Kaninchenzucht

Wolfgang Schreiter: Erster Europameister aus dem Kreis Olpe

Sie waren zu den Europameisterschaften in der Kaninchenzucht nach Dänemark gefahren: Yanik Rickert, Wolfgang Schreiter (Europameister 2018!) und Christian Sommerfeld (von links)

Sie waren zu den Europameisterschaften in der Kaninchenzucht nach Dänemark gefahren: Yanik Rickert, Wolfgang Schreiter (Europameister 2018!) und Christian Sommerfeld (von links)

Foto: Privat

Kreis Olpe.   Trotz des Erfolges des Kirchhundemer machen die heimischen Kaninchenzüchter ein Nachwuchs-Problem aus. Es fehlt zudem die lokale Konkurrenz.

Erstmals ist ein Kaninchenzüchter aus dem Kreis Olpe Europameister geworden: Wolfgang Schreiter aus Kirchhundem setzte sich mit seiner Rasse, den Kleinwidder wildfarben, im dänischen Herning (Midtjylland) gegen die Konkurrenz durch. Die Punktrichter, die Körperform- und Bau, Gewicht und Sauberkeit der Tiere bewerteten, vergaben 385 von 400 möglichen Punkten an den 63-Jährigen. Ihn begleiteten Christian Sommerfeld (39) aus Altenhundem und Yanik Rickert (24) aus Halberbracht. Die beiden kehrten zwar nicht mit Europameister-Titeln zurück, schlugen sich aber ordentlich.

Beachtlicher vierter Rang

Sommerfeld, gelernter Dachdeckermeister und seit fünf Jahren im Ortsverein Kirchhundem, erlangte mit seinen Deutschen Riesen 318 Punkte und somit einen Mittelfeldplatz. Industriemeister Rickert, in etwa genauso lange im Kirchhundemer Verein, holte mit seinen Hasenkaninchen Rotbraun sogar noch einen halben Punkt mehr als Europameister Wolfgang Schreiter. Der 24-Jährige musste sich in seiner Wertungsklasse jedoch größerer Konkurrenz stellen und landete im Endeffekt auf einem mehr als passablen vierten Rang.

„Die Drei waren die ersten aus unserem Kreis überhaupt, die bei einer Europaschau ausgestellt haben“, erklärte Walter Sinzig, der seit zwei Jahren stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbands Olpe und seit fünf Jahren Vorsitzender des Ortsvereins Attendorn ist. Insgesamt kamen in Herning knapp 1500 Aussteller mit rund 8.000 Kaninchen zusammen, davon allein mehr als 900 aus Deutschland. Die zweitgrößte Gruppe stellten die Gastgeber mit 75 Ausstellern. „Es war eine schöne Erfahrung, in den Austausch mit anderen Züchtern aus dem Ausland zu gehen“, resümierte Yanik Rickert, der rund 50 Kaninchen besitzt. Und Christian Sommerfeld, der nochmal 20 Tiere mehr im eigenen Stall hält, ergänzte: „Uns hat der Ehrgeiz getrieben, auf so einer europäischen Schau zu zeigen, was wir können.“ Denn dieser Wettbewerb sei in der sauerländischen Heimat nicht vorhanden.

„Zuhause habe ich keine Konkurrenz, da fehlt einfach der Nachwuchs“, erläuterte der Dachdecker und bekam prompt Bestätigung von Walter Sinzig, der genaue Zahlen aus dem Kreis Olpe vorlegte: Demnach gibt es kreisweit nur noch sechs eingetragenen Kaninchenzucht-Vereine, mit 97 Altzüchtern und nur 14 Jungzüchtern. Im vergangenen Jahr hatte sich etwa der Bamenohler Verein aufgelöst. Gründe für die Entwicklung gebe es einige, betonen die Beteiligten. Kaninchen zu züchten nehme viel Zeit in Anspruch. „Am Wochenende geht für das Saubermachen des Stalls schon mal ein Tag drauf“, so Sommerfeld.

Abschreckende Wirkung

Darüber hinaus müsse man täglich die Tiere füttern und auf die Stallhygiene achten. „Die Kaninchen brauchen schlicht die Liebe der Züchter“, so Sinzig. Abschreckende Wirkung habe zudem, dass die Züchter ihre Tiere mittlerweile impfen und pro Kaninchen schon mal bis zu 15 Euro bezahlen müssten. Darüber hinaus ist die Kleinzuchthaltung laut Bauordnung in neuen Baugebieten nicht mehr erlaubt, unter anderem, so erklärt es Sommerfeld, weil Nachbarn den Gestank oder die Lautstärke nicht tolerieren würden.

Im Landesverband Westfalen, zu dem der Kreisverband Olpe zählt, sank die Zahl der Mitglieder von einst 7.500 (in 2005) auf mittlerweile unter 4.500. Wolfgang Schreiter, Christian Sommerfeld und Yanik Rickert trotzten dieser Entwichlung und bleiben ihrem Hobby weiterhin treu. Ihre nächsten Wettkämpfe: Die Landesschau in Hamm im Januar, im Februar die Bundes-Rammlerschau in Halle an der Saale und die nächste EM 2021 in Österreich.

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