Kultur

Den Fall „Dagobert“ mit aufgeklärt

Kriminalforensiker Prof. Wolfgang Spyra im Gewölbekeller Letmathe.

Kriminalforensiker Prof. Wolfgang Spyra im Gewölbekeller Letmathe.

Foto: Michael May

Letmathe.  Im Gewölbekeller berichtete Prof. Dr. Wolfgang Spyra aus seinem Alltag als Kriminalforensiker. In den größten Fällen der deutschen Geschichte hat er ermittelt.

Schon mit ihrem ersten Musikstück gaben die Letmather Brüder Roland und Andreas Paroth im Gewölbekeller von Haus Letmathe die Richtung vor: „Große Haie, kleine Fische, viel Schatten, viel Licht, hier im Großstadtrevier. Große Sünden, kleine Schwächen, das wahre Gesicht, zeigt sich hier im Großstadtrevier“, heißt es in der Titelmelodie einer bekannten deutschen Polizei-Serie, die Andreas Paroth mit viel Pathos vortrug.

Unter dem Motto „Zur Strecke gebracht“ hatte die Letmather Zweigstelle der Stadtbücherei Iserlohn zu einer musikalischen Lesung mit Prof. Wolfgang Spyra geladen – und das Interesse an Mord und Totschlag war augenscheinlich groß, der Gewölbekeller war bis auf den letzten Platz gefüllt. Für den wohl renommiertesten Kampfmittel- und Sprengstoff-Experten Deutschlands war es ein Besuch bei Freunden: „Wir haben uns nach der Wende kennen und schätzen gelernt, als sich unsere Familie im Osten mit der Entsorgung und Sanierung von Altlasten auf den russischen Armeestützpunkten beschäftigt hat“, erklärte Roland Paroth. Man habe mit Spyra immer einen fachkundigen Berater an der Seite gehabt.

Als Kriminaltechniker mussman auch mal lachen können

Der Berliner plauderte aus seinem Arbeitsalltag als Kriminaltechniker. Dabei kam viel Spannendes, aber auch Skurriles ans Licht. „Die lustigen Anekdoten sind mein Lebenselixier. Als Kriminaltechniker sieht man an den Tatorten von Kapitalverbrechen so viel Gewalt und Leid, da muss man auch mal lachen können, sonst hält man das nicht aus“, erklärte er. Es sei wichtig, dass man sich alles manchmal von der Seele rede, oder – wie eben er – schreibe.

Der 73-Jährige hat ein interessantes Berufsleben hinter sich: Er absolvierte eine Lehre als Chemielaborant, studierte danach Technische Chemie mit dem Abschluss Diplom-Ingenieur. 1980 folgte die Promotion. 1983/84 war er Leiter der Direktion Polizeitechnische Untersuchungen beim Polizeipräsidenten in Berlin, ab 1994 Professor an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus, wo er den Lehrstuhl Altlasten inne hat. Dort lehrt er seit 2010 Kriminalistik im Studiengang Forensic Sciences and Engineering. Auch in die großen Kriminalfälle der Republik, wie die Fahndung nach dem Kaufhauserpresser Dagobert, war Spyra eingebunden.

„Einmal sollte die Geldübergabe während einer Zugfahrt passieren. Wir sollten die Tasche mit dem Geld aus dem Fenster werfen“, erinnerte er sich. „Ich habe dafür gesorgt, dass sie vorher mit Rauschgift präpariert wird, so hätten Spürhunde die Spur des Täters verfolgen können“, aber auch dieser Plan scheiterte – wieder führte Dagobert die Ermittler an der Nase herum. „Ich hatte durchaus Respekt vor diesem Mann, denn er war sehr intelligent“, so Spyra.

Den Hinterbliebenen einen Ortzum Trauern geben

Bis heute beschäftigt er sich mit Altfällen, bei denen kein Täter überführt werden konnte oder die Leiche des Opfers fehlt. „Für die Hinterbliebenen eines Mordfalles ist es aber extrem wichtig, dass die Leiche gefunden und bestattet wird, damit sie einen Ort haben, wo sie trauern können“, erklärte er seine Motivation.

Der Erfolge machen ihn stolz: „Ich habe mit meinem Team als Erster den genetischen Fingerabdruck in einem Gerichtsverfahren eingeführt“, sagte er. „Mein aktuelles Forschungsthema ist die Gefahr durch Pyro-Technik in Fußball-Stadien. Ich arbeite an einem Verfahren, um die Täter zu überführen“, so der Berliner. Denn: „Durch Bengalische Feuer entstehen schwerste Verletzungen, die Gefahr für unbeteiligte Fußball-Fans müssen wir unbedingt minimieren.“ Zwischendurch sorgten Andreas und Roland Paroth mit Songs wie „Moritat von Mackie Messer“ aus Brechts Dreigroschenoper für Unterhaltung – und das Publikum sang begeistert mit.

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