Jubiläum

Kirchenkreis schenkt Osteuropa seit 25 Jahren Hoffnung

Beim Festgottesdienst zum Jubiläum der Aktion „Hoffnung für Osteuropa in Westfalen“ in der Friedenskirche würdigten zahlreiche Gäste das langjährige Engagement.

Beim Festgottesdienst zum Jubiläum der Aktion „Hoffnung für Osteuropa in Westfalen“ in der Friedenskirche würdigten zahlreiche Gäste das langjährige Engagement.

Foto: Miriam Mandt-Böckelmann / IKZ

Letmathe.  Die Aktion „Hoffnung für Osteuropa in Westfalen“ hat in der Friedenskirche 25 Jahre Engagement für Frieden und soziale Gerechtigkeit gefeiert.

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Beim Festgottesdienst in der Letmather Friedenskirche haben die Gläubigen ein Jubiläum gefeiert: Das 25-jährige Bestehen der Solidaritätsaktion „Hoffnung für Osteuropa in Westfalen“. Dazu kamen zahlreiche Gäste der evangelischen Kirche Westfalen und des Kirchenkreises Iserlohn. Die bundesweite Aktion ist 1994 von evangelischen Kirchen und der Diakonie ins Leben gerufen worden, um nach dem Mauerfall die soziale Situation in den ehemaligen Ostblockstaaten zu verbessern.

Soziale Gerechtigkeit als Grundlage für Frieden

Bis heute sind vor allem Menschen mit Behinderungen, Ältere oder Arbeitslose, Angehörige von Minderheiten und Menschen auf dem Land auf Unterstützung und Hilfe diakonischer Initiativen, Kirchengemeinden und humanitäre Einrichtungen angewiesen. Nach Jahren des Kommunismus sind die Kirchen schwach, Unterstützung durch den Staat fehlt. Hier setzt die Aktion an: „Wir unterstützen Projekte lokaler Kirchen und Partnerorganisationen und fördern ihren Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit“, erklärte Martina Espelöer, Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreis Iserlohn. Projekte würden bezuschusst, und der fachliche und personelle Austausch über Ländergrenzen hinweg gefördert. Zuvor hatte Espelöer in ihrer Predigt allen Menschen gedankt, die seit 25 Jahren in diversen Projekten ein Zeichen für ein soziales Europa setzen.

„Soziale Gerechtigkeit schafft Frieden. Ihr seid uns ein Vorbild als Versöhner und Brückenbauer. Europa soll kein armseliges, zerstrittenes Haus sein, es soll ein Ort der Lebensmöglichkeiten sein“, sagte die Superintendentin im Gottesdienst. Für die musikalische Begleitung sorgten Annika Eisenberg (Orgel), Christine Otterstein (Sopran), der Posaunenchor der Friedenskirche (Leitung: Daniel Fellmann) sowie der Chor der Friedenskirche (Leitung: Christian Otterstein).

Beim anschließenden Treffen im Gemeindehaus berichteten Wanda Falk, Direktorin der Diakonie der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Polen und Dr. Pál Lackner, Bischofsrat der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Ungarn, von der bis heute prekären sozialen Situation in ihren Heimatländern. „Viele Menschen in Polen haben die Hoffnung auf ein besseres Leben verloren. Die Alten, Kranken und Arbeitslosen werden an den Rand der Gesellschaft gedrängt, sie sind die Verlierer der politischen Wende“, sagte Wanda Falk im Gespräch mit der Heimatzeitung. Dabei sei gerade Hoffnung die Kraft zur Veränderung. Dr. Pál Lackner verwies in diesem Zusammenhang auf das Erstarken rechter Parteien in Ungarn: „Die Versöhnungs- und Friedensarbeit über Ländergrenzen hinweg muss auch aus diesem Grund weitergehen.“

In Ungarn fördert die „Aktion für Osteuropa in Westfalen“ ein Hilfsprojekt in der kleinen Gemeinde Göncruszka nahe der Grenze zur Slowakei. Hier ist Geld knapp, vor Jahren sollte die örtliche Schule geschlossen werden. Mit der Unterstützung aus Westfalen wird sie in Trägerschaft der reformierten Gemeinde als integrative Schule weitergeführt, weitere Investitionen sind geplant. So soll ein Gemeinschaftshaus mit Café, Garten und Werkstätten entstehen und den Menschen vor Ort Arbeit geben.

Unterstützung aus Westfalen erhält auch die Diakonie der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen. Diese betreibt Pflegeheime, Selbsthilfeeinrichtungen und Initiativen der Jugendarbeit. Auch hier ist das Geld knapp, durch die Abwanderungen in den Westen besteht ein Mangel an Ärzten und Pflegekräften. Deshalb engagiere sich die Diakonie gezielt für die Ausbildung von Frauen als Pflegekräfte. „Ich danke ihnen im Namen aller Frauen, die bei uns eine Arbeit gefunden haben“, sagte Wanda Falk.

Schicksal von Kindern rührten Zuhörer zu Tränen

Als sie das Schicksal der sogenannten „Eurowaisenkinder“ schilderte, kamen so manchem Zuhörer die Tränen. „In Polen sind die Frauen in den ländlichen Gebieten besonders häufig arbeitslos. Um ihre Familie zu ernähren, suchen sie sich Arbeit im Westen – die Kinder bleiben alleine zurück.“ Auch hier hilft die Diakonie mit ihren pädagogischen Betreuungseinrichtungen.

Für Thomas Krieger, Referent für Europafragen im Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung, ist die Unterstützung durch die westfälische Kirche auch in Zukunft unverzichtbar. „Seit 25 Jahren leisten wir Versöhnungsarbeit. Dabei geht es auch immer darum, ein Zeichen zu setzen für ein gerechtes und soziales Europa.“ Die Hilfe kann sich sehen lassen: Im vergangenen Jahr wurden die 19 westfälischen Projekte mit knapp 100.000 Euro gefördert. Jetzt ist es an allen Beteiligten, dafür zu sorgen, dass beim nächsten Jubiläum in 25 Jahren keine Hilfe mehr nötig ist.

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