Klage

Gütetermin endet ohne Einigung

Thilo Krüger (Mitte, mit Fahne) hat von seinem Arbeitgeber, dem Letmather Unternehmen Risse+Wilke, die Kündigung erhalten. Jetzt streiten sich beide Seiten vor dem Arbeitsgericht

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Iserlohn/Letmathe.  Eine Demon­stration rund um einen Gütetermin am Arbeitsgericht Iserlohn – das gibt es nicht oft. Doch am Freitagvormittag solidarisierten sich rund 20 Freunde und Gewerkschaftsmitglieder mit Thilo Krüger bei dessen Auseinandersetzung mit dem Letmather Unternehmen Risse+Wilke. Das hatte Krüger bereits im November 2015 mit Wirkung zum 30. Juni dieses Jahres gekündigt, wogegen sich Krüger nun zur Wehr setzt.

Hintergrund: Der Elektriker kann seinen Beruf aufgrund zweier Knie-Operationen nicht mehr ausüben, eine körperliche Behinderung ist festgestellt worden. Trotz des besonderen Kündigungsschutzes, unter dem Krüger dadurch steht, soll er gehen, da sein Arbeitgeber angibt, keinen Ersatzarbeitsplatz anbieten zu können.

Der Streit elektrisiertdie Gewerkschaft

Dieses Nichtvorhandensein eines Ersatzarbeitsplatzes halten Krüger, sein Gelsenkirchener Anwalt Frank Stierlin und die Gewerkschaftler, die aus der ganzen Region zum Gerichtstermin nach Iserlohn kamen, für unglaubwürdig. Risse+Wilke lässt sich in dieser Angelegenheit durch den Arbeitsrechtler Christoph Willemsen vom Märkischen Arbeitgeberverband vertreten. Er argumentierte während des Termins: „Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe hat nach sehr langer und sehr ausführlicher Prüfung des Falls genauso wie der Integrationsfachdienst, die Berufsgenossenschaft und die mit dem Fall vertrauten Arbeitsmediziner in ausführlicher Stellungnahme die Zustimmung zum Vorgehen des Unternehmens erteilt.“

Krüger wurde während der Verhandlung eine Abfindung statt eines Ersatzarbeitsplatzes angeboten. Damit verbunden war die Hoffnung auf eine einvernehmliche Lösung des Konflikts. Doch diese lehnen Krüger und sein Anwalt strikt ab. Arbeitsrechtler Stierling sagte während des Termins deutlich: „Dazu kann es nur in Form eines Ersatzarbeitsplatzes kommen.“ Auch Krüger schüttelte den Kopf. „Ich kann keine Abfindung akzeptieren, ich muss doch die Zeit bis zur Rente überbrücken.

Die Unterstützer des Klägers, die vor Jahren sogar einen Solidaritätskreis „Thilo Krüger“ gebildet haben, sind außerdem davon überzeugt, dass Risse+Wilke die Gunst der Stunde nutzen möchte, einen unbequemen Arbeitnehmer loszuwerden, Mobbing-Vorwürfe stehen in diesem Zusammenhang ebenfalls im Raum, sie wurden allerdings nicht näher ausgeführt.

Schritte der Firma „nicht politisch motiviert“

Arbeitgeberanwalt Christoph Willemsen, an dessen Seite am Freitag Personalleiterin Ina Wilke saß, verwies eine politische Motivation der Arbeitgeberseite ins Reich der Fabeln. „Die Zugehörigkeit Herrn Krügers zur Gewerkschaft spielt doch keine Rolle. Risse+Wilke ist weit davon entfernt, mitbestimmungsfeindlich zu sein. Ich bedaure diese einseitige Weltsicht.“

Nur in einem Punkt sind sich beide Seiten wohl einig: Sie sind gespannt auf den 19. April, dann beschäftigt das Arbeitsgericht erneut mit diesem Fall.

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