Corona-Lockerungen

Förderschule in Letmathe auf der Suche nach Normalität

Mit pädagogischen Mitteln wie dem „Waldtag“ sollen sich die Brabeckschüler von der Corona-Krise erholen.

Mit pädagogischen Mitteln wie dem „Waldtag“ sollen sich die Brabeckschüler von der Corona-Krise erholen.

Foto: Märkischer Kreis / IKZ

Letmathe/Iserlohn.  Die Brabeckschule nimmt Montag den Regelbetrieb wieder auf. Die Krise hat die Schüler besonders hart getroffen.

Mit dem Start der kommenden Woche wird in den Förderschulen in NRW wieder eine gewisse Normalität Einzug halten. Gemäß eines ministerialen Erlasses von Freitag soll auch die Brabeckschule mit ihren Standorten in Letmathe und Iserlohn ab 15. Juni den Regelbetrieb im Klassenverband mit den Stufen 1 bis 4 wieder aufnehmen. Gefördert werden dort vor allem Kinder und Jugendliche mit Defiziten im Bereich Lernen.

„Durch die Corona-Pandemie werden Missstände vergrößert wie im Brennglas“, sagt Schulleiter Thilo Pelzing, denn im Regelschulbetrieb sei eine persönliche Begleitung von Kindern mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf unerlässlich. „In den letzten Wochen fehlte gerade diesen Kindern die handelnde Auseinandersetzung mit Lerninhalten. Digitalisierung ist schon lange ein Standardelement an der Brabeckschule. Doch vernachlässigt ein rein kognitiver Zugang die verschiedenen Lerntypen an der Förderschule. Die häuslichen Voraussetzungen sind oft unzureichend. So verlieren wir die Kinder“, warnt Thilo Pelzing.

Förderschulen brauchen Vielfalt in der Vermittlung

Die Brabeckschule biete Voraussetzungen, wie die Kinder auch in schwierigen häuslichen Lagen erreicht werden können. Begleitet werden die Klassen jeweils von zwei Sonderpädagogen und einem multiprofessionellen Team aus Schulsozialpädagogin, Jugendhelfern, pädagogischen Mitarbeitern und anderen künstlerischen und handwerklichen Professionen.

In den letzten Wochen seien die Lernpakete mit motorischen und künstlerischen Anregungen aufgepeppt worden, erklärt Pelzing. Dennoch bleibe auch dort die Gefahr die emotionale Bindung zwischen Kindern und Lehrkräften zu verlieren, betont der Schulleiter: „Verbindung und professioneller Kontakt ist das Gegenmittel zu Abstand.“

Seit der Wiederöffnung von Schulen in NRW in Primar- und Sekundarstufe unterrichtet an der Brabeckschule das jeweilige Klassenteam täglich drei Kinder pro Klasse, jedes Kind war einmal in der Woche in der Schule um Wochenpläne aufzuarbeiten und neu zu planen. Hebt das nicht den Personalschlüssel aus den Angeln? Nein, sagt Thilo Pelzing: „An der Brabeckschule werden schon immer kleinere Lerngruppen gebildet als an Regelschulen.“ Zudem könnten Stunden in Doppelbesetzungen erfolgen, die von Ganztagskräften ergänzt würden. Die prozentuale Stellenbesetzung sei überdurchschnittlich gut, was offenbar längst die Runde gemacht habe: „Es werden vermehrt Anfragen an die Schulleitung gestellt , ob sich Lehrkräfte aus dem Regelschulbereich zur Brabeckschule versetzen lassen können.“

Erhöhte Nachfrage von wechselwilligen Kollegen

In den vergangenen Wochen besuchten zwei Schulsozialarbeiter von der evangelischen Jugendhilfe Kinder, bei denen sich ein Kontaktverlust abzeichnete, im häuslichen Umfeld, außerdem wurde ein Kummertelefon eingerichtet. Dort meldeten sich nach den Osterferien regelmäßig Kinder, die ihre Seele ausschütteten und einfach mal jemanden zum Zuhören brauchten.

„Ich weiß schon jetzt, dass wir den Kindern die Sorgen der letzten Wochen nehmen können, wenn sie zum Beispiel wieder ihren Waldtag genießen können. Das fühlt sich nicht wie Unterricht an, ist aber basale und individuell geplante beste sonderpädagogische Förderung. So können wir die Kinder wenigstens im übertragenen Sinne an die Hand nehmen. Das würde sonst in unserem Motto mit Herz, Hand und Kopf gänzlich fehlen“, sagt Thilo Pelzing.

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