Kiliansdom

Frühjahrsputz mit schwerem Gerät

Restauratorin Uta Scholand reinigt das Kriegerdenkmal im Dom.

Restauratorin Uta Scholand reinigt das Kriegerdenkmal im Dom.

Foto: Alexander Barth

Letmathe.  Die Sanierung des Kiliansdoms schreitet im Zeitplan voran. Für die Eröffnung am Pfingstsonntag verspricht der Chef-Renovator eine Überraschung.

Die Renovierung im Kiliansdom dauert an, bis zur feierlichen Einweihung am Pfingstsonntag soll alles fertig sein. Bei einem Rundgang hat Chef-Renovator Volker Bellebaum exklusive Einblicke gewährt. Das Aussehen des Gewölbes und den Kirchraum als Ganzes zeigen wir an dieser Stelle nicht, um der Gemeinde die Überraschung nicht zu verderben.

Kein Geheimnis ist eine neue Nische, die am Sakristeieingang entstanden ist. Steinmetzmeister Karsten Jung zeigt, wo Gewölbe und Verzierungen am Vorbild der übrigen Architektur nachgebildet worden sind. Bei den Verzierungen fehlte am Mittwoch nur noch die Farbe. „Der Teil war komplett aufgemauert, es gab da nur einen kleinen Hohlraum – gefunden haben wir darin aber nichts“, berichtet Bellebaum. Der Eingriff in die Architektur ist denkmalpflegerisch gerechtfertigt, denn er bringt den Innenraum der ursprünglichen Bauzeichnung von 1917 näher.

Großes Gerüst im Innenraum ist schon abgebaut worden

Der größte Teil des Gerüstes im Innenraum ist verschwunden. Auf diese Weise eingekleidet ist nur noch die Orgelbühne, wo letzte Hand angelegt wird. Der Boden hingegen ist noch unter der Schicht aus Schutzplatten verborgen, die die alte Bausubstanz vor Schäden bewahren sollen. Im Eingangsbereich und den Nebenräumen des Doms wird noch Farbe aufgetragen, mit Hilfe einer mobilen Arbeitsbühne feilen die Handwerker an Details.

Genau genommen wird gemeißelt: nämlich an schadhaften Stellen an den Basen der Säulen, die das Dach der Kirche tragen. Der Mitarbeiter einer Hagener Steinmetzfirma lässt Hammer und Meißel über das Gestein sausen, jeder Schlag muss sitzen – was unbeabsichtigt abbricht, kann nur mit Aufwand wieder repariert werden.

Man könnte sagen, dass im Kiliansdom gerade der Frühjahrsputz erfolgt. Patina hat ihren Wert, aber bis zur Wiedereröffnung soll viel Schmutz verschwinden, der sich im Laufe der Jahre eingenistet hat. Mit dieser Mission sind auch die Restauratoren Uta Scholand und Hubertus Peez aus Marsberg betraut, die mit ihrer Runde gerade bei der Krieger-Gedächtnis-Kapelle für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs angekommen sind. Dabei wird mit Werkzeugen wie Schabern und Pinseln und speziellen Chemikalien gearbeitet. Am Ende soll es nicht nur „frischer“ wirken, die gravierten Inschriften sollen auch gut zu lesen sein.

Fertig geputzt ist inzwischen der Kreuzweg. Die Figuren, die für eine Generalüberholung ihre angestammte Heimat vorübergehend verlassen mussten, stehen an einem staubsicheren Ort bereit für den Wiedereinbau. Die Skulpturen haben eine Lasur gegen altersbedingten Graustich erhalten, außerdem haben die Fachleute kleinere Macken beseitigt.

Glocken halten Winterschlaf, bis der neue Stuhl fertig ist

Der „neue“ Kiliansdom bekommt auch neue elektrische Lebensadern. Für die Unterverteilung des Stroms in dem weitläufigen Gebäude werden neue Leitungen verlegt und das gesamte System an die aktuellen Sicherheitsstandards angepasst. Auf dem Kirchturm, wo bis vor Kurzem noch Glockenmonteure die tonnenschweren Klanggeber abgehängt und den alten Glockenstuhl ausgebaut haben, ist Ruhe eingekehrt. An dem neuen Stuhl, der sich positiv auf die Tonqualität auswirken soll, tüfteln die Spezialisten der Firma Petit & Edelbrock derzeit in Gescher.

Die Sanierung ist in gewisser Weise ein Familienprojekt: Unter den acht gewählten Mitgliedern des heutigen Kirchenvorstands sind vier, deren Väter sich bereits vor 40 Jahren der großen Aufgabe gestellt haben: Volker Bellebaum, Sohn von Gerard Bellebaum; Michael Brieden, Sohn von Heinz Brieden; Clemens Erbeling, Sohn von Ludwig Erbeling und Jürgen Schauerte, Sohn von Heinz Schauerte. Und damit nicht genug: Mit Christoph Stiegemann berät der Sohn von Architekt Heinrich Stiegemann das Projekt als Kunsthistoriker – damals wie heute.

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