Schützenwesen

Lösseler Jubiläum war „erste Sahne“

Thorsten Schick (Mi.) übergab die Plakette an Vorsitzenden Karl-Heinz Hunke (2. v. re.), bevor Wolfgang Tönjann an der Reihe war.

Thorsten Schick (Mi.) übergab die Plakette an Vorsitzenden Karl-Heinz Hunke (2. v. re.), bevor Wolfgang Tönjann an der Reihe war.

Foto: Jennifer Katz

Lössel.   Der Schützenverein hat sein 125-jähriges Bestehen mit vielen Gästen und exklusivem Musikprogramm gefeiert.

Zwei Jahre lang hatte Karl-Heinz Hunke das große Jubiläum vorbereitet – und seine Mühen wurden am Samstag belohnt. Das 125-jährige Bestehen des BSV Lössel wurde gemütlich, aber dennoch feierlich zelebriert. Etwa 200 Gäste waren gekommen, um rund um die Begegnungsstätte zu feiern, zu plaudern und Erinnerungen zu teilen.

„Wir wollten gebührend feiern, aber nicht mit einem Schützenfest. Es sollte mal etwas anderes sein, etwas Besonderes – ein Musikfest“, erzählte der Vorsitzende. Besonders stolz ist er darauf, dass es ihm gelungen ist, das Blasorchester vom Musikverein Hillmicke nach Lössel zu holen. „Meine Mutter ist in Hillmicke geboren, daher hatte ich die Verbindungen“, verriet Hunke, der die Musiker im Vorfeld selbst erlebt hatte und davon überzeugt war, dass sie dem Jubiläum den gebührenden Rahmen geben können.

Dass die drei alten Lösseler Fahnen – die der Schützen, des TV Lössel und des Gesangsvereins – beim Marsch zum Ehrenmal von Claudia Hupach, Jan-Philipp Schnegelsberg und Erich Quittmann durchs Dorf getragen wurden, rührte Hunke sichtlich. „Zum ersten Mal seit 30 Jahren“, erzählte er. Zwar seien fast alle der derzeit 50 BSV-Mitglieder aktiv, jedoch habe sich im Laufe der Jahre vieles verändert.

Zu den offiziellen Gratulanten gehörte der stellvertretende Bürgermeister Thorsten Schick, der ebenso auf den Wandel einging. „ Sicherlich gibt es Kritiker, die das Schützenwesen und die repräsentierenden Vereine als rückschrittlich und verstaubt betrachten, ihnen keine Relevanz und Bedeutung mehr beimessen. Dies ist jedoch einer sehr oberflächlichen Betrachtung geschuldet, die der Realität nicht standhält. Schützenvereine sind im 21. Jahrhundert nicht weniger wichtig als zuvor. Geändert haben sich allerdings das Selbstverständnis und der gesellschaftliche Auftrag der Vereine. In einer Zeit, in der viele Menschen den Großteil ihrer Freizeit lieber in der virtuellen Welt als in der Realität unseres Lebens verbringen, kommt Vereinen wie dem BSV Lössel die Aufgabe zu, Gemeinschaft und Gemeinsinn zu leben und zu pflegen und all’ jenen eine Anlaufstelle zu bieten, die Begegnungen von Mensch zu Mensch suchen. Schützenvereine sind somit ein positiver Gegenentwurf in einer zunehmend ich-bezogenen Gesellschaft.“ Als vor 125 Jahren 63 Lösseler zusammengekommen waren, um einen Bürgerverein zu gründen, hätten sie dies im Bewusstsein getan, dem „Beispiel einer stolzen Tradition zu folgen“. Sie hätten sich von Beginn an nicht nur dem gesellschaftlichen Auftrag verpflichtet, sondern auch den sozialen Belangen der dörflichen Bevölkerung. „Diese Haltung hat den Verein bis heute geprägt“, so Schick.

Die Glückwünsche des Westfälischen Schützenbundes überbrachte Vizepräsident Wolfgang Tönjann. „Viele Menschen setzen das Schützenwesen gleich mit Spaß, Freude, Volksfesten und Geselligkeit. Doch es ist auch mit einem hohen Maß an Verantwortung verbunden, die sich von einer Generation auf die nächste überträgt“, erklärte er. Und weiter zitierte er Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht: „Die Schützen gehören zur DNA Deutschlands.“ Darin eingeschlossen sei auch der BSV Lössel, der sich seiner Verantwortung und seiner Rolle in der örtlichen Gemeinschaft sowie für das Schützenwesen bewusst sei.

Jubiläumsplakettenund eine Beförderung

Tönjann überreichte die Jubiläumsplakette und einen Fahnennagel des Westfälischen Schützenbundes, außerdem einen Fahnennagel des Deutschen Schützenbundes. Schick hatte die Schützen-Ehrenplakette nebst Urkunde des Landes Nordrhein-Westfalen im Gepäck. Im Anschluss an die Reden wurde Mathias Müller, stellvertretender BSV-Schriftführer, zum Major befördert.

Nach einer kleinen Pause für den geselligen Teil wurde es dann noch einmal festlich, als sich die etwa 50 Mitglieder des Hillmicker Orchesters und fast 20 Musiker des Spielmannszuges Evingsen für den Großen Zapfenstreich aufstellten. Die Premiere im Zusammenspiel ist geglückt, mit „God Save The Queen“, „Ich war noch niemals in New York“ und „Alte Kameraden“ verursachten die Gruppen bei vielen Zuhörern Gänsehaut. „Das war erste Sahne, sie haben sich selbst übertroffen“, lobte Hunke hinterher. Er war mit dem Musikfest, trotz kurzer Schauer, sehr zufrieden.

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