Menschen

„Hier arbeiten nur die Kräfte der Natur“

Erfinder Edmund Scholz mit „seiner“ Maschine in der heimischen Garage.

Erfinder Edmund Scholz mit „seiner“ Maschine in der heimischen Garage.

Foto: Michael May / IKZ

Letmathe.  Edmund Scholz hat einen Antrieb erfunden, der ohne Schadstoffe auskommt. Die Idee zu dem Prinzip dahinter kam ihm einst beim Arbeiten im Garten.

Die bekannteste Anekdote über den griechischen Mathematiker Archimedes erzählt davon, wie diesem einst eine bahnbrechende Idee an ungewöhnlicher Stelle kam – nämlich in seiner Badewanne. Sein Körper verdrängte das Wasser, das aus der Wanne floss. Wie die Legende weiter besagt, soll Archimedes vom Geistesblitz getroffen vor Freude aus der Wanne gesprungen und nackt nach Hause gerannt sein, laut „Heureka, Heureka“ schreiend – frei übersetzt „ich hab’s gefunden“. Der Grieche soll so erkannt haben, dass man anhand der Menge des verdrängten Wassers die Dichte eines Körpers indirekt bestimmen kann. Hilfreich, da ihm der König Hieron zuvor den Auftrag erteilt hatte, zu prüfen, ob denn seine Krone wirklich aus purem Gold besteht.

Nun ist Edmund Scholz, 90 Jahre, aus Letmathe, weder Grieche noch Mathematiker noch Physiker. Eine Parallele besteht zwischen ihm und dem Vorreiter der modernen Naturwissenschaften aber schon. Zumindest, wenn die erwähnte Archimedes-Anekdote wahr sein sollte.

„Mensch, vielleicht lässt sich so ja Kraft erzeugen“

Denn auch Edmund Scholz kam die Idee zu seiner Erfindung, die er erst Jahrzehnte später fertigstellen sollte, bei einer eher alltäglichen Handlung. Nämlich beim Blumengießen. „Ich hab eine Gießkanne unter Wasser gedrückt – und da blies es mich an. Ich dachte: ,Mensch, vielleicht lässt sich so ja Kraft und Energie erzeugen.’“

Gesagt, getan – gut 20 Jahre und ungezählte Experimente später kann man das Ergebnis von Idee, viel Arbeit und wohl auch einer wohl nicht ganz geringen Menge Geld in Edmund Scholz’ Garage bewundern. „Schadstofffreie Antriebsvorrichtung“ lautet der etwas unhandliche Name jener hüfthohen silbrigen Kiste, die mit einer Gasflasche gekoppelt ist und an deren äußerer Hülle sich Zahnriemen in Bewegung setzen, sobald Edmund Scholz eine kleine Maschine einschaltet und ein paar Ventile öffnet.

Eine Art Perpetuum mobile? „Besser“, freut sich der ehemalige technische Angestellte bei Hänsel Textil in Iserlohn, der gebürtig aus dem Sudetenland stammt und zuvor bereits Weber und Maurer gelernt hatte.

Besser, weil die Maschine von Edmund Scholz Energie erzeugt. Und zwar deutlich mehr als in die Fischteichbelüftungspumpe eingeführt werden muss, die sozusagen das weitere System in Bewegung bringt.

Der Patentantrag läuft bereits, die Vermarktung auch

Stark vereinfacht ausgedrückt wird Luft in den silbernen Klotz gepumpt. Dort finden sich zwei Turbinen unter Wasser, die durch die aufsteigende Luft betrieben werden und so ein Drehmoment erzeugen. Die eingeführte Luft wiederum wird an mehreren Stellen komprimiert und so durch das System gepresst – im Prinzip eine Art Kreislauf, der aus Verdichtung und Hebelwirkung Bewegung erzeugt. „Am Ende steht ein enormes Drehmoment“, sagt Edmund Scholz nicht ohne Stolz. „Hier arbeiten die Kräfte der Natur.“

„Einsatzmöglichkeiten“, ist er sich sicher, „gibt es einige“. Klimaanlagen, Fahrzeuge und Boote, Hydraulikpumpen und mehr. Wenn man mit Edmund Scholz spricht, hat er bereits Ideen im Kopf, wie sich seine Erfindung denn noch verbessern ließe. Zentimeter-Abstände, Kranzmaße, Tiefe und Volumen – wenn er altersbedingt auch daheim keinen zweiten Kraftakt wie bei dem Bau seiner Maschine mehr stemmen will, die er mit Zettel und Stift und ohne Computer entworfen hat, ist er von deren Prinzip überzeugt.

Einen entsprechenden Patentantrag hat der Rentner bereits eingereicht. Parallel hat er die „jmw innovation GmbH“ mit der Vermarktung beauftragt. „Die vielseitig einsetzbare Antriebsvorrichtung zeichnet sich durch eine innovative Technologie aus, insbesondere ist die Schadstofffreiheit ein wesentlicher Aspekt“, heißt es in der Produktbeschreibung der Firma.

Wie es nun weiter geht, weiß der Erfinder noch nicht. Aber angesichts der Klimaproblematik sei die Maschine eine gute Sache. „Ich bin für alles offen“, sagt Edmund Scholz.

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