Kultur

Doppelte Premiere im Gewölbekeller

Mit Gregor Pallast war erstmals ein politischer Kabarretist im Gewölbekeller von Haus Letmathe zu Gast. Die Zuschauer erlebten die Vor-Premiere seines neuen Progamms "Ansichtssache". 

Mit Gregor Pallast war erstmals ein politischer Kabarretist im Gewölbekeller von Haus Letmathe zu Gast. Die Zuschauer erlebten die Vor-Premiere seines neuen Progamms "Ansichtssache". 

Foto: Miriam Mandt-Böckelmann / IKZ

Letmathe.  Als erster politischer Kabarettist stellte Gregor Pallast in Haus Letmathe sein neues Programm vor.

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Eine doppelte Premiere erlebten die Besucher von „Kultur im Gewölbekeller“ im Haus Letmathe: Zum ersten Mal gab es hier politisches Kabarett, und Gregor Pallast aus Bonn stellte sein neues Programm „Ansichtssache“ der Öffentlichkeit vor. Für Künstler sind diese Vorpremieren ganz besondere Momente: Werden die Gags an der richtigen Stelle zünden? Stimmen die Übergänge? Und – ganz allgemein – wie steht es mit der eigenen Gedächtnisleistung?

Bisweilen zu ambitionierter Anspruch ans Allgemeinwissen

Gregor Pallast meisterte die „Geburt seines Babys“ – abgesehen von einigen Texthängern, die ihm das Publikum aber nicht übelnahm. An der einen oder anderen Stelle ist sicher noch Feintuning nötig – nicht jeder Zuhörer hatte etwa noch parat, worum es beim Cum-Ex-Skandal ging. Auch der Sprung vom Waldsterben zu Alexander Gauland von der AfD kam etwas zu stürmisch.

Ging es von den Höhenflügen aber in die Niederungen des Alltags, hatte das dritte Kabarett-Programm des gelernten Lehrers viele zündende Witze zu bieten, denn auch politisches Kabarett dürfe Spaß machen, so Pallast: „Es ist nicht das Domina-Studio der Kleinkunst.“ Immer wieder beliebt für den Spott der Kabarettisten: Die Auto-Liebe der Deutschen („Man kann den Deutschen alles verkaufen, so lange man es in ein Auto einbauen kann!“). Besonders SUV-Fahrer gerieten ins Fadenkreuz. „Wie nutzt man das bequeme Einsteigen aus? Indem man extra zweimal ein- und aussteigt, bevor man losfährt?“ Im Parkhaus müssten viele SUV-Fahrer entscheiden, ob sie parken oder aussteigen.

Zum Thema Klimaschutz war es nicht weit. Dazu seien die Deutschen bereit, „aber bitte so dass, es niemand merkt“. Deshalb werde es beim Motto der Nachkriegsjahre „Meine Kinder sollen es einmal besser haben, langsam eng“. Von „Jägern und Sammlern“ habe sich die Menschheit zu „Ackerbauern und Viehzüchtern“ und schließlich heute zu „Verbrauchern und Verschwendern“ entwickelt.

Natürlich bekamen auch die Volksvertreter in Berlin und der starke Mann in Amerika sein Fett weg. Pallast über Donald Trump: „Die Lieblingsbeschäftigung eines Patrioten ist zu definieren, wer alles nicht dazugehört – der Islam, die Flüchtlinge . . .“

Aus dem Bibel-Spruch „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ werde in der heutigen Zeit, immer öfter: „Die eigenen Kinder bringt man zum Schwimmunterricht, die Nachbarskinder nimmt man mit ins Schwimmbad – und die Bootsflüchtlinge im Mittelmeer, die lässt man ertrinken.“ Schwarzer Humor, der mitten ins Herz traf.

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