Stadtbild

Junge Kunst gegen Rassismus an der Letmather Lennepromenade

Für die Kinder und Jugendlichen war die Gestaltung der Bilder nicht nur ein großer Spaß, sie wollen damit auch ein Zeichen setzen.

Für die Kinder und Jugendlichen war die Gestaltung der Bilder nicht nur ein großer Spaß, sie wollen damit auch ein Zeichen setzen.

Foto: Michael May / IKZ

Letmathe.  Kinder und Jugendliche haben die leeren Bilderrahmen an der Lennepromenade mit Leben gefüllt – und sie haben eine Botschaft.

„Nur Wäsche sollte nach Farbe sortiert werden.“ Großformatig ist dieser auf Rassismus gemünzte Spruch seit gestern an der Lennepromenade zu lesen, wo Kinder und Jugendliche den Erwachsenen aus der Patsche geholfen haben: Die dortigen Bilderrahmen sind seit einer Weile leer, was wie so vieles in diesen Tagen mit ausfallenden Veranstaltungen und der Corona-Pandemie zu tun hat.

Das Kinder- und Jugendbüro der Stadt Iserlohn, der im März neu gegründete Kinder- und Jugendrat (KiJuRat) und die Abteilung für Stadtentwicklung haben jedoch schon vor Monaten die Köpfe zusammengesteckt. Stadtplanerin Dr. Dagmar Lehmann hatte im Frühjahr die Situation an der Promenade im Blick: „Es gab viele Bürgeranfragen, weil die Rahmen leer waren“.

Auf der Suche nach gestalterischen Ideen wandte sie sich an die Kinder- und Jugendbeauftragte Petra Lamberts. „Dann kam der Lockdown“, erinnert sich diese. Da inzwischen jedoch im Rahmen des städtischen Ferienprogramms „Kids & Kunst“ Aktionen möglich waren und sich auch der neue KiJuRat zum gemeinsamen Kreativsein getroffen hat, dürfen sich Besucher ab sofort über wohltuende Farbakzente an der Lenne freuen.

Am Freitagmittag trotzte ein gutes Dutzend junger Menschen den hochsommerlichen Temperaturen und half nicht nur beim Aufhängen der fertigen Werke, sondern schuf auch vor Ort Kunst – mit „Action Painting“, genauer gesagt einem Dauerfeuer aus mit verdünnter Farbe gefüllten Wasserbomben. Während sich bei diesem Teil der Aktion die Jüngsten besonders enthusiastisch einbrachten, nahmen Mitglieder des KiJuRats Stellung zu ihrer Motivation und ihrer Zielsetzung.

„Es ist uns wichtig, dass die Welt offener wird und wir in unserer Stadt etwas gegen den Rechtsruck tun“, erklärt die 16-jährige Johanna Knöppel aus der Grüne. Nicht nur gegen Rassismus, sondern auch gegen die Diskriminierung von Menschen wegen ihrer sexuellen Identität wolle man mit Farbe ein Zeichen setzen, ergänzt Amy Grieger (14) aus Letmathe. Die 17-jährige Nancy Schmidt vom Roden nimmt Intoleranz als ein Problem wahr, das in ländlichen Regionen vielleicht sogar noch deutlich hervortritt: „In Großstädten kann man leichter in der Masse untergehen, hier fällt es deutlicher auf, wenn man anders ist.“

Am eigenen Leibe haben die Anwesenden noch keine schlechten Erfahrungen gemacht, mussten aber schon miterleben, wie Menschen mit dunklerer Haut oder gleichgeschlechtliche Pärchen beleidigt worden sind. „Das ist respektlos. Man sollte jeden Menschen so nehmen, wie er ist“, erklärt Dominico Arenas (14) aus Iserlohn. Immerhin, meint der 21-jährige Abbas Moussa aus Iserlohn, sei seine Generation in vielen Dingen bereits aufgeschlossener.

Eine weitere gute Nachricht hat Dagmar Lehmann: In der nächsten Zeit sollen die Schmierereien auf den Rahmen beseitigt werden.

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