Stadtbild

Fachwerkhaus mit Anbau hat nach über 200 Jahren ausgedient

Rolf Rademacher zeigt eine Computergrafik, die den geplanten Neubau an der Hagener Straße 61 zeigt. Die Abrissarbeiten sollen rund sechs Wochen dauern, die geplante Bauzeit beträgt etwa ein Jahr.

Rolf Rademacher zeigt eine Computergrafik, die den geplanten Neubau an der Hagener Straße 61 zeigt. Die Abrissarbeiten sollen rund sechs Wochen dauern, die geplante Bauzeit beträgt etwa ein Jahr.

Foto: Alexander Barth / IKZ

Letmathe.  Das Fachwerkhäuschen an der Hagener Straße 61 wird abgerissen. Der Neubau mit Wohnungen und Gewerbefläche könnte Ende 2020 bezugsfertig sein.

Das kleine Gebäude an der Hagener Straße mit der Nummer 61 hat mehr von der Geschichte des Ortes gesehen als jeder Letmather. Mindestens 200 Jahre müsse das Fachwerkhaus alt sein, meint Rolf Rademacher, Mitglied der Eigentümerfamilie: „Das war eines der ersten Gebäude hier.“ Jetzt ist es am Ende seines Lebens angekommen und soll einem Neubau Platz machen.

Im öffentlichen Bewusstsein dürften vor allem die letzten Mieter der Gewerbefläche im Erdgeschoss das Bild des Häuschens bestimmt haben: Der Laden der Familie Panciera, die 1955 aus Norditalien immigrierte und das erste Eiscafé am Ort eröffnete – und die Zweigstelle der Heimatzeitung. „Wir haben versucht, Nachmieter zu finden. Mit der Bausubstanz ist das aber nicht zu machen, zumindest nicht wirtschaftlich“, erklärt Rademacher. Das betrifft sowohl den kleinen Altbau an der Straßenseite als auch den größeren Anbau aus den 70er Jahren auf der Seite zum Lennedamm. Eine Kernsanierung wäre viel zu aufwendig, erklären Rademacher und Bauingenieur Kai vom Lehn, der die Errichtung des Nachfolgebaus verantwortet.

Stadt macht Gewerbefläche im Erdgeschoss zur Auflage

Neun seniorengerechte Wohnungen mit einer Größe von 100 bis 155 Quadratmetern, eine neue Gewerbefläche im Erdgeschoss und eine Tiefgarage sieht der Grundriss vor. „Ursprünglich wollten wir eine reine Wohnbebauung, aber die Stadt hat uns die Gewerbefläche zur Auflage gemacht“, berichtet Rademacher. Während es für erstere schon zahlreiche Interessenten gebe, sei unklar, wer letztere anmieten wird. Der geplante Zuschnitt entspreche der Nachfrage in Letmathe, erklärt Kai vom Lehm: „Viele Ältere geben ihr Haus auf und sind nicht bereit, sich direkt auf 70, 80 Quadratmeter zu verkleinern. Auch Familien brauchen den Platz.“

Im Gebäude haben Arbeiter vergangene Woche mit dem Abriss begonnen und trennen dabei Materialien wie Holz und Stein, denn die Entsorgung unsortierten Bauschutts ist außerordentlich teuer. Im Altbau zeugen Tapeten- und Farbschichten von der jüngeren Geschichte, das Fachwerk und die mit Lehm verfüllten Zwischenräume von den Ursprüngen. Noch vor 40 Jahren kamen handwerklich rustikale Methoden zum Einsatz, wie zerknüllte Zeitungen belegen, die als Stopfmaterial beim Verputzen dienten: eine vergilbte Ausgabe ist auf den 11. August 1979 datiert. „Auf einer der oberen Etagen haben wir ein Paar Schlittschuhe aus den Wänden geholt“, erzählt Rolf Rademacher.

Fachwerk aus Eichenholz hat noch nicht ausgedient

Der Abriss soll innerhalb der nächstens sechs Wochen erledigt sein, die Bauzeit ungefähr ein Jahr betragen. „Wie gut wir mit dem Rohbau vorankommen, hängt auch davon ab, wie hart der Winter wird“, verweist Bauingenieur Vom Lehn auf Faktoren, die er nicht beeinflussen könne. Denkmalschutz sei zu keinem Zeitpunkt ein Thema gewesen, erklärt Rolf Rademacher: „Beim Anbau ohnehin nicht, auch der Altbau ist weder einzigartig noch ortsbildprägend.“ Die antiken Eichenbalken sollen aber nicht auf den Müll wandern – viel zu schade und mehr als stabil genug, um noch einmal verbaut zu werden, sind sich beide einig.

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