfällig. Die Inzucht in der Herde sei eine Katastrophe. „Völliger Unsinn“, sagt Dr. Emmrich dazu. Der Austausch des Bullen sei in Arbeit, man sei mit Abnehmern im Gespräch.

Zu allen anderen strittigen Punkten will der Verein das neue Artenschutzgutachten über das Wisentprojekt abwarten, das das NRW-Naturschutzministeriums in Düsseldorf beauftragt hat.

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