Ungewöhnliche Idee

Wo bleibt die Wertschätzung? Ein Experiment für mehr Respekt

Peter Kühn und Wolfgang Exner (von rechts) wagen ein Experiment mit dem Titel „Wo bleibt die Wertschätzung?" Wer mitmachen will, kann sich beteiligen unter www.olpermediatoren.de

Peter Kühn und Wolfgang Exner (von rechts) wagen ein Experiment mit dem Titel „Wo bleibt die Wertschätzung?" Wer mitmachen will, kann sich beteiligen unter www.olpermediatoren.de

Foto: Josef Schmidt / WP

Kreis Olpe.  Ungewöhnliches Experiment für mehr Respekt und Wertschätzung in der Gesellschaft. Eine Aktion gegen die zunehmende Verrohung.

Hooligans schlagen auf arglose Fußballfans ein oder wahlweise auf eingreifende Polizisten. Ein vermummter junger Mann, so zeigt ein Video im Internet, tritt eine ihm völlig unbekannte junge Frau eine Treppe hinunter, Schüler beleidigen ihre Lehrer oder greifen sie sogar tätlich an, Hetzkampagnen im Netz gehören zum Alltag und Nachbarn gehen wegen Grenzstreitigkeiten ebenso ungezügelt aufeinander los wie Fußballer Schiedsrichter. Und so weiter und so weiter. Die Liste der Respektlosigkeiten in der Gesellschaft könnte endlos fortgesetzt werden. Leider. Das wissen auch die langjährigen Schiedsmänner und Mediatoren Peter Kühn (75) und sein Kollege Wolfgang Exner (63) aus Olpe nur zu gut.

Nebenberufliche Streitschlichter

Im Rahmen ihrer Tätigkeit als nebenberufliche Streitschlichter ist ihnen nichts Menschliches fremd: „Die Leute beleidigen und beschimpfen sich vor unseren Augen, einmal ging sogar ein wütender Mann auf den Anwalt der Gegenseite los“, erinnert sich Kühn, hauptberuflich auch viele Jahre Kripobeamter.

Irgendwann entschlossen sich die beiden zu einem Experiment. Exner, im Hauptberuf Immobilienkaufmann: „Es geht uns darum, das Thema Wertschätzung stärker in den Blickpunkt einer Gesellschaft zu rücken, die zunehmend verroht. Es fehlt gegenseitiger Respekt - und zwar auf breiter Front. Dagegen müssen wir etwas unternehmen“, waren sich die beiden einig. Denn: „Nach unseren Erfahrungen ist das ein Trend, der sich über viele Jahre Stück für Stück verstärkt. Da darf man nicht tatenlos zusehen.“

Gemeinsam mit einem Computerfachmann entwickelten sie einen Internetauftritt nach ihren Vorstellungen mit dem Titel „Wo bleibt die Wertschätzung? - Ihre Idee ist gefragt“

„Natürlich ist es möglich, dass das gar keinen interessiert“, zieht Peter Kühn die Schultern hoch, „aber wir finden, dass es ein Experiment ist, dass es lohnt, es zu versuchen.“

Dabei geht es nicht darum, Menschen über etwas abstimmen zu lassen oder eigene schlimme Erfahrungen mitzuteilen. Sondern: „Jeder sollte sich mit dem Thema grundsätzlich einmal auseinandersetzen und eigene Ideen entwickeln, die Situation zu verbessern.“

Fast alles möglich

Das könnten Ideen und oder Konzepte für den Kindergarten und oder die Schule sein, für den Umgang miteinander im Straßenverkehr, im Arbeitsleben, in der Nachbarschaft, in der Familie, im Freundeskreis, im Sport oder - natürlich - im World Wide Web und den sozialen Netzwerken. „Aber vielleicht auch ein simpler Aufsteller, der dem Betrachter für jeden Tag eine Anregung gibt, auf Wertschätzung und Respekt gegenüber dem Mitmenschen zu achten“, nennt Kühn ein Beispiel: „Wir setzen ganz bewusst keinerlei Grenzen. Wer eine Idee hat, kann sie bei uns auf der Seite formulieren und in die Diskussion werfen.“ Es sei auch möglich, dass jemand nur eine Idee ins Forum werfe und ein anderer den Einfall habe, diese Idee umzusetzen.

Forum mit Regeln

Nicht wirklich überraschend: Angriffe und Beleidigungen auf andere sind natürlich strikt untersagt. Wer mitmacht, muss sich an Foren-Regeln halten. Exner: „Wir werden täglich einen Blick auf unseren Auftritt werfen und respektlose Kommentare eliminieren.“

Als Erfolg würden die beiden „Wertschätzer“ es werten, „wenn vielleicht so 100 Ideen im halben Jahr auf unserer Seite landen.“ Der nächste Schritt wäre die Auswertung und die Überlegung, wie Ideen praktikabel umsetzbar wären. Ideal wäre es, so hoffen Kühn und Exner, wenn der Internetauftritt die Diskussion über fehlende Wertschätzung lostreten könnte wie der Schneeball die Lawine. Eine Lawine der gegenseitigen Wertschätzung, die sich bis in den letzten Winkel der Gesellschaft ausbreite.

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