Interview

Wolfgang Hesse: „Ich finde, viel reden hilft auch viel“

Wolfgang Hesse in seinem alten Olper Büro, dessen Wände Bilder und ein Kreuz schmücken, die ihn an Ereignisse aus seiner Vergangenheit erinnern, wie die Begegnung mit Papst Johannes Paul II.

Foto: Peter Plugge

Wolfgang Hesse in seinem alten Olper Büro, dessen Wände Bilder und ein Kreuz schmücken, die ihn an Ereignisse aus seiner Vergangenheit erinnern, wie die Begegnung mit Papst Johannes Paul II.

Olpe.   Nach zuletzt gut zehn Jahren als Leiter der Katholischen Bildungsstätte in Olpe war für Wolfgang Hesse die Zeit reif für einen Wechsel.

Wolfgang Hesse ist bekennender Ölper, der allerdings gerne und immer wieder über den heimischen Tellerrand schaut. Das gilt auch für sein Berufsleben, das der 60-jährigen Diplom-Theologen im Dienst des Erzbistums Paderborn in ganz unterschiedlichen Positionen verbracht hat. Nach zuletzt gut zehn Jahren als Leiter der Katholischen Bildungsstätte in Olpe war für ihn wieder einmal Zeit für einen Wechsel. Wir sprachen mit ihm über seine Beweggründe hierfür und seine neuen Aufgaben .

Welche Position bekleiden Sie seit Jahresbeginn?

Wolfgang Hesse: Im Mai vorigen Jahres ist man an mich herangetreten und hat mich gefragt, ob ich mir nach zehn Jahren in Olpe eine berufliche Veränderung vorstellen könnte. Ja, das konnte ich. Im Dezember bin ich dann zum neuen Vorsitzenden der Landesarbeitsgemeinschaft der Erwachsenen- und Familienbildung gewählt worden.

Ganz formal bin ich nach Paderborn zurückversetzt und dort mit dem Kampagnenmanagement beauftragt worden. Ich bin aber zunächst mit einer halben Stelle für den Landesvorsitz freigestellt.

Was bedeutet dieses Amt?

Ich bin in Düsseldorf bei der Landesregierung als Lobbyist für die Finanzierung der Erwachsenenbildung tätig. Diese ist vertreten durch 76 Bildungseinrichtungen in den fünf katholischen Diözesen im Land. Deren Vertreter und die der Diözesen, insgesamt 131, haben mich für vier Jahre gewählt.

Sie sind also Kirchenlobbyist. Wie kann man sich die Tätigkeit vorstellen?

Ich habe meine Arbeit ja gerade erst aufgenommen, aber es geht bereits jetzt um Termine mit Ministern, Staatssekretären, Abteilungsleitern, bei denen die Sicherstellung der Finanzierung der Erwachsenenbildung im Mittelpunkt steht.

Wie macht man das als Neuling, auch wenn sie politisch gut vernetzt sind?

Man muss für einen guten Übergang sorgen, und mein Vorgänger hilft mir da. Auch wenn ich die Methoden kenne, entzieht sich mir der rheinische Klüngel ein wenig, da ich noch nicht so viele Leute kenne. Mir spielt allerdings in die Karten, dass es einen Regierungswechsel im Land gegeben hat. Bei der Vorgängerregierung kannte ich weniger Leute.

Das bedeutet für Sie aktiv netzwerken, über die Parteigrenzen hinaus?

Unbedingt. Es gibt allerdings Unterschiede. Grundsätzlich kann man mit SPD-Leuten immer über Erwachsenenbildung reden, die haben eine ähnliche Mentalität, während FDP-Leuten dieses Feld zum Teil völlig fremd ist.

Bei den Grünen kann man voraussetzen, dass die Gegenseite Sachkunde hat, weiß aber auch: wird werden uns aus ideologischen Gründen nicht einig. Das würde ich nie verteufeln, sondern immer wieder die Diskussion suchen. Denn ich finde, reden hilft, viel reden hilft auch viel.

Mit wem müssen Sie noch reden?

Ganz wichtig ist, dass man im Konzert der Bildungsträger untereinander eine Rolle spielt. Denn die anderen verbünden sich gerne gegen den schwarzen Riesen.

Wer sind die anderen und wer ist der schwarze Riese?

Die katholische Kirche. Die anderen sind zum einen die Volkshochschulen und die Evangelische Kirche. Um einmal die Dimensionen klar zu machen: Wir tragen alleine mehr als 50 Prozent der Erwachsenen- und Familienbildung in Nordrhein-Westfalen, das sind 28 000 Veranstaltungen im Jahr. Etwa in den Familienzentren für Eltern und Großeltern, aber auch alle Weiterbildungsmaßnahmen für die Erzieherinnen.

Geht es nur um die Sicherung von Landesmitteln?

Nein. Ein großer Topf ist der Europäische Sozialfonds. Daraus kommt ziemlich viel Geld. Wir geben als Fachstelle Hilfestellung, um an diese Gelder, immerhin sechs Millionen Euro im Jahr, zu kommen. Das ist ziemlich kompliziert. 1985 habe ich das bereits ganz alleine für das Projekt Förderband getan, was sehr aufwendig war.

Haben Sie schon Schwerpunkte ausgemacht, wo Sie ansetzen möchten?

Ich brauche bestimmt ein halbes Jahr, um die Dinge zu verstehen. Es geht für mich zunächst darum, in das Netzwerk Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen hineinzukommen, einen geräuschlosen Übergang zu schaffen. Wichtig ist allerdings, Familienminister Joachim Stamp von der FDP zu erklären, was Erwachsenenbildung ist. Was wir auch erreichen wollen ist, dass viel mehr in politische Bildung investiert wird.

Was wünschen Sie sich für Ihre berufliche Zukunft?

Dass mir meine Arbeit auch weiterhin mehr als 50 Prozent Spaß macht.

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