Ehrenamt

„Gleichstellung maßgeblich befördert“

Vizebürgermeister Michael Scheffler überreicht auf der Monatsversammlung des Letmather Hausfrauenbunds die Duesberg-Plakette und eine Urkunde an Irene Czessack.

Vizebürgermeister Michael Scheffler überreicht auf der Monatsversammlung des Letmather Hausfrauenbunds die Duesberg-Plakette und eine Urkunde an Irene Czessack.

Foto: Michael May / IKZ

Letmathe.  Irene Czessack hat für ehrenamtliches Engagement und Verdienste um die Zivilgesellschaft die Duesberg-Plakette erhalten.

Seit Irene Czessack im Februar ihr Amt als Vorsitzende des Letmather Hausfrauenbunds abgegeben hat, gönnt sich die 74-Jährige mehr Zeit für sich selbst und ihren Gatten. Dass sie sich das redlich verdient hat, daran hat offenbar auch die Stadtverwaltung keinen Zweifel: In der Runde der Fraktionsvorsitzenden ist die Entscheidung gefallen, das langjährige ehrenamtliche Engagement von Irene Czessack offiziell zu würdigen und die Letma­therin für ihre Verdienste um die Zivilgesellschaft mit der Duesburg-Plakette auszuzeichnen.

Ein halbes Jahrhundert ehrenamtliches Engagement

Stellvertretend für den urlaubenden Dr. Peter Paul Ahrens besuchte Vizebürgermeister Michael Scheffler (SPD) die monatliche Zusammenkunft des Ortsverbands der „Crea(k)tiven Hausfrauen im DHB-Netzwerk Haushalt“ im Kolpinghaus, um die die Auszeichnung feierlich zu überreichen. „Das ist heute eine besondere Versammlung“, deutete Martina Stenger aus dem neuen Vorstandsteam an und übergab das Wort an Michael Scheffler, der bestätigte, es handle sich „in der Tat um einen ganz besonderen Anlass.“ Die Entscheidung der Verwaltung begründete er mit dem zweifachen Wirken Irene Czessacks: Auf der einen Seite stünde ein halbes Jahrhundert aktive ehrenamtliche Mitarbeit, die für sich genommen schon große Anerkennung verdiene.

Darüber hinaus würdigte Scheffler den „beispielhaften“ Einsatz der Letmatherin für Gleichstellung und Emanzipation. Schon die Gründung des Ortsverbands im Jahr 1975 habe unter diesem Zeichen gestanden: „Es waren gerade keine sogenannten Heimchen am Herd, die sich da engagiert haben“, betonte Scheffler. Auch der Beruf der Hausfrau generell müsse in einem anderen Licht gesehen werden, als dies oft der Fall gewesen sei – hier sei auch Vorarbeit geleistet worden, um diese Tätigkeit zu professionalisieren und heute auch in Form von Studiengängen zu lehren.

Aktiv in der frühen Phase der Emanzipation

Mit Blick auf die Historie des Hausfrauenbundes in Deutschland merkte der Vizebürgermeister an, 1935 habe sich der Verein lieber aufgelöst, als sich von den Nationalsozialisten instrumentalisieren zu lassen: „Ein deutliches politisches Signal.“ Irene Czessack engagierte sich später in einer Zeit, als die Emanzipation noch in den Kinderschuhen steckte. Bis in die späten 70er Jahre war die standesamtliche Ehe eine Institution mit klarer Rollenverteilung: Der Mann sollte Geld verdienen, die Frau Haushalt und Kinder versorgen. Wollte eine verheiratete Frau eine Tätigkeit aufnehmen, brauchte sie die schriftliche Erlaubnis ihres Ehemanns. „Das ist gar nicht so lange her“, meinte Michael Scheffler mit Blick auf die 1977 in Kraft getretene Reform des deutschen Ehe- und Familienrechts.

„Mit Ihrem ehrenamtlichen Engagement haben Sie die Emanzipation und Gleichstellung maßgeblich befördert“, lobte Scheffler und zeigte sich überzeugt, dass viele später Geborene davon „heute noch profitieren“. Irene Czessack erklärte, die Arbeit im Hausfrauenbund sei „viel mehr als Kochen und Backen“ – auch wenn das zweifellos dazugehört, wie sie selbst bestätigte, als sie ihrer Nachfolgerin Martina Stenger das letzte überzählige Exemplar einer Rezeptesammlung des Vereins von 2011 als Geschenk überreichte.

Nachdem seine Frau die Auszeichnung vom Vizebürgermeister entgegen genommen hatte, ergriff auch Irene Czessacks Ehemann das Wort: „Ich fühle mich auch geehrt, denn ich habe meine Frau stets unterstützt“, sagte er und betonte, das gelte für viele der Frauen, die über die Jahre beim Hausfrauenbund aktiv gewesen seien.

Diesen bezeichnete Michael Scheffler als „unverzichtbare Institution“ für Letmathe. Er beglückwünschte Irene Czessack auch dazu, mit dem neuen Vorstandsteam eine Nachfolge gefunden zu haben und die Sorge um die Zukunft des Vereins ruhen lassen zu können. Die langjährige frühere Vorsitzende bleibt ihrem Credo treu: „Alles im Leben ist eine Frage der Organisation.“

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