Buddhismus

Die Vergänglichkeit des Seins

Das Ausstreuen des bunten Sandes erfolgt mit höchster Konzentration, um ein hohes Maß an Präzision zu erreichen.

Das Ausstreuen des bunten Sandes erfolgt mit höchster Konzentration, um ein hohes Maß an Präzision zu erreichen.

Foto: Vanessa Wittenburg / IKZ

Letmathe.  In Letmathe sind zwei buddhistische Mönche zu Gast. In tagelanger, präziser Arbeit legen sie ein Mandala aus buntem Sand.

Rhythmisch reibt ein Mann im buddhistischen, gelb-roten Mönchsgewand zwei längliche Metallteile aneinander. An deren Ende verteilen sich daraufhin präzise Millionen von Sandkörnern, mit Naturfarben eingefärbt. Es bildet sich ein Muster, das vorher in wertvoller Kleinarbeit mit Bleistift auf die Arbeitsunterlage gezeichnet wurde – ein Mandala.

Höchst konzentriert arbeiten die beiden Mönche, Geshe Jamlo Dhondup und Geshe Pema Wangchen, aus dem Kloster Sera Dje im Süden Indiens, in der Fabrikhalle der Firma Werkbank.

Buddhistische Kultur und Traditionen vermitteln

„Seit Dienstag arbeiten die beiden Mönche an der Erstellung des Sandmandalas. Sie sind zehn Tage hier in Deutschland zu Gast und wollen uns die buddhistsche Kultur und ihre Traditionen näherbringen“, erklärt Torsten Theiler, der die Mönche aktuell beherbergt. An fünf Tagen erstellen die Mönche nach Gelug-Tradition, der jüngsten der vier Hauptschulen des tibetanischen Buddhismus, ein aus buntem Sand bestehendes Mandala. Dies zeigt sogenannte Mandala-Paläste, die einzelne oder auch mehrere, versammelte Buddhas abbilden und in ihrer Bedeutung tief religiös sind. „Die Anhänger der Gelug-Schule schätzen das Studium als besonders wichtig ein, daher haben die beiden Mönche bereits ein 22-jähriges Studium des Buddhismus im Kloster Sera Dje hinter sich“, erläutert Theiler den Hintergrund der zwei Mönche. Torsten Theiler selbst ist Mitglied des Tibetischen Zentrums, dessen Ziel es ist, Buddhismus in Theorie und Praxis zu vermittelns sowie Toleranz und Gewaltlosigkeit zu fördern. 2005 lernte er dadurch auch den Dalai Lama kennen.

Mönche sammeln Spenden für Schulbesuch tibetischer Kinder

Der Schaffensprozess der Sand-Mandalas, die als heilig gelten, dient der Meditation. Das Betrachten der tagelangen konzentrierten und meditativen Arbeit soll gegen die drei „Geistesgifte“ Gier, Hass und Verblendung wirken und den Geist des Betrachters reinigen. „Am Sonntag wird das Sand-Mandala dann aufgelöst, in einem Ritual. Diese Auflösung symbolisiert die Vergänglichkeit des Seins“, erklärt Torsten Theiler. Das solle die „Anhaftung an das eigene Ich“ überwinden und das damit verbundene Leid auflösen. „Die Mönche lassen uns hier an dieser schönen Tradition teilhaben, da sie auf Spenden angewiesen sind. Damit ermöglichen sie den Kindern der osttibetanischen Region Dargye den Besuch einer buddhistischen Schule. Dort erhalten sie unter der Woche Unterkunft und Nahrung, denn der Weg zur Schule ist für sie meist ein ganzer Tagesmarsch“, sagt Theiler zur Motivation der Gäste aus Südindien.

Wer jetzt neugierig geworden ist und die bunten Sand-Mandalas in ihrem Prozess bis hin zur Vollkommenheit betrachten will, kann dies noch am heutigen Freitag und am morgigen Samstag tun, zwischen 13 und 17 Uhr in den Räumlichkeiten der Firma Werkbank im Gewerbepark „Auf der Insel“ an der Oeger Straße 47. Am Sonntag folgt dann die rituelle Auflösezeremonie, Beginn ist um 11 Uhr. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

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