Reisen

„Klassischen Badeurlaub wird es nicht geben“

So sehen die Strände auf Mallorca derzeit aus. Und das könnte auch noch einige Zeit so bleiben.

So sehen die Strände auf Mallorca derzeit aus. Und das könnte auch noch einige Zeit so bleiben.

Foto: Clara Margais / dpa

Letmathe.  Reisebüro-Inhaber Peter Rohe spricht über die vielen „Wenns“ und „Abers“ in der Tourismus-Branche.

„Niemand soll glauben, dass er in diesem Jahr noch unbeschwert Urlaub machen kann. Den klassischen Badeurlaub wird es nicht geben“, sagt Peter Rohe, Inhaber der Reisebüros „Holiday Land“ an der Hagener Straße. „Der Strand und das Meer werden da sein. Für alles andere können wir nicht garantieren.“

Ob also das All-inclusive-Angebot im Hotel in vollem Umfang nutzbar ist, die zehn Rutschen im Aquapark geöffnet haben und man fröhlich im Pool plantschen kann, das kann derzeit niemand sagen. Und genau diese Unsicherheit bei den Reisenden, also nicht zu wissen, ob alles so sein wird, wie man es aus den vergangenen Urlauben gewohnt ist, sorgt derzeit dafür, dass Peter Rohe und seine Frau Elke eigentlich nur eins machen: Reisen stornieren. Und das ist schmerzhaft. Nicht nur emotional. „Jede Reise, die wir stornieren müssen, ist ein weiterer Sargnagel.“

Um das Reisebüro überhaupt weiter am Laufen zu halten, musste Peter Rohe die gesamte Belegschaft in 100 Prozent Kurzarbeit schicken. „Ohne das Kurzarbeitergeld der Regierung wären die Arbeitsplätze weg“, sagt Peter Rohe. Denn: Einnahmen hat das Reisebüro trotz Öffnung keine. Daher hofft der Unternehmer auf den bereits vieldiskutierten Rettungsfond für die Tourismusbranche. „Das ist von größter Wichtigkeit. Davon hängt viel ab“, sagt Rohe.

Die aktuelle, weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für alle nicht notwendigen, touristischen Reisen gilt noch bis zum 14. Juni. „Daran halten sich die Veranstalter und stornieren die Reisen bis zu diesem Datum kostenlos“, erklärt der Experte. Aber was ist mit denen, deren Reise am 15. Juni starten würde? „Wenn die Einreise in das Land erlaubt ist, wenn der Flug angeboten wird, wenn das Hotel geöffnet hat, wenn die Rückreise nach Deutschland ohne Quarantäne möglich ist, dann kann die Reise so stattfinden. Aber sie merken: Es sind ganz viele „Wenn“.“

Stornierung, Gutschein oder den Urlaub verlegen

Aus diesem Grund und gar nicht unbedingt aus der Angst, sich in anderen Ländern mit dem Coronavirus anstecken zu können, würden immer mehr Kunden den Kontakt zu ihrem Reisebüro suchen, um sich schon vorab über die verschiedenen Rücktrittsmodalitäten zu informieren. „Die Deutschen sind Sicherheitsmenschen“, sagt Rohe. Und die können ihnen derzeit niemand geben. Deswegen seien einige Kunden sogar bereit, die prinzipiell anfallenden Stornierungsgebühren für Reisen nach dem 14. Juni selbst zu tragen. Einige Veranstalter würden mittlerweile auf diese Gebühren verzichten, sofern sich der Kunde für einen Gutschein entscheidet. „Doch auch da haben viele Reisende die Angst, ob es den Veranstalter nach der Corona-Krise überhaupt noch gibt. Bei den meisten ist daher der Wunsch, das Geld zurück zu bekommen.“

Große Nachfrage nach Reisen innerhalb Deutschlands

Vereinzelt würden aber eben auch Kunden ihre Reise in das kommende Jahr verlegen. „2021 ist zum Großteil schon buchbar“, sagt Peter Rohe. Aber wird da wieder alles ganz „normal“ sein? „Ich persönlich glaube, dass Urlaub wieder möglich sein wird. Aber er wird trotzdem nicht wie 2019.“

Für alle, die trotz Corona unbedingt noch in diesem Jahr weg möchten, heißt es jetzt: schnell sein. „Wir merken einen extremen Boom auf Reisen in Deutschland. Da kommt es teilweise schon zu Kapazitätsproblemen“, sagt Peter Rohe. Die große Nachfrage habe natürlich dazu geführt, dass die Hotels, Campingplätze und Anbieter von Ferienhäusern in kürzester Zeit die Preise um bis zu 40 Prozent angezogen hätten. „Da haben wir als Reisebüro einen kleinen Vorteil. Unsere Preise sind seit eineinhalb Jahren vertraglich festgehalten.“

Die großen Verluste werden diese vereinzelten Buchungen allerdings auch nicht auffangen. Denn Peter Rohe ist natürlich auch klar: „Wer die Malediven gebucht hatte, der will jetzt auch nicht unbedingt nach Grömitz.“

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