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WP im Kreis Olpe: Stabwechsel an der Spitze der Redaktion

Stabwechsel bei der Westfalenpost für den Kreis Olpe: Thorsten Streber (links) folgt als Redaktionsleiter auf Gunnar Steinbach.

Stabwechsel bei der Westfalenpost für den Kreis Olpe: Thorsten Streber (links) folgt als Redaktionsleiter auf Gunnar Steinbach.

Foto: Verena Hallermann / WP

Kreis Olpe.  Der Lokalchef der Westfalenpost Olpe Gunnar Steinbach geht in Rente. Ihm folgt Thorsten Streber. Journalisten aus zwei Generationen im Gespräch.

Nicht nur ein gewöhnlicher Personalwechsel an der Spitze der Westfalenpost-Redaktion für den Kreis Olpe steht an, es ist auch ein Generationswechsel: Nach fast 40 Jahren bei der Westfalenpost tritt der 64-jährige Gunnar Steinbach die passive Phase seiner Altersteilzeit an. Mit Thorsten Streber übernimmt ein Warsteiner das Redaktions-Steuer, der mit 29 Jahren nicht einmal halb so alt ist. Was den scheidenden Redaktionsleiter, der unter seinem Kürzel „gus“ bestens bekannt ist, in den Jahrzehnten bewegt hat und auf was sich die WP-Leser bei Thorsten Streber (thos) freuen dürfen, haben wir die beiden im Interview gefragt.

Gunnar, wann hat alles bei Dir angefangen, was oder wer hat Dich zum Journalismus gebracht?

Gunnar Steinbach: Ich bin nach dem Studium 1981/82 zur Westfälischen Rundschau nach Kamen gegangen, durch einen Bekannten motiviert, das mal auszuprobieren. Während des Studiums hatte ich noch hochtrabende Pläne, ich wollte ins Ausland, wenn möglich als Auslandskorrespondent nach Skandinavien. Die Anfänge waren mir erstmal egal, und vor dem Hintergrund habe ich dann in Kamen begonnen. Und wie es so geht im Leben: Ich habe nach Wenden geheiratet, und die Geschichte entwickelte sich ausschließlich im Kreis Olpe. Nach einer ganz kurzen Zwischenstation bei der Rundschau in Olpe bin ich zur Westfalenpost Olpe gewechselt, und dabei ist es dann 37 oder sogar 38 Jahre geblieben.

Vom Volontär zum Redaktionsleiter in Warstein

Thorsten, wo kommst Du her, und wo und wann hast Du Dir Deine ersten journalistischen Meriten verdient?

Thorsten Streber: Ich stamme eigentlich aus Warstein, bin im Kindesalter aber schon nach Hemer gezogen und habe auch dort schon im zarten Schüleralter von 15 als freier Mitarbeiter beim Iserlohner Kreisanzeiger angefangen. Das habe ich während der Schulzeit und des Studiums fortgesetzt, in Iserlohn Journalismus studiert und danach ging es weiter mit einem Volontariat bei der Westfalenpost und später als Lokalredaktionsleiter der WP zurück in Warstein.

Gunnar, fast vier Jahrzehnte Lokaljournalismus, was kommt Dir spontan in den Sinn, wenn Du nach den Aufsehen erregendsten Geschehnissen gefragt wirst?

Steinbach: Es komprimiert sich seltsamerweise im Rückblick auf ganz wenige Dinge, die haften geblieben sind. Bei mir ist das eine Geschichte aus den ersten sechs Monaten hier in Olpe. Ich hatte nachts einen Anruf der Polizei erhalten und die Beamten baten mich, ob ich kommen und Fotos machen könne. Das war damals noch üblich, da die Polizei mit Fotoausrüstungen schlecht bestückt war. Ich bin zur A 45 bei Ottfingen gefahren, da stand ein Lkw auf der rechten Spur, und der Polizist machte mir klar, dass es sich um einen Unfall mit einer Selbstmörderin handele, die sich auf die Standspur gelegt hatte und vom Lkw überrollt worden sei. Dann fragte der Polizist, ob er die Fotos selbst machen solle, ich müsse ihm nur die Kamera erklären. Blöd, wie ich war, sagte ich: ,Nein, das mach ich selbst.’ Und dieses grauenhafte Bild, das sich mir dann bot, habe ich bis heute nicht vergessen.

Entwicklung vom Bleisatz zum Computer mitgemacht

In deiner beruflichen Laufbahn hat sich im Journalismus unglaublich viel verändert. Was war für Dich der gravierendste Wandel?

Steinbach: Ich habe ja noch angefangen, da haben wir Texte auf Schreibmaschine getippt. Titel wurden nach den Schriftgrößen Anschlag für Anschlag ausgezählt. Das können sich junge Kollegen heute kaum noch vorstellen. Vom Bleisatz zum Computer, das waren Welten. Und mit den Jahren ist alles noch immer schneller geworden. Bis das Internet kam und noch einmal alles auf den Kopf stellte.

Thorsten, vor Dir liegen noch drei oder fast vier Jahrzehnte in diesem wunderbaren, manchmal verrückten Beruf. Ganz frech gefragt: Wie sieht der Journalismus im Jahr 2040 aus?

Streber: Wenn wir das wüssten, wären wir schlauer. Ich glaube, eine hundertprozentige Vorstellung davon hat niemand, weil sich gerade sehr viel sehr schnell ändert. Print wird weniger, online wird immer wichtiger. Wir haben online ganz andere Mechanismen, wie Artikel auszusehen haben, damit sie gut funktionieren. Da ist im Moment auch noch viel zu experimentieren. Ich glaube, dass es auch 2040 auf jeden Fall guten Lokaljournalismus noch braucht und dass man das gut hinkriegen kann, wenn man den Wandel in Richtung digitalen Journalismus hinbekommt. Und das habe ich vor.

Nähe zu den Menschen für Erfolg entscheidend

Sieben Städte und Gemeinden, dazu der Kreis, eine riesige Fläche, fast 800 Vereine. Wo geht die Reise der Westfalenpost im Kreis Olpe hin?

Streber: Wir müssen und werden nah bei den Menschen bleiben. Ich glaube, das ist das Entscheidende gerade im Lokalen. Dass man immer vor Augen hat, was interessiert die Leute, die hier wohnen, die hier arbeiten, die hier ihr Leben verbringen? Das sind im Prinzip die Themen, an die wir heranmüssen und die wir verfolgen und kritisch begleiten müssen. Das alles Entscheidende ist: Wir dürfen den Kontakt zu den Menschen hier nicht verlieren, sondern müssen daran arbeiten, dass wir das beibehalten.

Gibt es schon thematische Schwerpunkte, denen Du dich schon zu Beginn besonders widmen möchtest?

Streber: Ich glaube, dass wir jetzt einen guten Grundstein legen durch unser WP-Mobil, mit dem wir in den Dörfern unterwegs sind. Wo wir uns genau ansehen: Wie entwickeln sich die Orte? Auch vor dem Hintergrund der Themen Digitalisierung und Demografie. Da tut sich gerade in sehr kurzer Zeit sehr viel. Und das so zu verfolgen, ist ein guter, erster Schritt. Und darauf möchte ich gerne aufbauen.

Keine Ratschläge für jungen Nachfolger

Gunnar, unfaire Frage. Wenn Du Deinem Nachfolger die berühmten guten Ratschläge mit auf den Weg geben dürftest, welche wären das?

Steinbach: Hör nicht auf mich! Ich bin eine andere Generation. Die Art und Weise, wie wir Blatt gemacht haben, hat sich in Zeiten des Internets verlebt. Online gelten andere Regeln, und jemand, der 1981/82 angefangen hat, kann einem, der heute eine Redaktion übernimmt, kaum großartige Ratschläge geben. Die Basics bleiben natürlich. Aber die hat Thorsten ja schon aufgezählt. An den Leuten dran sein, zuhören, mitkriegen, was interessiert, was wollen die Leute hier? Ich bin nach wie vor der Auffassung, dass eine Lokalzeitung in all ihren Schwerpunkten und all ihren Bereichen vor Ort konzipiert und gemacht werden muss.

Thorsten, welches waren Deine ersten Eindrücke im Kreis Olpe, was ist Dir besonders aufgefallen?

Streber: Die Einkaufsstraßen hier in Olpe, also die ganze City, mit Martinstraße und rund um den Marktplatz sind ungeheuer lebendig. Das kenne ich aus Warstein ganz anders. Obwohl Warstein ähnlich groß ist wie Olpe, ist da spürbar weniger Leben in der City. Ich bin in den ersten Tagen ja noch gependelt und fahre quer durch den Kreis, komme über Oedingen, Grevenbrück, die ganze Strecke. Und das sind alles nette Orte, die ihren eigenen Charakter haben, soweit ich das vom Durchfahren aufnehmen kann.

Da schließe ich die nächste Frage an: Du wirst im Kreis Olpe nicht nur arbeiten, sondern auch leben und wohnen. Und wirst sicherlich schon den abgegrasten Wohnungsmarkt kennengelernt haben. Welches wäre Dein Wunsch-Wohnort? (Steinbach funkt dazwischen: „Thorsten, jetzt versau’ Dir nicht alles sofort“)

Streber (lachend): Mein Eindruck bestätigt das. Es ist überall schwierig im Kreis Olpe mit Wohnungen. Ich habe wirklich lange gesucht. Ich wäre gerne nach Olpe direkt gezogen, einfach, weil hier das Büro ist und man nah dran ist. So, wie es aussieht, wird es jetzt eine Wohnung in Attendorn. Das ist auch gut, eine schöne Fahrstrecke jeden Tag entlang der Bigge. Ich denke, hier werde ich mich wohlfühlen.

Beste Wünsche für den Ruhestand

Gunnar, keine Angst vor dem riesigen Loch, dass da jetzt klaffen wird, wenn der Wecker morgens nicht mehr klingelt? Die WP kann sicherlich noch einen engagierten Zeitungsboten gebrauchen.

Steinbach: Ja klar, ich bin passionierter Frühaufsteher. Das war immer etwas, das mich gelockt hat. Und im übrigen fliegt Dein Aufnahmegerät jeden Moment aus dem Fenster.


Streber:
Deshalb sind wir ja alle Journalisten geworden (allgemeines Gelächter).

Steinbach: (ernsthaft) Langeweile werde ich nicht haben. Tausendprozentig nicht. Ich habe viele Ideen. Mein Sohn lebt in Toronto, meine Tochter in Köln. Da habe ich noch Besuchspflichten. Und die werde ich auch erfüllen, reise dieses Jahr noch nach Kanada.

Aber Großvater bist Du noch nicht?

Steinbach: Stand heute nein.

Gunnar, Ich wünsche Dir auf jeden Fall einen tollen Ruhestand. Mögen es noch einmal vier Jahrzehnte werden.

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