Marienhospital

Kreis gibt keinen Aufschub, Stadt wartet auf Gutachten

Wenn die Stadt Iserlohn nicht einspringt, wird das Marienhospital spätestens am 31. Dezember geschlossen.

Wenn die Stadt Iserlohn nicht einspringt, wird das Marienhospital spätestens am 31. Dezember geschlossen.

Foto: Alexander Barth / IKZ

Letmathe/Iserlohn.  Ein Gutachter prüft, ob die Stadt Iserlohn das Marienhospital wirtschaftlich betreiben kann. Der Kreis gewährt keinen Aufschub.

Was wird aus dem Marienhospital? Über den Stand des Rettungsplans hat der Erste Beigeordnete Martin Stolte mit unserer Redaktion gesprochen. Demnach konnte eine Frage inzwischen geklärt werden: „Wir haben im Auftrag des Rates mit dem Märkischen Kreis über einen möglichen Aufschub verhandelt – der bleibt bei seiner Beschlusslage.“ Im Klartext: Wenn sich bis dahin keine alternative Lösung für die Trägerschaft findet, endet die Geschichte des Krankenhauses am 31. Dezember 2019.

Die Sorge, dass die Märkische Gesundheitsholding im Gegenteil diesen Zeitplan noch beschleunigen und die Verwaltung vor vollendete Tatsachen stellen könnte, ist den Verantwortlichen bei der Stadt Iserlohn nicht unbekannt. Es sei allerdings eine klare Vereinbarung getroffen worden, erklärt Stolte: „Bei gravierenden Entwicklungen werden wir innerhalb eines Tages informiert.“ Wenn etwa Schlüsselstellen wegen abwandernden Fachkräften wegfielen, könnte sich der bisherige Träger gezwungen sehen, Abteilungen oder das ganze Haus vorzeitig zu schließen. „Bislang gibt es aus unserer Sicht aber keine Anzeichen dafür, dass das Marienhospital aus Personalmangel bald nicht mehr betriebsfähig sein könnte“, versichert der Erste Beigeordnete.

Gesundheitsholding stellt Geschäftszahlen zur Verfügung

Für die Klärung der Frage, ob die Stadt das Krankenhaus wirtschaftlich betreiben könnte, hat die Verwaltung inzwischen über ein Auswahlverfahren einen Gutachter gefunden, der „mit Hochdruck“ dabei sei, die von der Holding zur Verfügung gestellten Zahlen zu prüfen und zu bewerten. Dabei hätte sich der kommunale Unternehmensverbund im Rahmen der üblichen Vorgaben kooperativ gezeigt, sagte Stolte: „Von einer Sperrhaltung kann man da nicht sprechen.“ Bei dem Gutachter handele es sich um einen habilitierten Fachmann, der in Nordrhein-Westfalen schon zahlreiche Übernahmen, Fusionen, Schließungen und Sanierungen im Gesundheitsbereich begleitet habe.

„Sobald ein erstes Feedback vorliegt, werden wir handeln. Damit müssen wir dann nicht bis zur Ratssitzung im Oktober warten“, stellte Martin Stolte klar. Zur Frage, mit welchem Ergebnis tendenziell zu rechnen sei, wollte sich der Beigeordnete nicht äußern. Klar sei nur: „Sollten wir es mit einem Defizit zu tun haben, muss sich der Verwaltungsvorstand mit der Frage auseinandersetzen: Was macht das mit dem kommunalen Haushalt?“ Die erwartete Belastung und das potenzielle Risiko für die städtischen Finanzen gilt als maßgeblich für die Entscheidung, ob die Stadt die Trägerschaft übernimmt.

Erweitertes Medizinisches Versorgungszentrum als Plan B

Ein möglicher „Plan B“ werde ebenfalls bereits diskutiert, erklärte Stolte. Dabei gehe es primär um den Versuch, den Wegfall der Klinik durch ein erweitertes Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) zumindest teilweise zu kompensieren. In diesem Zusammenhang seien „mehrere Interessenten auf die Stadt zugekommen“, derartige Überlegungen befänden sich aber noch „in der Entwicklungsphase“.

Der Kreistag hatte auf seiner Sitzung am 27. Juni mit deutlicher Mehrheit entschieden, das Marienhospital in Letmathe zum Jahresende zu schließen. Die Empfehlung dazu kam vom Aufsichtsrat der Märkischen Gesundheitsholding, die unter anderem die Kliniken in Lüdenscheid und Werdohl betreibt. Als Begründung wurde das laufende Defizit herangezogen. Mit der Schließung sollen demnach die übrigen Standorte gestärkt werden, den Mitarbeitern in Letmathe will die Gesundheitsholding auf Wunsch andere Arbeitsplätze im Konzern garantieren.

Proteste von Beschäftigten und heimischen Vertretern aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft gipfelten in einer Demonstration vor und während der Kreistagssitzung in Lüdenscheid. Kritiker werfen der Betreibergesellschaft vor, lange vor der Empfehlung den Entschluss zur Schließung des Standorts Letmathe gefasst und das Krankenhaus bewusst heruntergewirtschaftet zu haben. Dr. Thorsten Kehe, Geschäftsführer der Märkischen Gesundheitsholding, hatte noch im April gegenüber unserer Redaktion die Existenz von Schließungsplänen als Gerüchte dementiert.

Klarheit über die Frage, ob die Stadt Iserlohn die Trägerschaft des Krankenhauses übernimmt und damit vor der Schließung bewahrt, dürfte die nächste Ratssitzung am 8. Oktober bringen.

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